http://www.faz.net/-gpf-71njv

Fraktur - Die Sprachglosse : Billiger Populismus

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel: Populistische Bankenkritik? Bild: dpa

Finanzminister Schäuble hat Sigmar Gabriel „billigen Populismus“ vorgeworfen. Kann Populismus auch teuer sein? Oder zumindest recht und billig?

          Es gibt ein paar Sachen, die sind überhaupt nicht populistisch: 50 Kilometer Gehen zum Beispiel - oder ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, in dem die Begriffe „negatives Stimmgewicht“ und „Reststimmenverwertung“ vorkommen. Das war’s dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Während sich nämlich fürs 50 Kilometer Gehen allenfalls Hüftchirurgen interessieren, genießt das Verfassungsgericht im gesamten Volk nicht nur höchste Aufmerksamkeit, sondern auch große Popularität. Offenbar geht also beides: ohne Populismus populär und ohne Populismus unpopulär zu sein.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Wie sieht das Ganze nun mit Populismus aus? Wenn es nach unserem Bundesfinanzminister geht, muss man da Sigmar Gabriel, den einstigen Popbeauftragten und jetzigen Populismusbeauftragten der SPD, fragen. Diesem hat Schäuble zuletzt wegen dessen Bankenkritik sogar „billigen Populismus“ vorgeworfen. Aber was heißt das? Dass Populismus immer billig ist? Oder dass er teuer und, wenn gut gemacht, auch recht und billig oder sogar chillig sein kann?

          Ausgerechnet die Flatrate- und Pöbelpopulisten von der Linkspartei glauben an Letzteres. Jedenfalls hat ihre neue Bundesvorsitzende Katja Kipping, in die Kim Jong-un lange verliebt gewesen sein soll, jüngst sinngemäß gemeint: A bissl Populismus geht immer. Was sie dabei nicht bedacht hat: dass viele Populistenkandidaten in ihrer angeblich „bewegungsorientierten“ Partei an 50-Kilometer-Geher erinnern, die kurz vor dem Ziel wegen Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat disqualifiziert werden. Stets geschmeidig war hingegen der frühere Radrennfahrer und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß.

          Von ihm stammt der Heiße-Ohren-Satz, dass man als Politiker dem Volk zwar aufs Maul schauen, diesem aber nicht nach dem Mund reden sollte. Die Begründung lieferte er gleich mit: vox populi, vox Rindvieh! Das stimmt - man denke etwa an den bayerischen Oppositionsführer Rinderspacher. Es gilt aber leider auch: vox populi, vox Stimmvieh! Und bis auf weiteres: vox populi, vox negatives Stimmgewicht!

          Weitere Themen

          Ihr denkt alle zu moralisch

          Gabriels Antrittsvorlesung : Ihr denkt alle zu moralisch

          Sigmar Gabriel hat an der Universität Bonn die Antrittsvorlesung für seine Gastprofessur am Seminar für politische Wissenschaft gehalten. Er wünscht sich ein starkes Europa. Wie das zu bewerkstelligen sei, sagt er nicht.

          Topmeldungen

          USS „John S. McCain“ : Kommando Untergang

          Gleich zweimal havarierten im vergangenen Sommer amerikanische Kriegsschiffe im Pazifik - Siebzehn Seeleute starben. Jetzt hat die Navy einen Untersuchungsbericht vorgelegt: Was an Bord geschah, war abenteuerlich.

          Söder macht auf digital : Hyperloop und Lederhose

          Bayerns Ministerpräsident legt eine umfangreiche digitale Agenda vor. Einiges davon ist sehr wichtig, anderes Quatsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.