http://www.faz.net/-gpf-8e8td

Flüchtlingskrise : Deutschland weist Österreichs Forderung nach Tagesquoten zurück

  • Aktualisiert am

Österreichs Bundeskanzler Faymann und Kanzlerin Merkel: Deutschland wirft dem Nachbarland eigenmächtiges Vorgehen vor. Bild: Reuters

Österreichs Bundeskanzler Faymann will Flüchtlinge aus Griechenland gleich nach Deutschland durchwinken. Jetzt hat die Bundesregierung auf den Vorschlag reagiert und kritisiert das Nachbarland scharf.

          Die Bundesregierung hat Forderungen des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann zurückgewiesen, über Tageskontingente Flüchtlinge aus Griechenland nach Deutschland zu holen. „Deutschland operiert nicht mit Tagesquoten“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Es gebe niemanden, dem die Bilder von den Flüchtlingen an der griechisch-mazedonischen Grenze nicht nahegingen.

          „Sie zeigen leider überdeutlich, wie notwendig es ist, dass Europa abgestimmt und gemeinsam agiert und nicht Binnengrenzen in einer Weise schließt, die dann bei anderen Mitgliedsstaaten die Belastungen in die Höhe schnellen lassen“, sagte Seibert.

          Notwendig seien eine europäische Bekämpfung der Fluchtursachen, der Schutz der Außengrenzen und die Zusammenarbeit mit der Türkei. So sei eine starke Reduzierung der illegalen Migration möglich. Zugleich dürfe Griechenland mit der Situation nicht alleingelassen werden. Das Nothilfepaket der EU werde dem Land in großem Umfang zugutekommen, sagte Seibert. Griechenland müsse gleichzeitig den Schutz der EU- und Schengen-Außengrenzen verbessern und den Bau von Hotspots vorantreiben.

          Faymann sagte der Zeitung „Kurier“, Deutschland sollte „eine Tagesquote festlegen – und nach dieser Flüchtlinge direkt von Griechenland, der Türkei oder Jordanien nach Deutschland bringen“. Dazu solle es „Durchreise-Zertifikate“ geben.

          Am Montag beraten die EU-Staaten bei einem Gipfel sowie bei einem Treffen mit der Türkei das weitere Vorgehen. Zur Vorbereitung trifft Merkel am Freitag den französischen Präsidenten Francois Hollande in Paris.

          Quelle: Reuters

          Weitere Themen

          An den Grenzen der Willkommenskultur

          Bundestagswahl : An den Grenzen der Willkommenskultur

          Keine Gerechtigkeits- oder Klimadebatte bewegt Bürger mehr als die Flüchtlingsfrage. Weil Hunderttausende integriert werden müssen, wird sich das auch nach der Bundestagswahl nicht ändern.

          Vor allem das Prinzip Hoffnung

          EU-Flüchtlingspolitik : Vor allem das Prinzip Hoffnung

          Die EU-Innenminister haben abermals über die Bewältigung der Flüchtlingskrise beraten. Doch die Frage nach einer gerechteren Lastenverteilung bleibt offen. Italien und Griechenland verlangen, die Dublin-Regeln zu kippen.

          Mit 31 auf dem Weg in Österreichs Kanzleramt Video-Seite öffnen

          Sebastian Kurz : Mit 31 auf dem Weg in Österreichs Kanzleramt

          Er ist smart, gut gebräunt und erst 31: Der bisherige Außenminister Sebastian Kurz hat beste Chancen, nach den Parlamentswahlen in einem Monat österreichischer Bundeskanzler zu werden – womöglich zusammen mit der rechtspopulistischen FPÖ.

          Topmeldungen

          CSU-Beben in Bayern : „Wir brauchen einen anderen Spitzenkandidaten“

          Nach dem katastrophalen Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl werden die Rücktrittsforderungen an Horst Seehofer lauter. Das Festhalten an der Flüchtlingsobergrenze könnte schon früh jede Jamaika-Verhandlung erschweren.
          Wer passt auf die Babys auf?

          Elternzeit : Weg mit den Jammer-Müttern!

          Die Forderung nach einer Zwangspause für Väter belegt: Ein Teil der Frauen glaubt immer noch daran, dass es für wahre Gleichberechtigung nur genügend staatliche Steigbügel braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.