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Fiskalklippe Ein verlorenes Jahr

 ·  Bis zuletzt verhandeln Präsident Obama und die Führer der zerstrittenen Parteien im Kongress, um die „Fiskalklippe“ noch zu umschiffen. Doch es spielt schon keine Rolle mehr, ob es bis Silvester zu einer Einigung kommt oder nicht.

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Wer über eine Klippe geht, kommt vielleicht mit dem Leben davon, erleidet aber schwere Verletzungen. Seit Monaten geht in Amerika und anderswo die Angst davor um, die größte Volkswirtschaft der Welt könnte zum Jahreswechsel die „fiskalische Klippe“ hinabstürzen. Welche Blessuren würde das der wirtschaftlichen Entwicklung in den Vereinigten Staaten, in Europa und in Asien zufügen? Drohte gar eine neue Rezession?

Bis zuletzt verhandelten Präsident Obama und die Führer der zerstrittenen Parteien im Kongress, um die vom 2. Januar an drohenden Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen noch abzuwenden. Doch es spielt schon keine Rolle mehr, ob es bis Silvester zu einer Einigung kommt. Erstens ist die Rede vom Klippensturz sowieso übertrieben: Die über zehn Jahre gestreckten Etatkürzungen und Steueranhebungen im Umfang von 1,2 Billionen Dollar würden 2013 weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes ausmachen. Es käme zwar zu einer Abflachung des Wachstums, aber nicht zu einer Bruchlandung der Konjunktur.

Verluste längst antizipiert

Zweitens ist der Schaden längst angerichtet, weil Märkte und Verbraucher das mögliche Ausbleiben einer Einigung antizipiert haben: Die Aktienkurse sinken, die amerikanischen Konsumenten haben das eben zurückgewonnene Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung schon wieder verloren. Im Weihnachtsgeschäft gaben sie gerade einmal so viel aus wie im Krisenjahr 2008.

Es ist das angemessene Ende für ein Jahr, das Amerika als verlorenes abhaken muss. Obama glückte nach dem teuersten und hässlichsten Wahlkampf der Geschichte die Wiederwahl, doch im Kongress bleibt es bei Zank und Patt zwischen Demokraten und Republikanern. Das Land brauchte nichts dringlicher als eine Führung, die zu Kompromissen fähig ist, statt sich im weltanschaulichen Grabenkampf und in der permanenten Wahlkampagne zu erschöpfen.

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29.12.2012, 19:20 Uhr

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Von Berthold Kohler

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