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Veröffentlicht: 18.01.2016, 13:46 Uhr

Linkspartei Ist Sahra Wagenknecht noch links?

Sahra Wagenknecht, Frontfrau der Linken, will straffällige Flüchtlinge abschieben, lehnt den Euro ab und lobt Ludwig Erhard. Das provoziert Freund und Feind.

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© Stefan Thomas Kroeger Sahra Wagenknecht, seit Oktober Fraktionschefin der Partei Die Linke

Es ist Donnerstagnachmittag, Sahra Wagenknecht sitzt im Wagen vom Bundestag zum Berliner Flughafen Tegel. Am Telefon spricht sie über Flüchtlinge und Abschiebungen. Hinter ihr liegt eine Woche, in der die Vorsitzende der Linksfraktion fast alle Abgeordneten gegen sich aufgebracht hat, mit einem schlichten Satz, den sie am Montag bei einem Pressetermin aussprach. Es ging um die Silvesternacht in Köln und um die Rückführung von Straftätern in deren Herkunftsländer. „Wer sein Gastrecht missbraucht, der hat sein Gastrecht eben auch verwirkt“, sagte Wagenknecht.

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Damit löste sie unter den eigenen Leuten eine heftige Debatte aus. Ist Sahra Wagenknecht, die in der deutschen Politik doch eigentlich die Position links außen hält, in Wahrheit eine Rechte? Nicht nur Parteifreunde äußerten sich so. Auch die rechtspopulistische AfD frohlockte. „Es ist erfreulich, zu sehen, zu wie viel Realpolitik die Linken manchmal fähig sein können“, sagte Parteivize Alexander Gauland.

Politische Blenderin und Populistin?

Nicht zum ersten Mal vertritt Wagenknecht Positionen, mit denen sie Freund und Feind verwirrt. In der europäischen Schuldenkrise lehnte sie die Gemeinschaftswährung grundsätzlich ab, anders als die Mehrheit ihrer Partei, die nur die angeblich von Deutschland diktierte Sparpolitik kritisierte. Und vor einigen Jahren veröffentlichte sie ein Buch, in dem sie sich zur Sozialen Marktwirtschaft bekannte und Ludwig Erhard als deren geistigen Vater rühmte. Das war – trotz liberaler Wortwahl – vor allem das Bekenntnis zu einer Zeit, als die Welt noch übersichtlich und der globale Kapitalismus in weiter Ferne war.

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Für viele stellt sich bis heute die Frage, was Wagenknecht eigentlich ist: eine politische Blenderin und Populistin? Eine Konservative, die zurück will zur alten Bundesrepublik? Oder ein Beispiel dafür, dass sich die politischen Extreme am Ende doch berühren?

Reine Planwirtschaft funktioniere nicht

Schon immer war Wagenknecht eine schillernde Figur. Sie begann als stramm Linke, engagierte sich in der „Kommunistischen Plattform“ der damaligen PDS, die vom Verfassungsschutz beobachtet wurde und misstrauischer noch von den Realpolitikern an der eigenen Parteispitze. Sie trauerte der DDR hinterher, obwohl sie wegen mangelnder Anpassung ans Kollektiv dort nicht studieren durfte. Sie pflegte einen bildungsbürgerlichen Habitus, stellte ihre Belesenheit zur Schau. Bei der Lektüre von Goethes „Faust“ sei sie zur Antikapitalistin geworden, pflegte sie zu sagen. Gern erzählte sie, dass sie keine Fahrerlaubnis hat. Das unterstrich ihr ätherisches Wesen. Das alles macht noch immer ihre Faszination für ein breites Publikum aus, längst nicht nur bei der Anhängerschaft der Linkspartei.

Aber seit sie 2009 in den Bundestag einzog und auf die Fraktionsspitze zustrebte, arbeitete sie zielstrebig daran, das Bild der linksradikalen Außenseiterin zu korrigieren. Es half ihr, dass der Antikapitalismus spätestens seit der Finanzkrise von 2008 in den gesellschaftlichen Mainstream rückte. Darauf zielte ihr Erhard-Buch aus dem Jahr 2011, im Bundestag war sie damals die wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Partei. Eine reine Planwirtschaft funktioniere nicht, erklärte sie zum Entsetzen manches einstigen Getreuen. Sie plädierte für die Marktwirtschaft, allerdings ohne private Großkonzerne.

Sie selbst pflegt ihr Bild als linke Konservative. „Links oder konservativ, das interessiert mich weniger“, sagt sie. Die Rentenpolitik des Konservativen Norbert Blüm sei ihr lieber als diejenige des Sozialdemokraten Walter Riester, der das System teilweise auf private Füße stellte. „Und Ludwig Erhards Anspruch, Wohlstand für alle zu schaffen, das ist für mich linke Politik“, sagt sie heute. „Auch wenn Erhard natürlich kein Linker war.

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