http://www.faz.net/-gpf-8o4xh

Das Internet nach Freiburg : Der Hass kennt keine Grenzen

Zettel und Blumen am Tatort in Freiburg Bild: Reuters

Der Mord an Maria L. wird im Internet ausgeschlachtet, um Stimmung gegen Flüchtlinge und Politiker zu machen. Selbst vor der Familie des Opfers machen rechte Hetzer keinen Halt.

          Die Geschichte der Diskussionskultur im Internet ist an Tiefpunkten nicht arm. Seit der Festnahme eines Flüchtlings nach dem Mord an Maria L. in Freiburg ist aber eine neue Dimension der Menschenverachtung erreicht worden. So heißt es über die Eltern des Opfers zum Beispiel: „Diese Eltern sind nicht besser als jene Eltern, die Ende 1944, Anfang 1945, voller Stolz auf ihre Söhne waren, die als eines der letzten Aufgebote Hitlers in den Tod geschickt wurden.“ Solche Sätze sind nicht irgendwo in den Untiefen des Internets verborgen. Sie stehen auf Seiten, die wie seriöse Medien daherkommen. Und weil seriöse Medien die Nachnamen des Opfers Maria L. nicht ausschreiben, landet man bei einer Google-Suche nach ihrem richtigen Namen direkt auf diesen Seiten.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Einer der ersten Treffer ist ein Beitrag auf der Seite „WikiMANNia“ zu der verstorbenen 19 Jahre alten Studentin. Die Seite erinnert in ihrer Aufmachung an das Online-Lexikon „Wikipedia“, tatsächlich wurde das Portal Medienberichten zufolge von Männern gegründet, die sich daran störten, dass ihre Einträge zum Thema „Maskulinismus“ bei „Wikipedia“ gelöscht wurden. Der Betreiber der Seite soll auch ein Forum namens „Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land?“ (wgvdl) betrieben haben. Aus diesem Forum stammt auch der oben zitierte Nazi-Vergleich, auf den unter dem Punkt „Zitate“ auf „WikiMANNia“ verwiesen wird.

          Die Angriffe auf die Eltern des Opfers sind kein Einzelfall. Wie berichtet, ist der Vater von Maria L. ein hoher EU-Beamter und muss sich deswegen inmitten seiner Trauer Sätze wie diesen anhören: „Ich habe immer wieder gesagt: Bis die umdenken, muss es wohl mal die Tochter von irgendeinem dieser Typen erwischen.“ Den Satz sagt Oliver Janich in einem YouTube-Video, das schon über 100.000 Mal angeklickt worden ist.

          Mit der Wahrheit hat die Hetze wenig zu tun

          Von umstrittenen Webseiten wie „Epoch Times“ wird Janich als „investigativer Youtube-Journalist“ gefeiert. Tatsächlich verbreitete der ehemalige „Focus Money“-Redakteur früher Verschwörungstheorien zum 11. September. Dann soll er Mitglied eines Netzwerkes aus Aktienhändlern und Börsenjournalisten gewesen sein, das Insidergeschäfte betrieb. Bei „Focus Money“ wurde Janich 2010 als Redakteur beurlaubt, weil er Werbung für eine von ihm gegründete Partei, die „Partei der Vernunft", gemacht hatte. Jetzt schreibt er einen Blog und dreht erfolgreich YouTube-Videos, in denen er zum Beispiel darüber phantasiert, dass Kanye West ein politischer Gefangener sei, der von einer „Machtelite“ zwangspsychiatrisiert wurde. Außerdem hetzt er gegen Ausländer, sagt in dem Video über Maria L. zum Beispiel: „Muslime sind viel krimineller als der Durchschnitt der Bevölkerung.“ Dazu gebe es zwar keine offiziellen Statistiken, das könne man aber aus Aussagen von Polizisten „herauslesen“. Im Vergleich zu Deutschen werde ein „wesentlich höherer Prozentsatz“ an Flüchtlingen kriminell.

          „Investigativer Youtube-Journalist“: Oliver Janich.
          „Investigativer Youtube-Journalist“: Oliver Janich. : Bild: Screenshot/YouTube

          Mit der Wahrheit hat das wenig zu tun: Christian Pfeiffer, der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen sagt: „Nationalität spielt bei Kriminalität keine Rolle.“ Auch die ersten flächendeckenden Zahlen zur Kriminalität von Zuwanderern zeigen nach Darstellung des Bundesinnenministeriums, dass die Gruppe nicht mehr Straftaten begeht als andere. Der jüngste Bericht des Bundeskriminalamts (BKA) zu dem Thema bestätige eine entsprechende Kernaussage einer früheren Erhebung vom Februar, sagte eine Ministeriumssprecherin laut „Zeit Online“ im Juni: „Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche." Bundesinnenminister De Maizière sagte dagegen heute, die Kriminalität bei Nordafrikanern sei weit überdurchschnittlich, bei Syrern jedoch unterdurchschnittlich. Konkrete Zahlen nannte er dazu nicht.

          „Der Herr Schulz hat mit gemordet“

          Weitere Themen

          Brandstifter Strache

          Haiders Zögling : Brandstifter Strache

          Der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sät Angst und Misstrauen. Wenn die Österreicher am Sonntag ein neues Parlament wählen, will der Rechtspopulist ernten.

          Topmeldungen

          Bundestagsvizepräsident : Der Problem-Kandidat

          Wenn der Bundestag an diesem Dienstag seine Vizepräsidenten wählt, könnte es zum Eklat kommen. Dass der AfD-Kandidat Albrecht Glaser scheitert, gilt als sicher – aber was geschieht dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.