Das glückliche und weise Österreich zeigt uns wieder einmal, wie man so etwas richtig macht. Es hat sich, das sah man ja, mit voller Absicht nicht für die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine qualifiziert. Jetzt kann es statt der eigenen, extra für die Frauen-WM überarbeiteten Nationalhymne ganz leicht das hohe Lied der Menschenrechte singen und anstelle eines langweiligen Ballgeschiebes in Galizien endlich wieder alle Folgen von „Kottan ermittelt“ anschauen. Oder halt in Gottes Namen zum hundertsten Male das Wunder von Córdoba, weil so a Hetz gibt’s eh nimmer. Wir Piefkes aber, recht geschieht uns, müssen uns mit der Frage quälen, ob wir uns an dieser Europameisterschaft erfreuen dürfen, wo doch in einem ukrainischen Kerker die arme Frau Timoschenko schmachtet und nicht einmal der Müller-Wohlfahrt zu ihr darf. Kann es, das peinigt die deutsche Seele immer wieder, Gutes im und beim Bösen geben?
Dass die Großkopferten nicht hinfahren, ist ja nur gerecht, und das nicht allein der unerträglichen Zustände im ukrainischen Gefängniswesen halber. Diese Ehrentribünen-Sesselfurzer sollen auch einmal erleben, wie es dem kleinen Mann geht, wenn er sich in finsteren Kneipen zwischen andere kleine Männer quetschen muss, nur um Barcelona gegen Real zu sehen: Pay-TV kann sich vielleicht der Herr Blatter leisten, der gemeine deutsche Fußballfan aber muss sich schon für Xbox und Playstation krummlegen. Die Drohung der EU-Kommission, die Spiele nur auf einem Großbildschirm in Brüssel mit subventionierten Kartoffelchips anzuschauen, kommt uns vor diesem Hintergrund nicht wirklich furchterregend vor. Und wegen eines solchen Boykotts, über den ja die Moorhühner lachen, will Janukowitsch uns vielleicht im nächsten Winter das Gas abdrehen? Der Mann hat schwache Nerven. Wie gut, dass die Ukraine damals ihre Atomraketen an Russland abgegeben hat. Doch oh je: In zwei Jahren gibt es Winterspiele in Sotschi. Also bitte Vorsicht mit kritischen Bemerkungen, wenn der ewige Präsident Putin wieder ein paar Leutchen einsperrt, die ihn einfach nicht für einen lupenreinen Demokraten halten wollen. Moskau denkt schon jetzt ziemlich laut über die Vorzüge eines Präventivschlags nach.
Wieder eine feine spitze Glosse
Angela Ansbacher (freeangela)
- 07.05.2012, 11:04 Uhr
Tolle Glosse, Herr Kohler
Achim Schad (erstaunlich21)
- 05.05.2012, 19:01 Uhr
...ausser vielleicht, dass...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 04.05.2012, 18:12 Uhr
Danke Herr Kohler
Renate Simon (-simon-)
- 04.05.2012, 17:03 Uhr