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Aktualisiert: 27.01.2016, 13:48 Uhr

Berliner Lageso Tragischer Tod eines Flüchtlings oder nur ein neues Gerücht?


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Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte der „Skandal“, der längst zur Posse zu werden drohte, schließlich bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz am Nachmittag, die von Journalisten regelrecht umlagert wurde. Auf ihr ruderte Henniges zurück und verkündete: „Das einzige, was wir herausgefunden haben, ist, dass sich der Helfer in seiner Wohnung verbarrikadiert hat.“ „RBB Online“ zitierte sie weiter mit den Worten, sollte sich herausstellen, dass es gar keinen Todesfall gab, sei dies eine „Katastrophe“ für die Helfer. „Das würde bedeuten, dass wir unseren ehrenamtlichen Helfern nicht mehr trauen können“. Noch glaube sie aber an die Version des Helfers, der offenkundig die einzige Quelle war, auf den sich das Bündnis bei seiner Meldung stützte.

„Vielleicht hatte er eine Herzkrankheit. Dann war die Schuld“

„Spiegel Online“ verwies am Mittwoch unterdessen auf eine Bekannte des Helfers, die auf Facebook das Protokoll eines angeblichen Chats mit ihm veröffentlicht hat. In dem Chat berichtet er demnach live von dem angeblichen Vorfall am Dienstagabend. Darin heißt es unter anderem: „ich weiß es nicht, er hat 39,4 Fieber, Schüttelfrost und kann nicht mehr sprechen. Ich denke, ich rufe einen Krankenwagen jetzt“. Kurz darauf schreibt er: „sitze im krankenwagen Herzstillstand“ und „Er ist gerade verstorben Ich melde mich hiermit offiziell ab.“ Nur wenige Zeilen darunter heißt es dann: „Vielleicht hatte er eine nicht erkannte Herzkrankheit. Dann war die schuld und nicht die Strapazen am Lageso.“

Lageso © Screenshot Facebook Vergrößern Screenshot aus dem Chat einer Bekannten des Helfers über den angeblichen Vorfall

Am Vormittag, als noch viele an den Wahrheitsgehalt der Geschichte glaubten, hatten die Flüchtlingshelfer mit scharfen Worten die Berliner Behörden für den angeblichen Todesfall verantwortlich gemacht. Die Lage vor dem Lageso sei so dramatisch und die Zahl der kranken wartenden Flüchtlinge so groß, dass die Helfer schlicht überfordert seien und man dem jungen Syrer nicht rechtzeitig habe helfen können, sagte Sprecherin Henniges zu FAZ.NET. „Es gibt unter den Wartenden ganz viele, die hoch Fieber haben, die an Krebs im Endstadium oder an Diabetes leiden, aber kein Insulin mehr haben.“ Auch viele Kinder seien darunter, die völlig ausgemergelt seien. „Es ist furchtbar, aber wir haben als Helfer einfach keine ausreichenden Kapazitäten.“ Henniges machte indirekt die Berliner Senatsverwaltung für den angeblichen Tod des Mannes verantwortlich. „Die sind doch dafür zuständig, dass  die Lage im und vor dem Lageso nicht so katastrophal ist“, sagte sie. Am Nachmittag wurden diese Vorhaltungen dann merklich leiser.

Auf dem Lageso-Gelände werden kranke Flüchtlinge seit Anfang November von Ärzten der Charité versorgt. In einem Gebäude einer ehemaligen Klinik gibt es seither rund 30 Betten für Härtefälle.

„Lügengeschichte! Aufgesogen von der Lügenpresse“

Sollte sich bestätigen, dass der angebliche Tod eines Flüchtlings nur ein dramatisches Gerücht war, dürfte das die ohnehin angespannte Stimmung in der Flüchtlingskrise weiter verschärfen. „Mal abwarten, was die Recherche ergibt“, kommentierte ein Nutzer am Mittag auf der Facebook-Seite des Bündnisses „Moabit hilft“. „Mittlerweile glaubt man nichts und niemandem mehr.“ Ein anderer Nutzer schrieb: „Lügengeschichte! aufgesogen von der Lügenpresse.“

Man müsse mit solchen Meldungen „so vorsichtig sein wie noch nie“, sagte auch der Sprecher der Berliner Feuerwehr, Sven Gerling, am Nachmittag zu FAZ.NET. Der Fall der angeblichen Vergewaltigung des russischen Mädchens habe doch gezeigt, was vage Gerüchte anrichten können. „Wenn sich herausstellen sollte, dass man auf dem Rücken der Flüchtlinge PR machen wollte, dann wäre das schrecklich. Damit machen sich die Helfer doch völlig unglaubwürdig.“

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