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Kirche und Flüchtlinge : Kardinal Marx: Können nicht alle Notleidenden aufnehmen

  • Aktualisiert am

Reinhard Kardinal Marx Bild: dpa

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, fordert eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen. Eine Umfrage zeigt, wie viele Deutsche Flüchtlinge mit Waffengewalt am Grenzübertritt hindern wollen.

          Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx fordert eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen. „Deutschland kann nicht alle Notleidenden der Welt aufnehmen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz der Zeitung „Passauer Neue Presse“. Es gehe nicht allein um Barmherzigkeit, sondern auch um Vernunft. Der Flüchtlingsandrang müsse fair gegenüber allen Beteiligten, auch mit Blick auf die Verantwortung in Europa, gemeistert werden.

          Zugleich betonte Marx, dass Barmherzigkeit keine Grenzen kenne. „Jeder, der europäischen Boden betritt, muss anständig behandelt werden und ein faires Verfahren erhalten.“ Fluchtursachen müssten bekämpft, illegale Einwanderung über Kontingente in legale verwandelt und die Aktivität der Schleuser unterbunden werden. Marx warnte vor einem Militäreinsatz im Nahen Osten. Der würde die Probleme nicht nachhaltig lösen, sagte er: „Die militärische Option ist immer die Schlechteste von allen.“

          29 Prozent würden auf Flüchtlinge schießen lassen

          Marx verteidigte nochmals Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die wegen ihrer Flüchtlingspolitik immer mehr in die Kritik gerät. Er habe „höchsten Respekt“ vor ihrer Politik, ihrem Mut und ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. „Sie handelt nicht blauäugig, sondern durchdacht.“ Kritik übte er dagegen an der rechtspopulistischen AfD: „Überlegungen, an den Grenzen auf wehrlose Flüchtlinge zu schießen, sind inakzeptabel und menschenfeindlich.“

          Auch die Gewalt und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge in der Bevölkerung erschreckten ihn sehr, sagte Marx. Es würden nicht nur Brandsätze geworfen, sondern es fange schon viel früher an, mit der Verrohung der Sprache etwa: „Wir erleben Hetze gegen Fremde, bis in bürgerliche Kreise hinein.“ Dabei werde der Eindruck erweckt, dass es einfache Antworten auf die Flüchtlingszuwanderung gäbe. „Aber einfache Antworten sind keine Lösung“, mahnte der Kardinal.

          Unterdessen zeigt eine Umfrage, dass mehr als jeder vierte Befragte (29 Prozent) es für gerechtfertigt hält, unbewaffnete Flüchtlinge mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern. Für nicht gerechtfertigt halten das 57 Prozent, keine Angaben machten 14 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov.

          Hintergrund ist eine umstrittene Äußerung der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry: Sie hatte gesagt, Polizisten müssten illegale Grenzübertritte von Flüchtlingen verhindern, „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“. Später relativierte sie ihre Aussage leicht.

          Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel forderte die Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. Das würden laut der Yougov-Umfrage 32 Prozent voll und ganz befürworten und 26 Prozent eher befürworten. Dagegen würden es 13 Prozent ganz und gar ablehnen und 14 Prozent eher ablehnen.

          Bei den Landtagswahlen am 13. März in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt hat die AfD gute Chancen, mit zweistelligen Ergebnissen in die Landesparlamente einzuziehen. Die Partei hatte mit radikalen Forderungen in der Flüchtlingsdebatte zuletzt wachsenden Zuspruch erhalten.

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