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Flüchtlinge aus Tschetschenien : Verroht und hoch aggressiv

Ferne Heimat: Schriftzug an einer Wand im Flüchtlingslager Eisenhüttenstadt Bild: ZB

Tausende Familien kommen aus Tschetschenien nach Deutschland. Sie wollen eine sichere Zukunft für ihre Kinder. Doch mit den Flüchtlingen kommt die Gewalt. Denn manche schließen sich der salafistischen Szene an.

          Der Glaube und die Kinder, das sei das Wichtigste, sagt Aslan. Wegen seiner drei Jungen sei er nach Deutschland gekommen, die sollten einmal normal aufwachsen. Aslan ist Mitte dreißig und schon ziemlich ergraut. Seine Geschichte, die er beim Tee in Andeutungen erzählt, klingt wirr. Monatelang habe er sich verstecken müssen vor den Leuten, die ihn in Tschetschenien zum Sklaven machen wollten. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion sei er mit Frau und Kindern nach Deutschland geflohen. Und ja, er habe Helfer gehabt und bezahlt. Dass er ein T-Shirt trage, das in großen Lettern den Sieg des Islam verkünde, habe nichts zu sagen. Eines ist für Aslan klar: Nach Tschetschenien will er nicht zurück.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das verbindet ihn mit den anderen knapp 400 Tschetschenen, die im Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt leben. Sie hoffen auf politisches Asyl. Zwei Drittel der Flüchtlinge hier sind Tschetschenen: vor allem junge Ehepaare mit Kindern, meist drei oder vier, manchmal auch acht. Über Weißrussland und Polen sind sie aus der russischen Kaukasusrepublik nach Deutschland gereist, ins Land ihrer Hoffnungen. Und es werden immer mehr. In Eisenhüttenstadt wurden im Jahr 2010 weniger als hundert Tschetschenen aufgenommen. 2012 kamen 385. In den ersten acht Monaten dieses Jahres waren es 1065. Vor fünf Jahren stand das Flüchtlingslager wegen niedriger Belegung kurz vor der Schließung, jetzt platzt es aus allen Nähten. Vier Containeranlagen wurden aufgestellt, um der drohenden Überfüllung durch die Tschetschenen Herr zu werden.

          Deutlicher Anstieg von Asylbewerbern

          Betroffen vom tschetschenischen Exodus ist ganz Deutschland. Fast 12700 Flüchtlinge aus der Russischen Föderation sind von Januar bis Ende August dieses Jahres angekommen. Putins Reich liegt damit auf Platz eins, wenn es um Asylbewerber in Deutschland geht. Mehr als 90 Prozent von ihnen kommen aus Tschetschenien und dem Nordkaukasus. Im Vorjahr waren es noch gut 3000 gewesen.

          Warum machen sich gerade jetzt so viele Tschetschenen nach Deutschland auf? Eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Gerüchte von Begrüßungsgeldern von mehreren tausend Euro kursierten in Tschetschenien, heißt es. Oder von einem Stück Land, das jede Familie erhalte. Die Rede ist auch von gut organisierten Schleuserbanden, deren Köpfe in Warschau säßen und die 5000, 10000 oder 15000 Euro für den Trip nach Deutschland nähmen. Doch tschetschenische Familien in Eisenhüttenstadt erzählen, sie hätten die Reise für viel weniger Geld gemacht. Einige sagen, sie seien mit dem Zug gekommen. Von Grosnyj, der tschetschenischen Hauptstadt, fahren regelmäßig Busse, etwa nach Bonn oder Aachen. Der Aufwand, nach Deutschland zu kommen, scheint aus tschetschenischer Sicht nicht allzu hoch zu sein.

          In Polen geben die Reisenden ihren Personalausweis ab und hinterlassen einen Fingerabdruck. Damit haben sie einen Asylantrag gestellt. Die meisten fahren weiter nach Deutschland. Polen zahlt weniger als die Bundesrepublik. Hier stehen Asylbewerbern Zahlungen zu, die sich an die Hartz-IV-Sätze anlehnen. Das hat das Bundesverfassungsgericht im Juli 2012 so entschieden. Zwar wird etwa in Eisenhüttenstadt nur ein Teil als Taschengeld ausgezahlt. Aber auch das macht bei einer fünfköpfigen Familie schnell 500 Euro im Monat aus.

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