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Veröffentlicht: 29.01.2016, 12:48 Uhr

Angriff auf Flüchtlingsheim Entsetzen nach versuchtem Anschlag mit Handgranate

„Die Täter dürfen nicht ungestraft davon kommen“, fordert Justizminister Maas nach einem versuchten Handgranaten-Anschlag auf ein Flüchtlingsheim. Grünen-Politiker Beck spricht von „Straßenterror“.

© dpa Spurensicherungsbeamte untersuchen den Tatort in Villingen-Schwenningen.

Politiker aus der Bundes- und Landespolitik haben sich nach einem Handgranaten-Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen bestürzt gezeigt. „Also das ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten – quasi mit militärischen Waffen – auf Asylsuchende losgegangen wird“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag in Stuttgart. „Wir müssen einfach alles dafür tun, dass wir Extremismus [...], der die rote Linie überschreitet und zu Gewalt übergeht, dass wir den gesellschaftlich radikal ächten.“

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf nannte die Attacke einen „Anschlag gegen die Menschlichkeit.“ Die Tat müsse mit der ganzen Härte des Rechtsstaates verfolgt und bestraft werden. „Die Täter dürfen nicht ungestraft davon kommen“, twitterte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) unter dem Hashtag #Handgranate. Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter spricht von einer „neuen, erschreckenden Kategorie des Hasses, die ein schrillendes Alarmsignal sein muss.“ Der Kampf gegen rechten Terror müsse von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Chefsache gemacht werden.

© Twitter

Gegen 1.15 Uhr wurde der Sprengkörper über einen Zaun auf den geteerten Innenhof der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle im Schwarzwald-Baar-Kreis geworfen, wie die Polizei bestätigte. Der Sicherheitssplint war gezogen, die mit Sprengstoff gefüllte Granate explodierte jedoch nicht. Menschen kamen nicht zu Schaden. „Das ist ein Kapitalverbrechen“, sagte Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD). „Es hätten Menschen zu Tode kommen können.“

Weiträumige Absperrung

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, innenpolitischer Sprecher, bezeichnete die Tat als „Straßenterror“. „Wir brauchen eine Flüchtlingsschutzpolitik.“ Er forderte einen Gipfel im Kanzleramt mit Diskussionen, „die am Wohl und Schutz der Flüchtlinge orientiert sind und nicht nur an deren Abwehr“. Der Chef der badischen Diakonie, Urs Keller, sprach von einer „neuen Dimension der Gewalt gegen Ausländer in Deutschland“. „Man kann nur hoffen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen“, sagte Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD).

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Ein Sicherheitsmann bemerkte die Granate gegen 1.30 Uhr auf dem Boden des Innenhofs und alarmierte die Behörden. Die Polizei sperrte das Gelände und angrenzende Straßen weiträumig ab. „Wenn die Wachleute in der Nähe versucht hätten, sie anzufassen und sie explodiert wäre, wären Menschen zu Tode gekommen“, sagte Öney.

Die Granate wurde von Entschärfern gegen 5.00 Uhr kontrolliert gesprengt. Dafür bauten sie einen Schutzwall aus Strohballen um den Sprengkörper. Ob ein Zünder vorhanden war, ist bislang nicht bekannt. In der Unterkunft leben nach Auskunft des Regierungspräsidiums Freiburg 104 Flüchtlinge aus mehreren Ländern. „20 Personen mussten kurzzeitig während der Sprengung das Gebäude verlassen“, sagte ein Polizeisprecher.

Sonderkommission in Rottweil

Sie wurden vorübergehend in freien Wohnungen untergebracht und kehrten nach der Sprengung der Handgranate wieder in ihre Schlafräume zurück. Die Straße, in der sich die Asylbewerberunterkunft befindet, war zunächst für den Verkehr gesperrt, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur von der Stelle berichtete. Kriminaltechniker sicherten Spuren. Die Kripo Rottweil richtete die Sonderkommission „Container“ ein. Die Polizei ermittle in alle Richtungen, wolle ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließen, sagte ein Sprecher der Polizei Tuttlingen.

„Wir sind erleichtert, dass kein Mensch bei diesem heimtückischen Versuch zu Schaden gekommen ist“, sagte die südbadische Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Sie machte sich mit Landrat Sven Hinterseh (CDU) und Villingen- Schwenningens Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) vor Ort ein Bild der Lage. „Wir sind entsetzt und verurteilen jede Form von Gewalt, die sich gegen die Flüchtlinge, aber auch gegen die Mitarbeiter in unseren Unterkünften richtet“.

Immer wieder wurden in den vergangenen Wochen und Monaten Brandanschläge auf Unterkünfte für Asylbewerber im Südwesten verübt, meist bevor diese bezogen wurden. „Sowas haben wir noch nicht gehabt“, sagte ein Polizeisprecher zu dem Anschlag im Schwarzwald.

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Von Helene Bubrowski

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Quelle: wahlrecht.de
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