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Flüchtlingsheime : Kampf um den Duschkopf

  • -Aktualisiert am

Vor einer Woche kam es in Calden zu einem Streit - ein Albaner soll sich beim Anstehen an der Essenausgabe vorgedrängelt haben. Bild: dpa

Die Meldungen über Schlägereien in Flüchtlingsunterkünften lassen ein Zerrbild entstehen. Meist leben die Bewohner friedlich miteinander. Zoff ist wohl überall dort zu finden, wo viele Menschen auf engem Raum miteinander umgehen müssen.

          Calden, Braunschweig, Hamburg, Suhl: Das sind die Orte, an denen es unter Asylbewerbern in diesem Jahr zu Massenschlägereien gekommen ist. Im August verfolgte eine Gruppe aufgebrachter Muslime in einer früheren Unterkunft der Nationalen Volksarmee in Suhl einen Mann, der den Koran geschändet haben soll. Sie legten Feuer, demolierten die Unterkunft, Polizei- und Privatwagen, trieben Polizisten und Journalisten in die Flucht. Es dauerte Stunden, bis hinzugerufene Einsatzkräfte die Lage wieder im Griff hatten. Am Sonntag vor einer Woche kam es in Calden bei Kassel zum Eklat in einer Zeltstadt mit etwa 1500 Bewohnern. Ein Albaner soll sich beim Anstehen an der Essenausgabe vorgedrängelt haben. Das erregte einen wartenden Pakistaner, woraufhin der Albaner Anlass sah, den Pakistaner ins Gesicht zu schlagen und einen Wachmann, der schlichten wollte, zu ohrfeigen.

          Zwischen den Gruppen entspann sich eine organisierte Massenschlägerei unter 370 Asylbewerbern mit Reizgasangriff auf Polizeibeamte. Nur eine gute Woche später, in der Nacht von Dienstag zum Mittwoch, kam es in der Landesaufnahmebehörde von Niedersachsen in Braunschweig zu einem Streit zwischen Algeriern und Syrern, an dem sich drei- bis vierhundert Flüchtlinge beteiligt haben sollen. Offenbar war es schwer, den Überblick zu wahren. Der Anlass für die Prügelei in Braunschweig waren laut Polizeisprecher „einige gestohlene Gegenstände“. Verletzte habe es keine gegeben, und nach eineinhalb Stunden war es sechzig Polizeibeamten gelungen, die Situation zu beruhigen. Ein Mann sei festgenommen worden, der am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden sollte.

          Beispiel Berlin : So wohnen Flüchtlinge in Notunterkünften

          In einer Hamburger Erstaufnahmeeinrichtung sind indes zur selben Zeit dreißig Albaner und Afghanen teilweise mit Eisenstangen aufeinander losgegangen, wie die Polizei berichtete. Fünf Personen wurden leicht verletzt. Auch eine Matratze in einem Zelt soll angezündet worden sein, wodurch zwei Personen durch den Rauch verletzt worden seien. Nach der Auseinandersetzung im Stadtteil Wilhelmsburg nahm die Polizei drei Personen in Gewahrsam. Eine von ihnen soll nach den Angaben mehrerer Zeugen einem anderen Flüchtling eine Waffe an den Kopf gehalten haben. Doch trotz des Einsatzes eines Spürhundes wurde die Waffe nicht gefunden. Auslöser der Schlägerei war dem Vernehmen nach ein Streit zwischen einem Albaner und einem Afghanen in den Sanitärräumen. Dabei soll es um Duschköpfe gegangen sein. Immer wieder heißt es, dass vornehmlich Angehörige bestimmter Volksgruppen aus dem Balkanraum sich in den Besitz der Duschköpfe bringen, um sie dann gegen ein Entgelt an andere Mitbewohner der Unterkunft zu verleihen. In Hamburg sollen das die Angehörigen der anderen Volksgruppe offenbar nicht toleriert haben. „Der Duschkopf“ gilt als ein Klassiker unter den vermeintlichen oder tatsächlichen Betrügereien und Erpresserspielchen in den Aufnahmeeinrichtungen.

          Unter dem Eindruck dieser Nachrichten entsteht bisweilen ein Zerrbild. Im Regierungsbezirk Kassel leben etwa 3000 Personen allein in Zelten und Räumen der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen – außerhalb kommunaler Unterkünfte. Die ersten Flüchtlinge kamen im Sommer, und seither gab es im Bezirk eine Massenschlägerei wegen des Vordrängelns beim Essen. Geraten Deutsche untereinander in Streit und tragen das mit Fäusten aus, wie jüngst auf einem Volksfest am Erfurter Domplatz, nimmt die Öffentlichkeit davon kaum Notiz, ebenso wenig wie von den Zuständen in Notaufnahmen und Intensivstationen von Krankenhäusern, wo Betrunkene, Drogenabhängige und Gewalttäter immer wieder und gar nicht so selten das Personal angreifen, es beleidigen und verletzen, Ausstattungsgegenstände beschädigen oder Rettungswagen und Klinikeinrichtungen zerstören.

          Die Lebensumstände führen zu Konflikten

          In den meisten Asylunterkünften leben die meisten Bewohner friedlich und geduldig in den Unterkünften mit- und nebeneinander, obwohl die Bedingungen – die Enge, das häufig ungewohnte Essen, die Langeweile – auf die Laune drücken. Die Albaner seien häufig frustriert, berichtet ein Beamter, weil die Schleuser sie mit falschen Versprechungen gelockt hätten. Unter dem Signet des Bundesadlers sollen sie auf Flugblättern mit dem Versprechen geködert worden sein, dass in Deutschland schon ein Auto, ein Haus und ein Arbeitsplatz auf sie warteten. Die Afghanen hingegen verübeln es zunehmend den Syrern, dass deren Asylverfahren schneller und offenbar immer positiv abgeschlossen werden.

          Die Sozialarbeiter berichten, es seien weniger die ethnischen und religiösen Unterschiede, die zu Konflikten führten, sondern die Lebensumstände. Junge Männer gingen auf und ab, bohrten sich in die Frage, wie es mit ihnen weitergehe, Frauen hingegen hielten die Familie zusammen, bändigten Männer und Kinder. Freilich kommt es auch zum Streit. Die Sprachbarrieren sind nach Ansicht der Beobachter in Behörden eine Barriere im Alltag, an der mancher strauchelt. Hinzu kommen andere Gewohnheiten, im Alltag die kleinen Erfolge, etwa beim Vorrücken in einer Warteschlange, für sich einzuheimsen.

          Ähnlicher Zoff um Kleinigkeiten ist wohl überall dort zu finden, wo viele Menschen auf engem Raum miteinander umgehen – selbst in einer Organisation, die für ihre Nächstenliebe bekannt ist. Im Rückblick auf das Zweite Vatikanische Konzil vor 50 Jahren schilderte der Deutschlandfunk die dortigen Begebenheiten jüngst so: „In den Pausen der Konzilssitzung drängelten sich die Teilnehmer an den beiden Bars, die eigens im Petersdom dafür eingerichtet worden waren. Bars mit Namen wie Abba, Vater, hieß die eine, Jonas die andere. Erzbischof Loris Capovilla amüsiert sich noch heute über den Umstand, dass vor allem italienische Konzilsteilnehmer nie Schlange stehen wollten. Immer wieder drängelten sie sich vor. Vor allem die deutschen Bischöfe schimpften über solch ungezogenes Verhalten – auf Latein natürlich.“

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