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Veröffentlicht: 04.03.2016, 21:57 Uhr

Arbeit gesucht Flüchtling ist kein Beruf

Erst ein Deutschkurs, dann Qualifikationen sammeln, schließlich eine feste Stelle – aber so einfach ist es für Flüchtlinge nicht. Berliner Helfer können erzählen, warum.

von , Berlin
© dpa Flüchtlinge konnten sich hier in Berlin über Job- und Weiterbildungsangebote informieren.

„Wir sind Profis“, sagt Yasemin Haack, Mitarbeiterin der Arbeitsvermittlung für Asylsuchende der Agentur für Arbeit Berlin Nord, als sie dem syrischen Zahnarzt A. zunächst alle Illusionen über eine rasche Arbeitsaufnahme raubt, und ihm dann aber sagt, dass er kompetente Unterstützung dabei bekommt, doch irgendwann in seinem Beruf in Deutschland arbeiten zu können. A. hatte alles richtig gemacht, und doch wird es lange dauern, bis er als Zahnarzt praktizieren wird. Seine Zertifikate sind amtlich beglaubigt und ins Deutsche übersetzt, er hatte eine Deutschprüfung der Stufe B2 bestanden und war mit dem EU-Programm für Hochqualifizierte nach Deutschland gekommen.

Mechthild Küpper Folgen:

Doch dann reichte die Zeit nicht, um beruflich starten zu können; er musste Asyl beantragen, er musste einen anspruchsvollen Deutschkurs belegen und die Prüfung der Stufe C1 bestehen und seine Approbation vorantreiben. Herr A. ist also hochqualifiziert, er hat keine Fehler gemacht, freundliche Berliner haben ihn aufgenommen, er ist bei Profis gelandet, die ihn auf dem Weg zum beruflichen Neuanfang unterstützen. Und dennoch wird auch er viel Geduld brauchen, bis er in Deutschland seiner Profession nachgehen kann.

Hoffnung auf rasche Arbeit erzeugt Euphorie

Wenn der Zahnarzt A. töricht gewesen wäre, hätte er das Angebot eines deutschen Kollegen angenommen, für 800 Euro im Monat bei ihm in Teilzeit zu arbeiten – und hätte sich damit voraussichtlich in eine berufliche Sackgasse begeben. Die Hoffnung der Flüchtlinge, in Berlin nicht nur ein Bett und drei Mahlzeiten am Tag zu bekommen, sondern rasch arbeiten zu können, erzeugt Euphorie. Arbeitgeber, die schon jetzt nur schwer Lehrlinge finden und den künftigen Facharbeitermangel fürchten, zeigen sich überaus integrationsfreudig.

© DW, Deutsche Welle Flucht und dann? Jobsuche in Deutschland

Die Zahl der Initiativen, Flüchtlinge und Arbeitsplätze zusammenzubringen, ist groß. Den besten Slogan benutzt „Arrivo“: „Flüchtling ist kein Beruf“. Handwerkskammer, das Netzwerk für Bleiberecht „Bridge“ und die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen haben „Arrivo“ ins Leben gerufen. Flüchtlinge sollen in Handwerks- und Industriebetrieben, aber auch in Pflegeberufen einige Wochen lang ein Praktikum machen, damit sie herausfinden können, ob sie Interesse an einem der Berufe haben, und um den potentiellen Arbeitgebern zu zeigen, was die Flüchtlinge können und was sie noch lernen müssen.

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So werden sechs junge Flüchtlinge zur Zeit bei den Wasserbetrieben intensiv betreut und ausgebildet. Voraussetzung waren Deutschkenntnisse auf dem Niveau der B1-Prüfung und eine Arbeitserlaubnis. Im Herbst begannen 25 Flüchtlinge eine reguläre duale Ausbildung.

„Work for Refugees“ ist eine Initiative des Berliner Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Stiftung Zukunft Berlin. Einen besonders niedrigschwelligen Zugang erlaubt eine speziell für Smartphones eingerichtete Internetseite, mit der Arbeitnehmer und -geber in vier Sprachen ihr Interesse anmelden können. Die Flüchtlinge – im Oktober 2015 war von einigen tausend die Rede, die in Berlin eine unbeschränkte Arbeitserlaubnis besaßen – werden nach der ersten Kontaktaufnahme zu einem Gespräch eingeladen und nach Möglichkeit mit dem Arbeitgeber zusammengebracht, der eine passende Arbeit für sie hat. Das Projekt wird in Flüchtlingsunterkünften bekannt gemacht.

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