http://www.faz.net/-gpf-7862h

Fraktur - Die Sprachglosse : Auf surreale Art

Surreale Vor- und Abgänge in der EU: Da wäre selbst Dalí sprachlos gewesen. Bild: culture-images/Photo12

Auch Angela Merkel muss den italienischen Weg einschlagen. Denn nur in einer Welt, in der es keine Logik gibt, gibt es keine Widersprüche.

          Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat zuletzt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mehr Aufklärung im Sinne Immanuel Kants verlangt. Um Gottes willen!, kann man da nur sagen. Es reicht doch schon, dass die Dinge sind, wie sie sind, dessen muss man sich nicht auch noch bewusst werden. Das Gebot der Stunde ist deshalb nicht mehr, sondern weniger Aufklärung, nicht die totale Bewusstseinsmobilisierung, sondern die Auflösung des Bewusstseins, wie sie vor knapp hundert Jahren die Surrealisten gepredigt haben.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Womit wir in Italien wären. Dort hat Staatspräsident Napolitano unter der Woche mitgeteilt, er beende seine Amtszeit „auf surreale Art“. Nun hält es heutzutage schon jeder Kiffer für surreal, wenn er seine Bong statt wie üblich hinter dem Seziertisch zufällig unter der Nähmaschine oder auf dem Regenschirm vorfindet. Napolitanos Begriffsgebrauch geht da schon eher in die richtige Richtung, wenn er von „absurden und unverständlichen Verdächtigungen und Gedankenspielen“ in seinem Land spricht, „zwischen dem Genialen und dem Verrückten“.

          Dieser italienische Weg, der in der kompletten Besinnungslosigkeit endet, dort, wo laut dem Surrealismus-Begründer André Breton das Reale und das Imaginäre, das Leben und der Tod sowie die FDP und der Mindestlohn nicht mehr länger als Gegensätze wahrgenommen werden, dieser Weg muss auch von der Physikerin Angela Merkel eingeschlagen werden. Denn nur in einer Welt, in der es keine Logik gibt, gibt es keine Widersprüche. Und nur dort, wo die Wahrheit ein Mythos ist, wird nie gelogen.

          Bestes Beispiel: Die Spareinlagen sind sicher. Dazu hat die mexikanische Malerin Frida Kahlo einmal en passant was Interessantes gesagt, als sie den Surrealismus definierte. Dieser sei „die magische Überraschung, wenn man im Kleiderschrank einen Löwen findet, wo man doch wusste, dass dort nur Hemden liegen können“. So ähnlich könnte es uns bald beim Blick auf unsere Kontoauszüge gehen.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Ende der Eiszeit? Video-Seite öffnen

          Gabriel und Cavusoglu : Ende der Eiszeit?

          Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) und sein türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu wollen die Eiszeit zwischen beiden Ländern überwinden. Das machten sie bei einem Treffen in Gabriels Heimatstadt Goslar in Niedersachsen deutlich.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Ein Jahr Trump : „Ich bin begeistert“ – „Lächerlich“

          Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr spaltet Donald Trump sein Volk. Wir haben zwei Amerikaner, die in Deutschland leben, gefragt, was sie von ihrem Präsidenten halten. Da stoßen Welten aufeinander.
          Wahl-Franzose: Peter Mayle (1939 - 2018).

          Autor Peter Mayle gestorben : Licht und Lavendel

          Er ließ sich in Südfrankreich nieder und wollte einen Roman schreiben. Sein Buch „Mein Jahr in der Provence“ wurde zum Bestseller und sorgte für einen Brexit in umgekehrter Richtung: Zum Tod des Autors Peter Mayle.

          Blog | Reinheitsgebot : Was macht der Weltraum mit dem Bier?

          Wie eine Brauerei einmal ihre Kunden Hopfen anbauen ließ, ihn in die Stratosphäre schickte und daraus ein richtig gutes Bier machte. Und warum sie das, auch ohne Flug ins All, wohl nicht wiederholen wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.