http://www.faz.net/-gpf-88qqq

Merkel bei Anne Will : „Ein Aufnahmestopp kann nicht klappen“

  • Aktualisiert am

Angela Merkel bei Talkerin Anne Will Bild: dpa

Angela Merkel bringt in die Talkshow von Anne Will vor allem allem eines mit: Viele verschiedene Varianten ihres „Wir schaffen das.“ Forderungen ihrer Kritiker erteilt die Kanzlerin klare Absagen.

          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich trotz des Drucks auch aus den eigenen Reihen nicht von ihrem optimistischen Kurs in der Flüchtlingspolitik abbringen lassen. „Wir schaffen das, da bin ich ganz fest davon überzeugt“, sagt die Kanzlerin am Mittwochabend in der Talkshow „Anne Will“. Sie sei „der festen Überzeugung, dass das geht“.

          Merkel untermauert in der ARD ihren berühmten Satz durch Wiederholungen und viele unterschiedliche Varianten: „Mal angenommen, wir würden jetzt alle miteinander erklären, wir schaffen es nicht – und dann?“, fragt sie, und fügt mit Blick auf die vielen ehrenamtlichen Helfer hinzu: „Die Menschen, die mithelfen, sind ein Beispiel dafür, dass viele das mit mir zusammen schaffen wollen.“

          Einem Aufnahmestopp erteilt Merkel eine klare Absage. „Das kann nicht klappen“, antwortet sie auf eine entsprechende Frage von Will. Dazu müsste Deutschland einen Zaun um seine gesamte Landgrenze bauen. „Wir sind stolz, dass wir innerhalb Europas offene Grenzen haben.“ Unter anderem Bayerns Landeschef Horst Seehofer (CSU) hatte einen Aufnahmestopp gefordert.

          Kein Aufnahmestopp : Die Grenzen müssen offen bleiben

          In einer solchen historischen Bewährungsprobe habe sie als Kanzlerin die Aufgabe „alles daran zu setzten und den Optimismus und auch die innere Gewissheit zu haben, dass diese Aufgabe lösbar ist. So gehe ich da ran.“ Sie sei stolz darauf, dass Deutschland die Flüchtlinge freundlich empfange. „Ich möchte mich nicht an einem Wettbewerb beteiligen, wer ist am unfreundlichsten zu Flüchtlingen, und dann werden sie schon nicht mehr kommen.“

          „Da drücken sich noch einige“

          Die Bundeskanzlerin versucht auch zu beruhigen. Ziel ihrer Arbeit sei es, dass die „Prozesse gesteuert und geordnet“ abliefen, das sei derzeit nicht immer so. Jedoch werde eben alles in einen „geordneten und gesteuerten Zustand“ zurückfinden.  Merkel sagt aber ebenfalls: „Ich weiß auch nicht, was morgen ist. Ich werde keine falschen Versprechungen machen.“ Auf die Frage von Will, ob sie denn einen Plan zur Lösung der Krise habe, antwortet sie: „Ja, klar.“

          Zu diesem Plan gehöre es auch, sich Verbündete zu suchen. Insbesondere in Bezug auf die europäischen Partner äußert Merkel sich kritisch. Es könne nicht sein, dass drei oder vier Länder in Europa die Aufgabe alleine lösten. Die Lasten müssten auf alle Schultern verteilt werden. „Da drücken sich noch einige.“

          „Multikulti halte ich für eine Lebenslüge“

          Merkel bleibt auch bei einer ihrer früheren markanten Aussagen, indem sie betont: „Multikulti halte ich für eine Lebenslüge.“ Es gehe nicht, dass alle machten, was sie wollten, so könne kein Land funktionieren. Die Kanzlerin verbindet das mit dem Appell an die Flüchtlinge, sich ganz und gar für Deutschland einzusetzen - so, wie sich Deutschland gerade für sie einsetze.

          Die Ursachen für die Zahl der Flüchtlinge lägen weitgehend außerhalb des eigenen Landes, sagt Merkel. Um diese Ursachen zu bekämpfen, müsse die Situation in den Flüchtlingslagern in der Region um die Herkunftsländer verbessert werden. Zudem müsse mit der Türkei über Grenzschutz geredet werden. Da dauere länger, als sich manche wünschten.

          Den wegen der Flüchtlingskrise angeschlagenen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) will Merkel im Amt halten. Auf die Frage von Will, ob sie ihn entlassen werde, sagt sie: „Natürlich nicht. Ich brauche ihn dringender denn je.“ Die Regierungschefin beteuert, es sei keine Entmachtung des Ministers, dass das Bundeskanzleramt künftig die Flüchtlingspolitik koordiniert.

          „Ich brauche ihn“ : Merkel will de Maizière im Amt behalten

          Quelle: pede.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz im Bundestag

          Umfrage : Große Koalition gewinnt an Zustimmung

          Eine große Koalition aus Union und SPD findet Umfragen zufolge deutlich mehr Zustimmung bei den Deutschen als noch vor einer Woche. Am Freitag entscheidet die SPD-Führung, ob sie Sondierungen aufnehmen möchte.

          Brexit-Veto : Ein erster Sieg im Rückzugsgefecht

          Nach Mays Niederlage im Parlament keimt nun bei vielen die Hoffnung auf, dass die Regierung gezwungen sein könnte, in Brüssel einen „weicheren“ Brexit zu verhandeln. Ein Rennen gegen die Zeit.

          Kryptowährung : Bulgarien ist Bitcoin-Großbesitzer

          Bulgarien besitzt Bitcoin im Wert von fast drei Milliarden Euro. Damit könnte das Land fast 20 Prozent seiner Staatsschulden bezahlen. Es gibt nur einen Haken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.