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Fraktur : Party mit Putin

Küss die Hand: Vielleicht springt für Österreich ja Südossetien heraus. Bild: Wilhelm Busch

Was läuft da zwischen dem russischen Präsidenten, Merkel und Kneissl?

          Sollte die Hochzeit des Jahres doch nicht in Windsor stattgefunden haben? Die fünfte Eheschließung unseres früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder ist ja erst für den Oktober angesetzt. Vom Thron gestoßen werden könnten Harry und Meghan aber auch schon an diesem Samstag in der Steiermark, wo Österreichs Außenministerin Kneissl das gschlamperte Verhältnis zu ihrem Lebensgefährten in Ordnung bringen will.

          Der Unternehmer kann zwar in mehrfacher Hinsicht nicht mit der Herzogin von Sussex mithalten, doch wird die Hochzeit von einem Gast geadelt, den nicht einmal die Royals aufbieten konnten, bei denen die üblichen Veteranen der leichten Muse antanzten, also Elton John, die Clooneys, die Beckhams und so weiter. In der österreichischen Toskana aber gibt sich kein Geringerer die Ehre als Wladimir Putin, ewiger Präsident der Russischen Föderation.

          Aus freien Stücken

          Den hat das Brautpaar wohlgemerkt aus freien Stücken eingeladen und nicht etwa, weil im Staatsvertrag von 1955 eine Art Ius-primae-noctis-Klausel enthalten wäre (es sei denn, auch der hätte ein geheimes Zusatzprotokoll). Österreichs Außenministerin, der keine allzu große persönliche Nähe zu Putin nachgesagt wird, scheint schlicht die Tradition der bewährten Heiratspolitik hochhalten zu wollen, mit der die Habsburger sich halb Europa unter den Nagel reißen konnten, ohne auch nur das Bett verlassen zu müssen.

          Deren Devise lautete bekanntermaßen: Bella gerant alii, tu felix Austria nube (Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate). In der 2.0-Version heißt das nun: Sanktionen verhängen mögen andere, du, glückliches Österreich, mach Party mit Putin. Nun darf man trotz dessen Sympathie für die FPÖ zwar nicht erwarten, dass er als Hochzeitsgeschenk die Krim mitbringt; schließlich ist Putin anders als Chruschtschow Abstinenzler. Aber vielleicht springt für Österreich ja wenigstens Südossetien heraus.

          Und wen könnten wir Deutsche an die Hochzeitsfront werfen, um endlich das Eis im Verhältnis zu unserem wichtigsten Verbündeten zu brechen? Es gäbe einige attraktive Kandidatinnen und Kandidaten im Kabinett, für die Trump den Trauzeugen machen könnte. Man stelle sich nur vor, er dürfte Julia Klöckner zum Altar führen (natürlich unter Aufsicht) – er würde doch sofort den Zoll auf alles senken, was aus Rheinland-Pfalz kommt. Auch dem Saarland könnte so geholfen werden, gleich mehrfach. Wenn gar alle ledigen oder geschiedenen Angehörigen des Bundeskabinetts in vorbildlicher Pflichterfüllung nur halb so oft heirateten wie der Rekordhalter unter unseren Kanzlern und jedes Mal Trump einlüden, brauchten wir kein Freihandelsabkommen mehr. Also bitte, nach britischem Vorbild: Close your eyes and think of Germany.

          Als Zeichen unserer Dankbarkeit könnten wir Trump dann die 10.000 Veteranenabzeichen überlassen, die in Kellern des Verteidigungsministeriums vor sich hin gammeln, weil man dort auch nach Jahren des Nachdenkens immer noch nicht weiß, wer und was ein Veteran ist. Außerdem, das kann doch nicht nur uns aufgefallen sein, ähneln die Medaillen ziemlich dem Eisernen Kreuz.

          Wird der Präsident der Kanzlerin die Hand küssen?

          Mit diesen Ehrenzeichen könnte Trump die amerikanischen Veteranen günstig (Stückpreis unter einem Euro) darüber hinwegtrösten, dass es am Veteranentag nun doch keine Militärparade zu Ehren des Oberkommandierenden auf der Pennsylvania Avenue geben wird, weil die sage und schreibe sechs Mal so teuer gewesen wäre wie die Militärmanöver in Südkorea, die der Präsident unter Verweis auf die Kosten abgesagt hatte. Sollten die Paradepanzer aus Gold sein? Tja, wenn der Chef nicht alles selbst aushandelt!

          Apropos Chef(in): Bei der schaut Putin auf der Rückreise aus der Steiermark vorbei, und zwar nicht im kalten Kanzleramt, sondern in Meseberg, diesem ehemaligen Lustschloss. „Was läuft da zwischen Merkel und Putin?“, fragte alarmiert die Deutsche Presse-Agentur. Wird der Präsident, beseelt vom Habsburger Hofzeremoniell, der Kanzlerin die Hand küssen?

          Gehen wir vielleicht still und leise einem neuen Frühling im Verhältnis zu Russland entgegen? Dann müsste man Schröder, der sich dafür noch länger und selbstloser einsetzte als Kneissl, doch endlich auch einen deutschen Orden verleihen. Warum nicht eine der Veteranenmedaillen? Wer schon vier Ehen hinter sich hat, verfügt zweifellos über Kampferfahrung. Und am Auslandseinsatz fehlt es jetzt ja auch nicht mehr.

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