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Fraktur - Die Sprachglosse Ansteckend

13.01.2012 ·  Schon lange wird der Staat und sein Personal gerne organologisch seziert. Doch neuerdings sind die Organe krank geworden.

Von Timo Frasch
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Es ist lange Tradition in der politischen Philosophie, den Staat als Staatskörper zu begreifen, dessen Herz im Falle Deutschlands aus zwei Kammern besteht und dessen Kopf nicht ohne Grund als Staatsoberhaupt bezeichnet wird. Körper können von Krankheit befallen werden, und auch Staat und Politik können an etwas kranken. An der Sprache ihrer Akteure zum Beispiel, die Patient und Arzt in einer Person sind, was ja schon in der Wendung „Die zwei Körper des Königs“ von Ernst Kantorowicz angedeutet war.

Der italienische Ministerpräsident Monti, unter der Woche zu Gast im einmal „kranker Mann Europas“ genannten Deutschland, an dessen Wesen einst die Welt genesen sollte, vermeldete nun, sein Land, das ja genaugenommen nicht aus Hand und Fuß, sondern nur aus Fuß (im Stiefel) besteht, sei „nicht mehr ansteckend“. Das würde der CSU-Vorsitzende Seehofer, der sich nach einem Bad in der Menge schon mal seine Hände desinfizieren soll, seinem Koalitionspartner FDP vermutlich nicht attestieren, obwohl gerade dieser von einem Arzt geführt wird.

Jedenfalls hatte Seehofer schon im April davor gewarnt, sich von der Schwäche der FDP „infizieren“ zu lassen, offenbar in der Annahme, dass die Koalition die Grippe befalle, wenn die FDP huste. Da war Seehofer insofern kurzsichtig, als es sich inzwischen erwiesen hat, dass ein toter Mann nicht ansteckend ist. Vielleicht ist der bayerische Ministerpräsident aber auch auf einem Auge blind, was unserem Staat ja zuletzt vorgeworfen wurde. Wie auch immer: Er sollte sich von einer reizenden indischen Augenärztin behandeln lassen.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik.

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