23.09.2002 · Merz weicht Merkel. Der Fraktionsvorsitzende der Union wird nicht mehr für dieses Amt kandidieren. Damit wäre Merkel die mächtigste Person in der CDU - und womöglich die kommende Kanzlerkandidatin.
Einen Tag nach der Wahl ist an der Spitze der Union eine erste wichtige Entscheidung gefallen: Friedrich Merz wird seinen Fraktionsvorsitz zugunsten der CDU-Parteivorsitzenden Angela Merkel niederlegen. Merkel hatte am Montag nach der Sitzung von Parteipräsidium und Parteivorstand angekündigt, sie werde für dieses Amt kandidieren. Oppositionsarbeit, so ihr Argument, solle in Partei- und Fraktionsvorsitz gebündelt werden. Unterstützt wird sie dabei unter anderem von dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber.
Zunächst sah es am Montag so aus, als könnte es zu einer Kampfabstimmung zwischen Merkel und Merz kommen, nachdem durchgesickert war, dass es zwischen beiden einen Machtkampf um den Vorsitz gebe. Nachdem Merkel in Fraktionskreisen zunächst gute Chancen eingeräumt worden waren, soll Merz aufbegehrt haben. In der Sitzung von Präsidium und Vorstand soll er die Ansprüche Merkels auf das Amt zurückgewiesen und sie als die ungeeignetere Kandidatin bezeichnet haben. Vor Journalisten wies Merz solche Schilderungen zurück. Er habe sich bereits am Sonntagabend entschieden, nicht mehr zu kandidieren, sagte er. Vorrang habe für ihn, dass die Union mit größtmöglicher Geschlossenheit in die Opposition gehe.
Was wird aus Merz?
Neben Stoiber unterstützen CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Christoph Böhr und Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel den Anspruch Merkels auf den Fraktionsvorsitz. Nach wie vor unklar ist allerdings, welche Rolle Merz künftig in der Partei spielen wird. Er selbst mochte sich dazu am Montag nicht äußern.
In Fraktionskreisen heißt es, dass eine herausgehobene Stellung als stellvertretender Fraktionsvorsitzender nicht möglich sein wird, da es bereits den Posten eines 1. Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gebe, den die Schwesterpartei CSU beanspruche. Dank ihrem guten Ergebnis in Bayern werde die CSU sich die Rolle nicht nehmen lassen.