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Veröffentlicht: 10.02.2016, 11:15 Uhr

Zuwanderung Warum viele Migranten in Deutschland gegen Flüchtlinge sind

Unter deutschen Muslimen sind Ressentiments gegen Einwanderer genauso verbreitet wie in der restlichen Bevölkerung, dabei waren viele von ihnen selbst mal Flüchtlinge. Woran liegt das? Eine Spurensuche in Hamburg.

von Yasemin Ergin, Hamburg
© Henning Bode Flüchtlinge vor der Al-Hour-Moschee im Hamburger Viertel St. Georg.

Man muss nicht lange suchen, um in sozialen Netzwerken Personen zu finden, deren augenscheinliche Sympathie für rechtspopulistische, fremdenfeindliche Positionen auf den ersten Blick ziemlich überrascht. Menschen mit türkisch klingenden Namen etwa, die in ihren Nutzerprofilen Izmir, Adana oder Istanbul als Heimatorte eingetragen haben und sich an Diskussionen über kriminelle Asylbewerber oder die Notwendigkeit geschlossener Grenzen beteiligen. Der junge Mann zum Beispiel, der auf seiner eigenen Seite Beiträge meist auf Türkisch verfasst und mit roter Halbmondflagge posiert und auf der Facebook-Seite der AfD schreibt, Flüchtlinge seien „asoziale Schmarotzer, die sich mit Gewalt nehmen, was sie wollen“.

Oder der in einer norddeutschen Kleinstadt wohnende Herr, der Schnauzbart und arabischen Vornamen trägt, „Südländer“ für die Zunahme von sexuellen Übergriffen und Gewalttaten verantwortlich macht und der AfD viel Erfolg wünscht. Einer, der sich auffallend häufig auf flüchtlingskritischen Seiten zu Wort meldet, ist der Krefelder Arzt Gürol Salk. Er fordert den konsequenten Schutz der Grenzen, „sei es mit Zaun, mit Mauer, Polizei oder Militär“, er ärgert sich über Einwanderer, die „uns überrumpeln“ und „ohne Filter ins Land kommen“, und er sieht die Gefahr islamistischer Terroranschläge in deutschen Städten.

Migrationshintergrund und Ressentiments

Am Telefon erzählt Salk, er habe vor vielen Jahren seine türkische Heimat verlassen, weil er die fortschreitende Islamisierung des Landes unter der AKP-Regierung nicht mehr ertragen habe. Nun befürchte er, dass sich das mit der Islamisierung in Deutschland wiederholen könnte. Gerade weil er die Hälfte seines Lebens in der Türkei verbracht habe, kenne er die Unterschiede zwischen den Kulturen, sagt Salk. So gebe es selbst innerhalb der Türkei kulturelle Spannungen: So manche frauenfeindlichen Traditionen etwa, die in den ländlichen Gebieten der Türkei gepflegt werden, seien in einer säkularen Großstadt wie Izmir nur schwer zu akzeptieren – „wie fremd muss das dann erst für die Deutschen sein, wenn jetzt Kulturen aus Syrien und Nordafrika hier reinkommen?“.

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Davon abgesehen, gebe es einfach nicht genug Platz für weitere Flüchtlinge, die deutschen Städte seien jetzt schon „überbevölkert“. Deshalb müsse eine vernünftige Kontrolle und Selektion an den Grenzen stattfinden: „Fachkräfte“ und „Menschen, die zu uns passen“ rein, „Analphabeten“ raus. Zumal unter der „unkontrollierten Zuwanderung“ am meisten „gut integrierte Ausländer“ wie er leiden würden. Weil in der Gesellschaft dadurch ein immer negativeres Bild von Migranten entstehe.

Migrationshintergrund und Ressentiments gegenüber Flüchtlingen schließen sich nicht aus. Zu dem Schluss kam im vergangenen Oktober auch schon eine Meinungsumfrage im Auftrag der Zeitung „Welt am Sonntag“. Demnach fanden 40 Prozent der befragten Einwanderer, Deutschland solle weniger Flüchtlinge aufnehmen, 24 Prozent sagten sogar, es sollten gar keine Flüchtlinge mehr ins Land kommen. Die Zahlen unterscheiden sich kaum von Umfrageergebnissen unter Herkunftsdeutschen. Und genauso wie beim Rest der Gesellschaft hat sich auch bei den Zuwanderern die Stimmung seit den Übergriffen in der Silvesternacht verschärft.

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