http://www.faz.net/-gpf-8dtz0

Bautzen : Künftige Flüchtlingsunterkunft brennt – Schaulustige klatschen

  • Aktualisiert am

In einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Bautzen ist in der Nacht zu Sonntag ein Feuer ausgebrochen. Die Ursache des Brandes war zunächst unklar. Bild: dpa

In Bautzen brennt ein geplantes Flüchtlingsheim - und die Löscharbeiten werden von Schaulustigen teilweise massiv behindert. Manche kommentieren den Brand mit unverhohlener Freude.

          Im sächsischen Bautzen hat in der Nacht zu Sonntag ein für Flüchtlinge vorgesehenes Gebäude gebrannt. Wie die Polizei in Görlitz am Sonntag mitteilte, brannte der komplette Dachstuhl des sogenannten Husarenhofs am Rande der Bautzener Innenstadt. Das Gebäude wurde zuletzt als Hotel genutzt und sollte für Flüchtlinge hergerichtet werden.

          Die Ursache des Feuers sei noch unklar, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Kriminalpolizei und das auf rechtsextreme Straftaten spezialisierte Operative Abwehrzentrum ermittelten „in alle Richtungen“.

          Löscharbeiten teils massiv behindert

          Die Löscharbeiten wurden von Schaulustigen teilweise massiv behindert, hieß es. Gegen drei Bautzener wurden Platzverweise erteilt. Zwei von ihnen wurden in Gewahrsam genommen, weil sie der Aufforderung nicht nachkamen.

          Die Polizei berichtete von Anwohnern und teils alkoholisierten Schaulustigen, die sich in der Nähe des Gebäudes aufhielten. „Manche kommentierten das Brandgeschehen mit abfälligen Bemerkungen und unverhohlener Freude“, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

          Bericht: Auch Kinder jubelten über Brand

          Wie die „Dresdner Morgenpost“ auf ihrer Internetseite unter Berufung auf nicht näher benannte Zeugen berichtet, sollen mehrere Personen den Brand „bejubelt“ haben. Dies habe die Polizei in Görlitz bestätigt. Unter ihnen waren demnach auch Kinder, die applaudiert und Flüchtlinge als „Kanaken“ bezeichnet hätten.

          Bautzen in Sachsen : Brand in geplanter Flüchtlingsunterkunft

          Die Zeitung zitiert auch den ehemaligen Betreiber des Husarenhofs, Michael Pfützner. Er habe die Menschen beobachtet, die in der Nacht den Brand beim Parkplatz eines nahegelegenen Supermarkts bejubelt hätten. „Die haben dort gefeiert, während das Gebäude in Flammen aufging. Schrecklich“, sagte Pfützner der Zeitung.

          Erst am Donnerstagabend hatte ein wütender Mob im sächsischen Clausnitz einen Bus voller Flüchtlinge blockiert. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat die fremdenfeindlichen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen derweil als „widerlich und abscheulich“ bezeichnet.

          „Hass aus den Köpfen der Menschen bekommen“

          Die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich, sagte Tillich am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher.“ Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Solche Taten besudelten „das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens“.

          Auch der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Vorfälle in Bautzen scharf. „Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten“, sagte Ulbig der Deutschen Presse-Agentur. Es sei „unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird“, fügte er hinzu. „Wir stehen vor einer großen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, diesen Hass aus den Köpfen der Menschen zu bekommen.“

          Quelle: oge./dpa

          Weitere Themen

          Hunderte Hektar Wald in Brand Video-Seite öffnen

          Norditalien : Hunderte Hektar Wald in Brand

          Ein Waldbrand bedroht die Gegend um Val di Susa in Norditalien. Bereits mehrere Hundert Hektar Wald wurden durch das Feuer zerstört, 50 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

          Topmeldungen

          Sie scheint gestärkt, nicht geschwächt: Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche.

          Jamaika-Ende bei ARD und ZDF : „Ich fürchte nichts“

          Die Auftritte der Bundeskanzlerin im Fernsehen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche setzen ein Zeichen. Dafür sorgen nicht die Journalisten, das macht Angela Merkel schon selbst. Sie will es nochmal wissen und regieren. Am liebsten, hören wir heraus, mit Schwarz-Grün.

          Nach Aus für Jamaika : Ihr gelbes Wunder

          Auch die AfD hatte auf eine große Koalition gehofft. Sie versprach sich von Jamaika goldene Zeiten in der Opposition – nun muss sie jedoch die Liberalen fürchten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.