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Fraktur - Die Sprachglosse : Blumen zu Biogas!

Wohl ’ne Meise Bild: ZB

Euro-Krise? Deutschland steht kurz vor der Vermaisung! Oder doch vor der Vermeisung?

          Es müsse dringend etwas gegen die „Vermaisung“ unserer Landschaften getan werden, fordert der Grünen-Vorsitzende Özdemir. Gemeint hat er damit wohl nicht die Vermeisung unserer Politiker, obschon man da nach der Reform (Revorm?) der Reform (Rephorm?) unserer ehemaligen Rechtschreibung nicht mehr ganz sicher sein kann. Doch würde eine solche Behauptung schlicht den Tatsachen widersprechen. Zwar hat der eine oder andere Politiker ganz bestimmt einen Vogel, aber von einem flächendeckenden Phänomen zu reden wäre übertrieben.

          Der Mais dagegen ist tatsächlich auf breiter Front auf dem Vormarsch, denn die Biogasanlagen, die bis vor kurzem noch als vom süßen Duft der Silage durchzogene Tempel der Ökologie galten, sind unersättlich. Um ihren Hunger zu stillen, baut der moderne Energiewirt (ehemals Bauer) statt altmodischen Kartoffeln nun quasi Energieriegel für seine Bioreaktoren an, wie etwa das sich wunderbar in die deutsche Kulturlandschaft einfügende Elefantengras. Und noch viel lieber den ihm etwas länger bekannten Mais, an dem schon die Maya ihre Freude hatten – bis sie auf rätselhafte Weise verschwanden. Waren die „Menschen aus Mais“, wie die Maya sich nannten, vielleicht das erste Opfer einer galoppierenden Vermaisung? Grüne, die sie davor hätten warnen können, gab es damals ja noch nicht.

          Da haben wir es besser. Und es stimmt schließlich: Bei uns breitet sich Zea mays in einer Geschwindigkeit aus, dass sogar noch den von ihm eingekreisten Windrädern angst und bange wird. Von wegen Griechenland und der Euro – ein Süßgras aus Südamerika könnte uns zum Schicksal werden. Wir haben doch nicht das Joch der Atomwirtschaft abgeworfen, um künftig in einem riesigen Maisfeld zu leben! Wie schön waren die deutschen Lande, als zwischen Rhein und Elbe nur der Raps wogte und es selbst an den Tankstellen des Ruhrpotts nach altem Frittenfett roch. Weil man nach den jüngsten Horrornachrichten zur Ökobilanz aber nicht einmal mehr Biosprit reinen ökologischen Gewissens tanken kann – der deutsche Autofahrer wusste schon, warum er der Ökoplörre namens E 10 misstraute –, könnte höchstens noch die ohnehin schon aufholende Solarverzellung die vollständige Vermaisung Deutschlands aufhalten.

          Die will jetzt natürlich wieder keiner gewollt haben, schon gar nicht die Partei der erneuerbaren Energien. Geht es nach Bärbel Höhn, dann wird Biogas künftig nur aus glücklichen Wildkräutern von freiwachsenden Waldwiesen gewonnen. Wenn das keine Besinnung auf die Urwerte der Blumenkinder-Bewegung ist! Atomkraft, nein danke – Flower-Power, ja bitte! Blumen zu Biogas! Allerdings müsste man dann von Anfang an darauf achten, dass es nicht zur Verwiesung oder gar Verblumung Deutschlands käme. Sonst könnte man das noch für ein Zeichen von Verblödung halten.

          Quelle: F.A.Z.

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