http://www.faz.net/-gpf-8c7cf

Entwicklungsminister Müller : „Erst zehn Prozent der Fluchtwelle ist bei uns“

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge erreichen die griechische Insel Lesbos: Deutsche Behörden rechnen 2016 mit einer halben Million Asylbewerbern. Bild: AP

Der Höhepunkt der Flüchtlingskrise steht Deutschland laut Entwicklungsminister Müller noch bevor. Acht bis zehn Millionen Menschen seien unterwegs. Nur Abschottung helfe nicht.

          Entwicklungsminister Gerd Müller warnt vor noch größeren Fluchtbewegungen nach Deutschland und Europa. „Erst zehn Prozent der in Syrien und Irak ausgelösten Fluchtwelle ist bei uns angekommen. Acht bis zehn Millionen sind noch unterwegs“, sagte Müller der „Bild am Sonntag“.

          Der CSU-Politiker verwies auf die Situation in Afrika: „Die größten Fluchtbewegungen stehen uns noch bevor: Afrikas Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln.“ Müller fügte hinzu: „In der Sahara sollen bis zu einer Million Menschen auf der Flucht gestorben sein. Das zeigt die ganze Dramatik.“ Es brauche deshalb eine „vollkommen neue Dimension der internationalen Zusammenarbeit“.

          „Wir können keine Zäune um Deutschland und Europa bauen“

          In einer Abschottung sieht der Minister keine Lösung, denn „die Menschen fliehen vor Hunger, Elend, Gewalt und weil sie keine Zukunft für sich und ihre Familien sehen“. Wir alle seien aber Teil einer globalisierten Welt. „Wir können keine Zäune um Deutschland und Europa bauen. Wenn die Menschen leiden, werden sie kommen.“

          Angesprochen auf eine feste Obergrenze, wie sie CSU-Chef Horst Seehofer fordert, sagte Müller: „Wir brauchen eine Reduzierung. Eine Million wie im vergangenen Jahr können wir nicht erfolgreich integrieren.“ Gleichzeitig müsse Europa seine Verantwortung in der Welt „in einer anderen Dimension wahrnehmen, als wir das bisher tun“, forderte der Minister. „Wir haben unseren Wohlstand auf dem Rücken der Entwicklungsländer aufgebaut. Das wird nicht mehr lange gut gehen. Diese Spannungen entladen sich. Dann ist egal, was wir hier festlegen. Die Menschen werden uns nicht fragen, ob sie kommen können.“

          Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geht einem Zeitungsbericht zufolge für das laufende Jahr von 500.000 Flüchtlingen als Arbeitsgrundlage aus. Dies habe Behörden-Chef Frank-Jürgen Weise am Mittwoch bei der Klausurtagung der grünen Bundestagsfraktion in Weimar erklärt, berichtete die „Mitteldeutsche Zeitung“ in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Parlamentarier. 2015 wurden bundesweit insgesamt 1,09 Millionen Migranten im Datensystem Easy registriert.

          Weitere Themen

          Noch nie Schnee gesehen Video-Seite öffnen

          Lebensgefahr Bergpass : Noch nie Schnee gesehen

          Viele Flüchtlinge aus Afrika träumen von einem Leben in Frankreich. In Italien angekommen, wagen einige von ihnen den gefährlichen Weg über den Bergpass zwischen Bardoneccia und der französischen Grenze. Doch manchmal endet dieser mit abgefrorenen Gliedmaßen.

          Zehn Jahre unabhängiges Kosovo Video-Seite öffnen

          Jubiläum : Zehn Jahre unabhängiges Kosovo

          Der jüngste Staat Europas hat seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Am 17. Februar 2008 erklärte das Kosovo seine Unabhängigkeit. Und doch ist vielen der 1,8 Millionen Einwohner heute nicht zum Feiern zumute.

          Topmeldungen

          Wichtiges Urteil erwartet : Ist mein Diesel bald wertlos?

          Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt darüber, ob Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge rechtmäßig sind. Seine Entscheidung könnte Signalwirkung für ganz Deutschland haben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
          Qualität zählt: Mitarbeiter des Bio-Lieferdienstes Querbeet beim Verpacken der Ware.

          Nachhaltig führen : Faire Unternehmen – faire Chefs?

          Öko, bio, nachhaltig: Wer diese Ziele hat, will auch gut zu seinen Mitarbeitern sein. Aber genügen dafür Lauftreff und Theatergruppe? Zwei Beispiele aus dem Handel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.