Seit Horst Seehofer im Fernsehen endlich einmal die Wahrheit sagen durfte, wissen wir, was Norbert Röttgens allergrößter Fehler war. Von wegen, das sei die in der Tat vollkommen unverständliche Weigerung gewesen, seine damals noch vielversprechende politische Karriere mit dem Amt des Oppositionsführers in Düsseldorf zu krönen. Röttgens Jahrhundertschnitzer, von dem er sich nicht mehr erholen konnte, bestand vielmehr darin, einen amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden „abtropfen“ zu lassen – obwohl dieser sich nicht nur persönlich, sondern sogar noch über ein Boulevardblatt an ihn gewandt hatte, was insbesondere bürgerliche Politiker ja nur tun, wenn sie es wirklich gut meinen mit einem Bruder in Christo.
Dass Angela Merkels Klügster eines Tages nicht mehr auf seine Mutti hören würde, war vorhersehbar gewesen. Den Rat eines Landesvaters aber, der über eine derart breite Lebenserfahrung verfügt wie Seehofer, lehnt man nicht ungestraft ab. Ob Röttgen überhaupt eine Ahnung hat, was er dem großen weisen Mann der Schwesterpartei antat, als er ihn an sich herunterrinnen ließ wie einen in der Sonne geschmolzenen Eisbecher? In Bayern lässt man nur Flüssigkeiten abtropfen, die hier wirklich nicht genannt werden können. Der Einzige im Freistaat, der etwas mit Eleganz abtropfen lassen konnte, war Franz Beckenbauer: den Ball nach einem Vierzig-Meter-Pass. Des Kaisers Epigonen dagegen können nicht einmal ihr Dortmund-Trauma abschütteln.
Und dann kommt dieser Leichtmatrose, dieser Kosmopolit aus dem Westen, glaubt, seine Kandidatur dortselbst sei allein seine Sache, und probiert ausgerechnet beim Mr. Teflon der CSU die Abperlnummer. Ja mei, Bürscherl, des hamma gern! Dankenswerterweise haben ihm schon die Nordrhein-Westfalen, oder wie dieser Stamm heißt, gezeigt, wo der Hammer hängt. Natürlich musste danach Frau Merkel beweisen, dass sie die wahre Kraft-Meierin ist. Wie aber konnte der kluge Röttgen überhaupt so dumm sein und den doch klaren Befehl aus Bayern verweigern? Dafür gibt es nur eine Erklärung: Der arme Tropf hat zu viel Fußball geschaut. Und geglaubt, auch die CSU würde sich von einem Emporkömmling so vorführen lassen wie der andere großspurige Verein aus München.
In Kabinett stehen Ablösunskandidaten Schlange,
Gerhard Storm (gerhardstorm)
- 19.05.2012, 09:24 Uhr
Hätte er doch Newspeak gelernt statt Bayerisch!
Wolfgang Krück (wkr180558)
- 19.05.2012, 08:00 Uhr
Im Kabinett sehen Ablösungskandidaten Schlange
Gerhard Storm (gerhardstorm)
- 19.05.2012, 06:54 Uhr
Guttenberg reloaded
Bernd Buerschaper (B_Buerschaper)
- 18.05.2012, 21:18 Uhr
Welch ein unsäglicher Napf.
Karl S. Walter (skeptiker01)
- 18.05.2012, 21:06 Uhr