http://www.faz.net/-gpf-8aqb3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 29.11.2015, 06:00 Uhr

Flüchtlingskrise Kontingentlösung für Türkei nimmt Gestalt an

Auf Initiative von Angela Merkel wollen sich an diesem Sonntag EU-Staaten treffen, die bereit sind, Flüchtlingskontingente aus der Türkei aufzunehmen. Im Gespräch sind nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung 400.000 Flüchtlinge.

© AP Von der Türkei in die EU: Flüchtlinge erreichen die griechische Insel Ägäis.

In der Europäischen Union formiert sich erstmals eine Gruppe von Staaten, die der Türkei ein Kontingent von Flüchtlingen abnehmen will, wenn Ankara im Gegenzug den Zustrom nach Europa stoppt. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) aus Verhandlungskreisen erfuhr, haben Kanzlerin Merkel und Kommissionspräsident Juncker für diesen Sonntag, 14 Uhr, in Brüssel ein „Treffen der Willigen“ arrangiert. Daran werden neben Deutschland die drei Benelux-Länder, Österreich, Schweden, Finnland und Griechenland teilnehmen.

Auch Frankreich ist eingebunden; die Kanzlerin hat die Initiative mit Präsident Hollande am Mittwoch bei einem Treffen in Paris besprochen. Hollande kann am Sonntag jedoch erst um 16 Uhr nach Brüssel kommen, wenn das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen zwischen den EU-Regierungschefs und der türkischen Regierung beginnt. Dabei soll ein umfassender politischer Pakt mit der Türkei besiegelt werden.

Mehr zum Thema

Die „Gruppe der Willigen“ wird über den Umfang des Flüchtlingskontingents und dessen Verteilung beraten. Im Gespräch ist nach F.A.S.-Informationen eine Größenordnung von 400.000 Personen, das entspricht einem Drittel der Migranten, die in diesem Jahr über die Westbalkanroute – und damit über die Türkei – nach Europa kommen. Zu erwarten ist, dass Deutschland den größten Anteil übernimmt.

Es gibt Anzeichen dafür, dass auch Frankreich einen namhaften Beitrag leistet, nachdem Deutschland sein Engagement im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ verstärken will. Mutmaßlich haben Merkel und Hollande eine solche Absprache getroffen. In Verhandlungskreisen wurde jedoch nicht damit gerechnet, dass am Sonntag bereits öffentlich Zahlen genannt werden, was auch an den bevorstehenden Regionalwahlen in Frankreich liegt. Vielmehr soll Juncker beauftragt werden, bis zum nächsten EU-Gipfel Mitte Dezember einen Verteilungsplan auszuarbeiten, wie die F.A.S. weiter berichtet.

© reuters EU und Türkei kurz vor Durchbruch in Flüchtlingsfrage

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach der Brexit-Entscheidung Projekt Schadensbegrenzung

Das Out der Briten zur EU hat Europa einen Schock versetzt. Wie es nun weitergehen soll, wollen heute sechs EU-Außenminister bei einem Krisentreffen in Berlin besprechen. Deutschland und Frankreich wollen dabei gemeinsame Vorschläge vorlegen. Mehr

25.06.2016, 06:01 Uhr | Politik
Draußen ist draußen Juncker schließt Nachverhandlungen über Reformpaket mit Briten aus

Unabhängig vom Ausgang des britischen Referendums will EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker der Regierung in London keine weiteren Zugeständnisse beim vereinbarten Reformpaket machen. Draußen ist draußen, sagte Juncker am Mittwoch in Brüssel. Mehr

22.06.2016, 18:34 Uhr | Wirtschaft
Streit mit Erdogan Es war einmal die türkisch-europäische Freundschaft

Die EU will ein neues Kapitel in den Verhandlungen mit der Türkei über einen Beitritt öffnen. Präsident Erdogan poltert jedoch abermals: Er bringt ein Referendum über die Beitrittsgespräche mit der EU ins Gespräch. Mehr

23.06.2016, 11:49 Uhr | Politik
Vor 100 Jahren Merkel und Hollande gedenken in Verdun der Gefallenen des Ersten Weltkriegs

Mit einer Kranzniederlegung auf einem Soldatenfriedhof bei Verdun haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Amtskollege Francois Hollande der Toten der Schlacht um die Stadt im Jahr 1916 gedacht. Danach sollten beide unter anderem eine neu gestaltete Gedenkstätte besuchen. Anschließend stand ein Arbeitsmittagessen auf dem Programm. Mehr

29.05.2016, 12:50 Uhr | Aktuell
F.A.S. exklusiv EU plant Initiative für den Binnenmarkt

Schnellerer Mobilfunk, weniger digitale Schranken: Nach Informationen der F.A.S. plant die EU den Ausbau des Binnenmarkts. Der Entwurf unterstellt jedoch, dass die Briten gegen den Brexit stimmen. Mehr Von Thomas Gutschker

19.06.2016, 05:49 Uhr | Politik

Zu viel der Höflichkeit

Von Martin Benninghoff

Bundestagspräsident Lammert bedankt sich bei der Türkischen Gemeinde in Deutschland dafür, dass sie sich von Mordaufrufen und Drohungen gegenüber türkischstämmigen Abgeordneten distanziert. Das geht zu weit. Mehr 830

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden