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Aktualisiert: 08.09.2015, 17:58 Uhr

Frankreich Bibeltest für Flüchtlinge

Können nur Christen in Frankreich mit Gastfreundschaft rechnen? Manche Bürgermeister im Land weigern sich, muslimische Flüchtlinge in ihrer Gemeinde aufzunehmen. Das sei eine Frage der Sicherheit, heißt es.

von , Paris
© AFP Flüchtlinge in einem Lager in Calais beim Französischunterricht.

Hilfsbereitschaft und Herzenswärme will der französische Bürgermeister Yves Nicolin (Die Republikaner) allein Flüchtlingen christlichen Glaubens vorbehalten. Er weigert sich, muslimische Flüchtlinge aufzunehmen. Der Bürgermeister von Roanne, einer 35.000-Einwohner-Stadt bei Lyon, ist kein Einzelfall. Viele französische Stadtväter sträuben sich dagegen, muslimische Hilfesuchende in ihrer Gemeinde anzusiedeln. Den Ton gab der Vorsitzende der Vereinigung der Bürgermeister Frankreichs, der frühere Finanzminister François Baroin an. Baroin (Die Republikaner) ist selbst Bürgermeister in Troyes in der Champagne und hat angekündigt, keinen neuen Flüchtling aufnehmen zu wollen. Den Appell Präsident Hollandes an die Bürgermeister zu großzügiger, unbürokratischer Hilfe schlug er aus.

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Dabei hatte sich seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Michèle Laroque, dem ersten französischen Aufruf zu mehr Solidarität für die Flüchtlinge angeschlossen. „Eine Hand reichen“ ist der Appell überschrieben und wurde von Künstlern und Stars wie Isabelle Adjani, Carole Bouquet und Guillaume Canet unterzeichnet. „Wir können nicht überall in Frankreich kleine Calais schaffen“, warnte hingegen Baroin. In Calais hausen mehr als 3000 Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen auf dem Gelände einer früheren Müllhalde in Zelten und Hütten.

„Wer sagt uns, dass unter den muslimischen Flüchtlingen nicht Anhänger des Islamischen Staates sind?“, fragte Bürgermeister Nicolin. Bei den Christen könne man sich zumindest sicher sein, dass sie nicht mit „bösen Absichten“ nach Frankreich kämen. Ihre „christliche Herkunft“ könne mit ein paar Fragen zur Bibel geklärt werden, erläuterte Nicolin. Bei Christen bestehe keine Gefahr, dass sie Sympathien für die Terrororganisation IS hegten. Die jüngsten Terroranschläge in Frankreich gingen alle von Muslimen aus, betonte der Bürgermeister. „Das ist keine Diskriminierung, das ist Selbstschutz“, sagte er. „Es ist unverantwortlich, die Türen weit zu öffnen, ohne zu wissen, wer hereinkommt“, meinte Nicolin. Der 52 Jahre alte Politiker steht Nicolas Sarkozy nahe und hat den Parteivorsitzenden um Rückendeckung gebeten. „Aber er hat mir noch nicht geantwortet“, sagte Nicolin. Sarkozy hatte zuletzt am Wochenende vor „Betrug beim politischen Asyl“ gewarnt.

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Der Bürgermeister von Belfort, Damien Meslot (Die Republikaner), plädiert ebenfalls für eine selektive Hilfsbereitschaft. Er wolle nur den verfolgten Christen aus Syrien und dem Irak Schutz in seiner Gemeinde anbieten, sagte er. Die Flüchtlinge christlichen Glaubens seien wirklich verfolgt und kämen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Es gibt aber auch Gegenbeispiele bei den Republikanern. Der frühere Parteichef Jean-François Copé, gegen den die Justiz ermittelt, will in seiner Heimatkommune Meaux bei Paris besondere Aufnahmebereitschaft zeigen. Copé sagte, sein Vorbild sei Angela Merkel. Der Bürgermeister von Bordeaux und Präsidentenanwärter, Alain Juppé, sprach sich ebenfalls für Solidarität mit den Flüchtlingen aus.

Front-National-Bürgermeister weigern sich komplett

Der Bürgermeister von Saint-Etienne, Gael Perdriau (Die Republikaner), hielt seinen Parteifreunden vor, sie seien viel zu verzagt und ließen sich von der Propaganda des Front National (FN) beeindrucken. Aber auch die Regierung versage. „Mir wird übel, wenn ich sehe, wie viel Zeit die Regierung braucht, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden“, sagte Perdriau. Innenminister Bernard Cazeneuve will am Wochenende erstmals mit den Bürgermeistern über das Flüchtlingsdrama sprechen und die Aufnahme von 24000 neuen Flüchtlingen in den nächsten zwei Jahren organisieren.

Die zwölf Bürgermeister des Front National (FN) weigern sich komplett, die Regierungspolitik zu unterstützen. „Wir werden uns der Migranten-Invasion widersetzen“, sagte der Bürgermeister von Hénin-Beaumont, Steeve Briois (FN). In den von der Bewegung Marine Le Pens regierten Rathäusern werde keine Hilfe geleistet für die Flüchtlinge, schrieb Briois in einem Kommuniqué. Seine Partei wolle nicht mithelfen bei „der Unterwanderung Frankreichs durch islamistische Terroristen“.

Marine Le Pen behauptete, Europa lasse sich auf einen großen Schwindel ein. „Es gibt nur eine verschwindend kleine Minderheit von Familien unter den Flüchtlingen. Die meisten sind Männer, und sie lassen ihre Familien allein, aber nicht um Verfolgung zu entkommen. Sie machen das nur aus wirtschaftlichen Gründen“, sagte Le Pen. Laut einer aktuellen Umfrage ist eine Mehrheit von 55 Prozent der Franzosen gegen die Aufnahme neuer Flüchtlinge. 62 Prozent ist der Meinung, Asylbewerber aus Syrien sollten „wie alle anderen“ behandelt werden.

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Quelle: wahlrecht.de
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