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Start-up Stitch by Stitch : Integration mit Nähmaschine und Designermode

  • -Aktualisiert am

Maßarbeit: Reyhane aus Afghanistan und Gründerin Claudia Frick Bild: Frank Röth

Stitch by Stitch ist ein Frankfurter Unternehmen, das Fähigkeiten von Flüchtlingen wirtschaftlich nutzt. Ein Mikrokredit hilft bei der Finanzierung.

          Nicole von Alvensleben und Claudia Frick können die Tickets für den Zug nach Berlin nicht finden. Dort wird eine Konferenz zum Thema soziales Unternehmertum veranstaltet. Da wollen die beiden an diesem Tag noch hin. Vorher müssen sie aber noch die Visitenkarten schneiden. Eva Madeleine Fiedler beantwortet derweil drei Fragen für ein Modemagazin. Die beiden Unternehmerinnen und die Mitarbeiterin im Business Management haben viel zu tun. Dabei gibt es ihre Schneiderwerkstatt Stitch by Stitch erst seit dem Frühjahr.

          Frick (43) und von Alvensleben (47) haben eine Nische gefunden, als ihnen vor knapp einem Jahr die Idee zu ihrem Unternehmen kam: Eine Schneiderei gründen, die Kollektionen direkt vor Ort anfertigt und dabei vor allem Flüchtlinge anstellt. Für Modelabels aus der Region löst sich damit ein großes Problem, denn es gibt in Deutschland kaum Produktionsstätten mit festangestellten Schneidern. Frick war diese Schwierigkeit schon aus einem früheren Projekt bekannt: Sie hat mit „Coco Lores“ selbst ein kleines Modelabel entwickelt. Von Alvensleben, die Frick seit 2007 kennt, wollte ein Unternehmen im Social-Entrepreneurship-Bereich aufbauen. Fricks französischer Freund schlug damals vor: „Dann macht doch was mit Flüchtlingen.“

          Mikrokredit als Förderung

          So begeistert war Frick am Anfang nicht von der Idee. „Wo sollen wir die denn herkriegen?“, habe sie gedacht. Doch im Gespräch mit von Alvensleben entwickelte sich das Konzept für Stitch by Stitch, und die beiden bewarben sich bei „Ankommer“ des Innovationszentrums Social Impact Lab - ein Programm, das Unternehmer dabei fördert, Flüchtlinge zu integrieren. Frick und von Alvensleben wurden in das Programm aufgenommen, ihre Firma als ein Leuchtturmprojekt ausgezeichnet. Ein Mikrokredit hat zusätzlich zur Projektförderung bei der Finanzierung des Start-ups geholfen.

          Ihre erste Angestellte lernten sie noch im November vergangenen Jahres kennen: Esraa, heute 21 Jahre alt, kam aus Syrien. In ihrer alten Heimat hatte sie angefangen, Modedesign zu studieren. Mit ihr entwickelten Frick und von Alvensleben ihren Prototypen - bei der Diakonie im Nordend: Dort hatten sie die Räume dafür bekommen. Ende Februar gründeten sie das Unternehmen offiziell, Esraa wurde die erste Angestellte. Aus der Zeit bei der Diakonie nahmen sie Iman, ebenfalls aus Syrien, mit an den heutigen Standort in Bornheim. Iman ist 39, im September wurde sie Mutter. Inzwischen arbeitet sie schon wieder drei Stunden am Tag.

          Im Laden herrscht noch ein wenig Chaos. Frick sagt: „Wir müssen noch genauer rausfinden, was wir wo plazieren.“ Die Kunden von Stitch by Stitch sind Modelabels aus der Region. „Jede Woche haben wir Anfragen“, sagt von Alvensleben. Die Firma ist als Gesellschaft bürgerlichen Rechts organisiert. Von Alvensleben macht das Design, Frick arbeitet nebenher noch an „Coco Lores“ und unterrichtet an der Modeakademie. Die neunundzwanzigjährige Fiedler hat sich den beiden im Frühjahr nach ihrem Studium der Internationalen Wirtschaft und Governance angeschlossen.

          Die drei wollen auch einen Beitrag für den Einzelhandel in der Region leisten. Im Spätsommer kamen zwei weitere Flüchtlinge aus Afghanistan: Reyhane (25) und Mansourrhe (24). Reyhane schneidert, seit sie sieben Jahre alt ist. Als ausgebildete Schneiderin darf sie sich trotzdem nicht bezeichnen, weil sie keine Papiere hat. Deshalb holt sie in Frankfurt den Gesellenbrief nach. Esraa und Mansourrhe sind Auszubildende. Auch eine deutsche Schneiderin hat vor kurzem in Teilzeit angefangen, eine weitere afghanische ist als Springerin im Einsatz. Von Alvensleben sagt, das Unternehmen biete „Integration in seiner besten Form“.

          „Wir sind kein theoretischer Integrationskurs. Hier wird das gelebt“, fügt Fiedler hinzu. Sprachlich laufe es immer besser. Das sei bei der Arbeit am Anfang auch kein großes Hindernis gewesen: „Wir verstehen uns über die Sprache des Handwerks“, sagt Frick. Die Flüchtlinge bekommen zweimal die Woche Deutschkurse im Unternehmen, für Iman hat Stitch by Stitch eine Kindertagesmutter organisiert. Die Flüchtlinge könnten hier ein Stück Normalität finden. Doch Frick sagt auch: „Es ist für uns alle eine Bereicherung.“ Und dann müssen die Frauen los. Die Zugfahrt nach Berlin.

          Quelle: F.A.Z.

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