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Kommentar : Die Rolle der Religion

Die Behörden sind bei der Veröffentlichung von Berichten über Schlägereien in Flüchtlingsheimen vorsichtig, aus Furcht, Ängste zu schüren. Doch es hilft nicht, die Augen zu verschließen. Besonders fahrlässig wäre es, Religion als Ursache für Konflikte zu ignorieren.

          Dass der Bund nicht über ein Lagebild verfügt, das alle Informationen über Ausschreitungen in Flüchtlingsunterkünften zusammenführt, mag daran liegen, dass Länder und Regierungsbezirke für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig sind. Doch auch dort tun sich die Behörden mit Informationen schwer. Zu groß ist die Furcht, man würde in der Bevölkerung Ängste schüren oder Ressentiments verstärken.

          Doch hilft es nichts und niemandem, die Augen vor dem Konfliktpotential zu verschließen, das mit dem Zustrom Hunderttausender aus anderen Kulturkreisen einhergeht. Viele bringen aus ihrer Heimat ethnisch und religiös grundierte Einstellungen mit, die das Zusammenleben von Männern und Frauen, Christen und Muslimen, Sunniten und Schiiten auf engstem Raum erschweren oder gar zur Quelle von Gewalt werden können.

          In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage will die Bundesregierung nicht allzu viel davon wissen. Nicht, dass immer Religion drin wäre, wo Religion draufsteht. Aber Religion als Grund für Konflikte zu ignorieren wäre fahrlässig und für alle Seiten gefährlich.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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