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Veröffentlicht: 19.05.2016, 19:22 Uhr

Streit im Flüchtlingsheim Christlicher Flüchtling wegen seiner Religion verprügelt?

In Hamburg steht ein Afghane vor Gericht, der in einer Flüchtlingsunterkunft einen Iraner schwer verletzt hat – angeblich, weil dieser zum Christentum konvertiert ist.

von , Hamburg
© dpa Ging es nur um eine Kleinigkeit oder tatsächlich um eine religiöse Motivation: Der 23 Jahre alte Angeklagte aus Afghanisatan steht vor Gericht.

Das Alter des Angeklagten kann nur geschätzt werden. Vermutlich beträgt es 23 Jahre. Er selbst gibt es mit 19 Jahren an. Der junge Mann ist afghanischer Staatsbürger. Er soll am 18. Oktober vergangenen Jahres gegen 20.30 Uhr auf dem Gelände einer der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen in Hamburg – einer Behelfsunterkunft in einem früheren Baumarkt – einem Iraner mit einem Teleskopschlagstock zwei wuchtige Schläge versetzt haben. Der angebliche Grund für diese Tat: Der Iraner, damals 24 Jahre alt, sei in Deutschland vom Islam zum Christentum konvertiert.

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Dem Afghanen wird deshalb auch von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, aus religiösen Motiven unvermittelt auf sein Opfer losgegangen zu sein und tödliche Verletzungen bei seinem Angriff billigend in Kauf genommen zu haben. Tatsächlich ließ der Mann erst von seinem Opfer ab, als die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma eingriffen und ihn von weiteren Schlägen abhielten. Laut Polizei sollen ihn dann aber bis zu zwanzig andere Bewohner der Einrichtung wieder befreit und geschützt haben. 

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Der Afghane soll dann – es war der Höhepunkt der Flüchtlingswelle – untergetaucht sein und zwei Monate lang unerkannt in Hamburg gelebt haben, weil er in mehreren Unterkünften unterschiedliche Namen und Geburtsdaten angab. In einer anderen Erstaufnahmeeinrichtung schließlich konnten Ermittler den Mann verhaften, nachdem ihn ein Mitarbeiter der Unterkunft wiedererkannt hatte. Seitdem befand sich der Afghane in Untersuchungshaft.

Oft sind Kleinigkeiten der Auslöser oder doch religiöse Motive?

Das Opfer kam mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Seine Kopfplatzwunde am linken Scheitelbein und eine Platzwunde an der linken Augenbraue mussten chirurgisch versorgt werden. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Am Donnerstag begann vor der Schwurkammer des Hamburger Landgerichts der Prozess, bis Ende Juni soll er dauern. Der Afghane bestritt zum Auftakt die Tat. „Das ist totaler Unsinn, dass ich H. geschlagen habe, weil er Christ sei“, teilte der Afghane in einer Erklärung mit, die sein Anwalt vor Gericht verlas. Es habe eine Schlägerei gegeben, aber er sei es gewesen, der angegriffen worden sei. Der Iraner habe außerdem zuvor den Islam beleidigt.

Laut Anklage soll der Iraner dem Afghanen ein paar Tage zuvor von seinem Schritt erzählt haben, sich taufen zu lassen. Der Zwischenfall kam in Hamburg in die Schlagzeilen, weil er auf drastische Weise die Spannungen zwischen Muslimen und Christen in den Flüchtlingsunterkünften deutlich machte. Inzwischen ist bekannt, dass es immer wieder zu tätlichen Auseinandersetzungen in den Unterkünften kommt, bei denen die Polizei einschreiten muss. Oft sind Kleinigkeiten der Auslöser, am Ende ist nicht klar auszumachen, ob auch religiöse Motive mit im Spiel sind.

Der Konflikt zwischen Muslimen und Christen unter den Flüchtlingen wird verschärft, weil offenbar immer mehr in Deutschland angekommene Muslime zum Christentum konvertieren. So kam es vor wenigen Wochen sogar zu einer Massentaufe in einem Hamburger Schwimmbad. Wie viele Übertritte es bislang gab, vermag etwa die evangelische Nordkirche nicht zu sagen, „denn die Taufe von Menschen, die auf der Flucht zu uns kommen, wird seitens der Landeskirche nicht gesondert statistisch erfasst“. Allerdings sei das in vielen Gemeinden bereits ein wichtiges Thema.

Üblicherweise führe der Weg zur Taufe über einen speziellen Kurs in den Kirchengemeinden, im Regelfall in einer Gruppe von mehreren Menschen, die getauft werden möchten. Die Grundelemente dafür – dazu zählen wichtige Texte wie die Zehn Gebote, der 23. Psalm, die Bergpredigt und das Vaterunser, aber auch das apostolische Glaubensbekenntnis – seien im Internet in verschiedenen Sprachen wie Türkisch, Arabisch und Chinesisch zu finden. Außerdem gibt es seit 2013 eine von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) herausgegebene Handreichung „Zum Umgang mit Taufbegehren von Asylsuchenden“. Auch die katholische Kirche berichtet, dass Muslime den Kontakt suchen.

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Quelle: wahlrecht.de
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