http://www.faz.net/-gpf-71njv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.07.2012, 16:35 Uhr

Fraktur - Die Sprachglosse Billiger Populismus

Finanzminister Schäuble hat Sigmar Gabriel „billigen Populismus“ vorgeworfen. Kann Populismus auch teuer sein? Oder zumindest recht und billig?

von
© dpa Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel: Populistische Bankenkritik?

Es gibt ein paar Sachen, die sind überhaupt nicht populistisch: 50 Kilometer Gehen zum Beispiel - oder ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, in dem die Begriffe „negatives Stimmgewicht“ und „Reststimmenverwertung“ vorkommen. Das war’s dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Während sich nämlich fürs 50 Kilometer Gehen allenfalls Hüftchirurgen interessieren, genießt das Verfassungsgericht im gesamten Volk nicht nur höchste Aufmerksamkeit, sondern auch große Popularität. Offenbar geht also beides: ohne Populismus populär und ohne Populismus unpopulär zu sein.

Timo Frasch Folgen:

Wie sieht das Ganze nun mit Populismus aus? Wenn es nach unserem Bundesfinanzminister geht, muss man da Sigmar Gabriel, den einstigen Popbeauftragten und jetzigen Populismusbeauftragten der SPD, fragen. Diesem hat Schäuble zuletzt wegen dessen Bankenkritik sogar „billigen Populismus“ vorgeworfen. Aber was heißt das? Dass Populismus immer billig ist? Oder dass er teuer und, wenn gut gemacht, auch recht und billig oder sogar chillig sein kann?

Mehr zum Thema

Ausgerechnet die Flatrate- und Pöbelpopulisten von der Linkspartei glauben an Letzteres. Jedenfalls hat ihre neue Bundesvorsitzende Katja Kipping, in die Kim Jong-un lange verliebt gewesen sein soll, jüngst sinngemäß gemeint: A bissl Populismus geht immer. Was sie dabei nicht bedacht hat: dass viele Populistenkandidaten in ihrer angeblich „bewegungsorientierten“ Partei an 50-Kilometer-Geher erinnern, die kurz vor dem Ziel wegen Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat disqualifiziert werden. Stets geschmeidig war hingegen der frühere Radrennfahrer und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß.

Von ihm stammt der Heiße-Ohren-Satz, dass man als Politiker dem Volk zwar aufs Maul schauen, diesem aber nicht nach dem Mund reden sollte. Die Begründung lieferte er gleich mit: vox populi, vox Rindvieh! Das stimmt - man denke etwa an den bayerischen Oppositionsführer Rinderspacher. Es gilt aber leider auch: vox populi, vox Stimmvieh! Und bis auf weiteres: vox populi, vox negatives Stimmgewicht!

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Edeka-Tengelmann-Fusion Wer lügt: Minister Gabriel, Rewe oder das Gericht?

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat im Streit um die gestoppte Ministerlaubnis zur Edeka-Tengelmann-Fusion den Richtern falsche Behauptungen vorgeworfen. Doch nun erhebt Rewe diesen Vorwurf gegen den Minister. Mehr Von Kerstin Schwenn und Hendrik Wieduwilt

14.07.2016, 21:57 Uhr | Wirtschaft
Berlin Gabriel will gegen Gerichtsentscheid zu Supermarktfusion vorgehen

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich gegen gerichtliche Kritik an seinem Vorgehen beim Fusionsvorhaben der Supermarkt-Ketten Edeka und Kaiser’s Tengelmann verteidigt und rechtliche Schritte gegen den Gerichtsentscheid angekündigt. Mehr

13.07.2016, 16:32 Uhr | Wirtschaft
Freihandelsabkommen Die SPD beerdigt TTIP

Sigmar Gabriel war einmal ein Verfechter des geplanten Freihandelsabkommens mit Amerika. Vor der nächsten TTIP-Verhandlungsrunde malt er nun schwarz - und das liegt an seiner eigenen Partei. Mehr Von Majid Sattar, Berlin

13.07.2016, 18:10 Uhr | Politik
Gabriel Zuhause Gabriel Zuhause

Gabriel Zuhause Mehr

01.07.2016, 15:49 Uhr | Aktuell
Nach Gabriels Entscheidung Union gegen neue Regeln für den Wirtschaftsminister

Nachdem Sigmar Gabriel von einem Gericht eine schlappe kassiert hat, gibt es Überlegungen, die Macht des Wirtschaftsministers einzuschränken. Ein führender CDU-Mann hält nichts davon. Mehr

18.07.2016, 07:58 Uhr | Wirtschaft