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Fraktur - Die Sprachglosse : Billiger Populismus

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel: Populistische Bankenkritik? Bild: dpa

Finanzminister Schäuble hat Sigmar Gabriel „billigen Populismus“ vorgeworfen. Kann Populismus auch teuer sein? Oder zumindest recht und billig?

          Es gibt ein paar Sachen, die sind überhaupt nicht populistisch: 50 Kilometer Gehen zum Beispiel - oder ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, in dem die Begriffe „negatives Stimmgewicht“ und „Reststimmenverwertung“ vorkommen. Das war’s dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Während sich nämlich fürs 50 Kilometer Gehen allenfalls Hüftchirurgen interessieren, genießt das Verfassungsgericht im gesamten Volk nicht nur höchste Aufmerksamkeit, sondern auch große Popularität. Offenbar geht also beides: ohne Populismus populär und ohne Populismus unpopulär zu sein.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Wie sieht das Ganze nun mit Populismus aus? Wenn es nach unserem Bundesfinanzminister geht, muss man da Sigmar Gabriel, den einstigen Popbeauftragten und jetzigen Populismusbeauftragten der SPD, fragen. Diesem hat Schäuble zuletzt wegen dessen Bankenkritik sogar „billigen Populismus“ vorgeworfen. Aber was heißt das? Dass Populismus immer billig ist? Oder dass er teuer und, wenn gut gemacht, auch recht und billig oder sogar chillig sein kann?

          Ausgerechnet die Flatrate- und Pöbelpopulisten von der Linkspartei glauben an Letzteres. Jedenfalls hat ihre neue Bundesvorsitzende Katja Kipping, in die Kim Jong-un lange verliebt gewesen sein soll, jüngst sinngemäß gemeint: A bissl Populismus geht immer. Was sie dabei nicht bedacht hat: dass viele Populistenkandidaten in ihrer angeblich „bewegungsorientierten“ Partei an 50-Kilometer-Geher erinnern, die kurz vor dem Ziel wegen Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat disqualifiziert werden. Stets geschmeidig war hingegen der frühere Radrennfahrer und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß.

          Von ihm stammt der Heiße-Ohren-Satz, dass man als Politiker dem Volk zwar aufs Maul schauen, diesem aber nicht nach dem Mund reden sollte. Die Begründung lieferte er gleich mit: vox populi, vox Rindvieh! Das stimmt - man denke etwa an den bayerischen Oppositionsführer Rinderspacher. Es gilt aber leider auch: vox populi, vox Stimmvieh! Und bis auf weiteres: vox populi, vox negatives Stimmgewicht!

          Quelle: F.A.Z.

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