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Allensbach-Umfrage : Deutsche trauen Politik keine Lösung der Flüchtlingskrise zu

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge treffen am Messebahnhof in Hannover-Laatzen ein Bild: dpa

In der Flüchtlingskrise wächst bei den Deutschen die Sorge vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Der Zweifel wächst, ob die Politik eine Vorstellung davon hat, wie die Probleme bewältigt werden können.

          Immer mehr Bürger sind unmittelbar mit der Flüchtlingskrise konfrontiert. 86 Prozent berichten, dass in ihrer Region Flüchtlinge aufgenommen wurden, 48 Prozent sprechen von vielen Flüchtlingen. Die große Mehrheit registriert auch aufmerksam, welche Probleme der Ansturm mit sich bringt, vor allem in Bezug auf die Unterbringung; unter anderem berichten 40 Prozent der Bürger von Turnhallen in ihrer Kommune, die in Notunterkünfte umgewandelt wurden.

          Die anfängliche Gelassenheit schlägt unter dem Eindruck des unaufhörlichen Zustroms und der wachsenden Probleme in tiefe Besorgnis um. Im August waren 40 Prozent der Bürger außerordentlich besorgt, im September 44 Prozent, heute sind es 54 Prozent. Die Sorgen betreffen keineswegs nur die unmittelbaren logistischen Probleme. Vielmehr macht sich die Mehrheit mit wachsender Skepsis Gedanken über die mittel- und langfristigen gesellschaftlichen und ökonomischen Konsequenzen. Kurzfristig bringt die Zuwanderung nach Einschätzung der überwältigenden Mehrheit überwiegend Risiken mit sich; lediglich sechs Prozent sehen überwiegend Chancen, weitere 16 Prozent ein ausgewogenes Verhältnis von Risiken und Chancen. Die langfristigen Perspektiven werden zwar günstiger eingeschätzt, aber keineswegs gut: So gehen 46 Prozent der Bevölkerung davon aus, dass der Zustrom von Flüchtlingen auch langfristig überwiegend Risiken mit sich bringt, während nur 18 Prozent überwiegend Chancen sehen. Die meisten bezweifeln auch, ob die Qualifikation der Ankömmlinge Hoffnungen rechtfertigt, dass viele von ihnen rasch in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Nur 14 Prozent der Bürger glauben, dass unter den Flüchtlingen viele eine gute Ausbildung mitbringen.

          Vor allem beschäftigen die Bevölkerung die gesellschaftlichen Konsequenzen. Der Mehrheit ist bewusst, dass der Zustrom die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime signifikant erhöht. Zwei Drittel der Bürger gehen davon aus, dass die Flüchtlingswelle Deutschland stark verändern wird. 62 Prozent fürchten auch, dass terroristische Organisationen die Flüchtlingswelle nutzen, um Terroristen einzuschleusen.

          Knapp zehn Millionen Deutsche haben sich engagiert

          Wie vertragen sich die wachsenden Sorgen der Mehrheit mit der Hilfsbereitschaft und der schon fast sprichwörtlichen „Willkommenskultur“, die über Wochen weite Teile der Medienberichterstattung dominierte? Anfangs, als die Flüchtlingszahlen noch wesentlich geringer waren als heute, waren durchaus viel Mitgefühl zu beobachten und eine große Bereitschaft, sich zu engagieren. 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben sich in den vergangenen Monaten engagiert; das entspricht knapp 9,5 Millionen Menschen.

          Die Mehrheit der Bürger bekundete auch grundsätzliche Zustimmung zur Aufnahme von Flüchtlingen in der näheren Region und vertrat zunächst auch die Auffassung, man könne dort noch mehr Flüchtlinge verkraften - wenn auch viele die Einschränkung machten: „nur noch wenige“. Bereits zu diesem Zeitpunkt vertrat die Mehrheit die Position, das Land insgesamt sei an der Kapazitätsgrenze angelangt. Nur eine Minderheit sprach sich dafür aus, so viele Flüchtlinge aufzunehmen, wie Deutschland verkraften könne.

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