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Flüchtlinge auf Jobsuche : Betriebe hadern mit Integrationshürden

Erst einmal ein Praktikum - und dann? Bild: dpa

Viele Unternehmen wollen Flüchtlingen Chancen geben. Das ist in der praktischen Umsetzung nicht immer einfach. Eine Studie und ein Integrationsplan zeigen, wo es hakt.

          Deutsche Unternehmen haben bisher kaum Flüchtlinge auf feste Arbeitsplätze übernommen. Sie setzen sich aber mit vielfältigen Programmen dafür ein, dass dies bald in größerem Maßstab gelingen kann.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Diese Ansicht vertreten nicht nur Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände – auch eine neue Untersuchung für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kommt zu ähnlichen Ergebnissen: „Die deutsche Wirtschaft steht der Integration von Flüchtlingen im Großen und Ganzen aufgeschlossen gegenüber“, bescheinigt die Studie, die dieser Zeitung vorab vorliegt. „Etliche Unternehmen bemühen sich aktiv um die Integration in Betrieb und Gesellschaft.“

          Der Weg zu einer Integration in den Arbeitsmarkt ist jedoch bei näherem Hinsehen steinig. Überwiegend böten die Unternehmen Praktika an, die einer ersten beruflichen Orientierung und einem Ausbau der Deutschkenntnisse dienten, die im staatlichen Integrationskurs nach dem Asylverfahren erworben wurden, so die Forscher.

          Praktika führen meist nicht zu einer Festanstellung

          Eine direkte Weiterbeschäftigung sei nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Meist seien die Praktika ein erster Schritt hin zu einer von der Arbeitsagentur geförderten Einstiegsqualifizierung, die den Weg in eine reguläre dreijährige Berufsausbildung ebnen soll.

          Die Studie, für die das Tübinger Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur Manager und Betriebsräte aus einem Dutzend größerer Unternehmen eingehend befragt hat, stellt vor diesem Hintergrund zwei wesentliche Lösungsansätze heraus: Zum einen müsse die Sprachförderung noch stark ausgebaut werden; zum anderen sei ein viel größeres Angebot an Teilzeitausbildungen anzustreben; sie erlauben es, vertiefende Sprachkurse, Teilzeitarbeit und Lehre zu verknüpfen.

          Gerade diese Vorschläge werden über Lagergrenzen hinweg geteilt: Sie finden sich auch in einem neuen 13 Punkte umfassenden Integrationskonzept, das die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zusammengestellt hat. So richte sich das Angebot der Teilzeitausbildung bisher in der Regel an junge Mütter und werde zugleich im Alltag nur ganz selten genutzt.

          Sprachkurse, Teilzeitarbeit und Lehre miteinander verknüpfen

          Tatsächlich biete das Modell aber auch für Flüchtlinge eine gute Möglichkeit, die Integrationsaussichten zu verbessern, heißt es in dem Papier, das der F.A.Z. vorliegt. Daneben empfehlen die Arbeitgeber aber auch etwa die vollständige Abschaffung des Zeitarbeitsverbots für Asylbewerber und eine rechtliche Klarstellung, dass Praktika für Flüchtlinge nicht unter den Mindestlohn fallen.

          Beide Papiere liefern Diskussionsstoff für ein Spitzentreffen zur Integrationspolitik, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Mittwoch ins Kanzleramt eingeladen hat: Mit Vertretern der Wirtschaftsinitiative „Wir zusammen“, der 120 Unternehmen angehören, will Merkel besprechen, woran es in der Praxis hakt und wie sich die Eingliederung in Arbeit erleichtern lässt.

          Den Anlass dazu lieferte auch eine Recherche dieser Zeitung: Sie zeigte, dass die 30 Dax-Konzerne Ende Juni insgesamt nur 58 Flüchtlinge angestellt hatten. Merkel machte im Vorfeld des Treffens deutlich, dass ihr an einem Dialog gelegen sei.

          Integration : Flucht und dann? Jobsuche in Deutschland

          Großunternehmer sind auf Flüchtlinge nicht angewiesen

          Sie wolle dabei herausfinden, wo sich im Betriebsalltag Schwierigkeiten auftäten und wo es mögliche bürokratische Hürden gebe, die „beiseite geräumt werden sollten“, erläuterte Regierungssprecher Steffen Seibert.

          Dass gerade Großunternehmen nicht mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Flüchtlinge anbieten, lässt sich der Studie zufolge auch ökonomisch erklären: Trotz allgemeiner Fachkräfteknappheit hätten Großunternehmen, anders als Handwerksbetriebe, immer noch viele Bewerber.

          Angebote an Flüchtlinge folgten daher weniger akutem Eigeninteresse und seien eher Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung. Zudem gebe es in mehreren untersuchten Großunternehmen zwar eine Kultur, nicht ausbildungsreife Jugendliche gezielt zu fördern – gerade im Hinblick auf Kinder von Mitarbeitern. Dies führe nun aber zu der Sorge, dass ein zu starkes Umsteuern zugunsten von Flüchtlingen als ungerechte Bevorzugung empfunden werde.

          „Keine erkennbare Logik“

          Daneben gibt es aber auch noch sehr konkrete Hürden, die eine Integration in Ausbildung und Arbeit erschweren, zeigt das BDA-Papier. So stehe für Asylbewerber, die eine Berufsausbildung machen, bisher nur ein Teil der staatlichen Förderinstrumente zur Verfügung.

          Die Regelungen dazu folgten „keiner erkennbaren Logik“ und verunsicherten ausbildungsbereite Betriebe. Wer rechtmäßig einen Ausbildungsvertrag abschließe, solle künftig auch auf alle Instrumente zugreifen können, fordern die Arbeitgeber.

          Ähnlich wichtig sei ein stärkerer Ausbau der sogenannten Kompetenzfeststellung: Gerade ältere Flüchtlinge hätten oft zwar keine formalen Berufsabschlüsse, aber durchaus gut nutzbare Fähigkeiten.

          Für die Vermittlung in Arbeit sei es indes wichtig, möglichen Arbeitgebern mindestens Grundinformationen über diese Fähigkeiten geben zu können. Dass diese Unsicherheit aus Sicht vieler Betriebe eine große Hürde darstellt, hatte jüngst auch eine Untersuchung des Berlin-Insituts für Bevölkerung und Entwicklung gezeigt.

          Neben solchen arbeitsmarktpolitischen Ansätzen empfehlen die Arbeitgeber aber auch strengere Regeln während des Asylverfahrens: So müssten die Verfahren weiter beschleunigt werden und rascher zu rechtssicheren Entscheidungen führen. Zudem sollten Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive auch schon während des Verfahrens zur Teilnahme am staatlichen Integrations- und Sprachkurs verpflichtet werden, rät die BDA.

          Quelle: F.A.Z.

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