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Flüchtlingsunterkünfte : Warum die Fäuste fliegen

Polizei- und Krankenwagen vor der Flüchtlingsunterkunft in Kassel-Calden nach der Massenschlägerei am 27. September 2015 Bild: dpa

Die Flüchtlinge in den provisorischen Unterkünften haben keine Privatsphäre, keine Mitspracherechte – und nichts zu tun. Willkommenskultur stößt auf archaische Hackordnungen. Ein schlechter Zustand.

          Massenschlägereien, sexuelle Belästigung, Christen in Bedrängnis: Das sind die neuesten Nachrichten aus den Notunterkünften, wo Asylsuchende derzeit zu Tausenden untergebracht sind. Es sind Anzeichen dafür, dass in diesen Unterkünften das Glücksmärchen von der Flüchtlingsaufnahme schon beendet ist. Willkommenskultur stößt in den überfüllten Notquartieren auf archaische Hackordnungen, ethnische Gewalt und religiöse Zwangsvorstellungen. Oft entzündet sich der Funke an scheinbaren Kleinigkeiten: Eine Drängelei bei der Essensausgabe, ein falsches Wort reicht aus, um Dutzende Männer in wütende Horden zu verwandeln. Männer, die sich angeblich nach Deutschland gerettet haben, um Schutz vor Unfrieden und Gewalt zu suchen, prügeln mit Eisenstangen und Holzlatten aufeinander ein. Helfer werden angegriffen, Wachleute attackiert. Die einzige Antwort darauf sind derzeit: Hundertschaften der Polizei.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In Kassel-Calden prügelten sich Anfang vergangener Woche etwa 300 Albaner mit 70 Afghanen, weil ein junger Flegel (Albaner) sich in der Warteschlange vor der Essensausgabe an einem alten Mann (Afghane) vorbeigedrängelt hatte. Das führte erst zu empörtem Wortwechsel über Respekt und Ehre, dann zu Backpfeifen und schließlich zu einer wüsten Massenschlägerei – übrigens vor den Augen vieler Frauen und Kinder.

          In Leipzig droschen in der Woche davor Woche 200 Männer aufeinander ein, weil angeblich ein Afghane ein syrisches Mädchen bedroht hatte. Auch in Dresden gingen am Dienstag vor einer Woche etwa 150 Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft mit Fäusten, Holzlatten und Eisenstangen aufeinander los. Unterdessen warnte der Polizeigewerkschaftler Rainer Wendt davor, dass sich in den Erst- und Notunterkünften organisierte Clans und „knallharte kriminelle Strukturen“ bildeten. Wendt behauptete, Frauen würden zur Verschleierung gezwungen, Männern werde befohlen zu beten. Islamisten wollten in den Unterkünften ihre Werte und Ordnung einführen. Frauen würden belästigt, auch missbraucht und vergewaltigt. Wendt ist ein notorischer Übertreiber, aber im Grundsatz teilen Hilfs- und Flüchtlingsorganisationen seine Bewertung. Das Rote Kreuz berichtet ebenfalls von Clan-Strukturen, die sich in den Notquartieren rasch herausbilden.

          Drohungen ohne Folgen für Unruhestifter

          In manchen Flüchtlingseinrichtungen, etwa in Berlin-Karlshorst, wurden allein reisende Frauen ausquartiert, weil niemand für ihre Sicherheit garantieren konnte. Anderswo fühlen sich Christen ihres Lebens nicht sicher. Es wird berichtet, dass Muslime sich weigern, Toiletten zu benutzen, auf die auch Christen gehen. Das bringt wiederum allmählich die Volksseele zum Köcheln, selbst die des Innenministers de Maizière. Einige Politiker und Polizeivertreter forderten in dieser Woche, Flüchtlingsgruppen ethnisch und religiös zu trennen. Das lehnten andere ab, es führe bloß, so Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier, zu Parallelgesellschaften und sei außerdem auch gar nicht machbar.

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