31.07.2006 · Obwohl Israel eine Unterbrechung der Luftangriffe für 48 Stunden angekündigt hat, sind die Kämpfe im Libanon weitergegangen. Nördlich von Tyrus wurde ein Fahrzeug angegriffen, in dem ein Hizbullah-Führer vermutet wurde. Im Südlibanon flohen unterdessen Tausende aus ihren Häusern in Kampfgebieten in Richtung des sichereren Norden.
Obwohl Israel am frühen Montag morgen seine Luftangriffe im Libanon für 48 Stunden weitgehend aussetzte, sind die Kämpfe dort weitergegangen. Die israelische Luftwaffe griff am Montag nach eigenen Angaben nördlich von Tyrus ein Fahrzeug an, in dem sie einen Hizbullah-Führer vermutete. Dabei wurden mehrere libanesische Soldaten verletzt und nach unbestätigten Medienberichten einer von ihnen getötet. Israel gab bekannt, der vermutete Milizenführer sei nicht in dem Wagen gewesen.
In Nordisrael schlugen wieder Katjuscha-Raketen ein, wenn auch deutlich weniger als am Tag zuvor. Der israelische Verteidigungsminister Peretz stellte klar, daß die Offensive nicht vorüber sei und die Unterbrechung der Luftangriffe eine rein „humanitäre Geste“ darstelle. Die Streitkräfte würden ihre Angriffe auf die Hizbullah noch verstärken, kündigte er im Parlament an. Israel habe dem Raketenarsenal der Hizbullah zwar entscheidenden Schaden zugefügt, dennoch stellten die Raketen weiterhin eine ernste Bedrohung dar. „Wir kämpfen um unsere Heimat“, sagte Peretz. Ein arabischer Abgeordneter beschimpfte Peretz wegen des Angriffs auf Kana als „Kindermörder“.
Konvois mit Hilfsgütern
Im Südlibanon nutzten Tausende die 24 Stunden, die die israelischen Streitkräfte den Einwohnern gegeben hatten, um ihre Häuser in Kampfgebieten verlassen zu können und in den sichereren Norden zu gelangen. Mehrere Konvois mit Hilfsgütern machten sich nach Tyrus, Kana und andere Orte im Süden auf. In Kana hatte die israelische Luftwaffe am Sonntag ein Gebäude beschossen, bei dessen Einsturz 56 Menschen - darunter 37 Kinder - umgekommen waren. Auf Dringen der amerikanischen Außenministein Rice hatte sich die israelische Regierung in der Nacht zu einer 48 Stunden dauernden Unterbrechung der Luftangriffe entschlossen, um den Vorfall zu untersuchen und den Menschen in den ersten 24 Stunden eine sichere Ausreise aus den Kampfgebieten im Süden zu ermöglichen. Rice kehrte unterdessen nach Amerika zurück, wo sie sich um eine UN-Resolution bemühen will, die die Kämpfe im Südlibanon beenden helfen soll. Diplomaten halten eine Einigung bis Freitag für möglich. Der UN-Sicherheitsrat äußerte sich „extrem schockiert und erschüttert“ über den israelischen Angriff in Kana und rief zu einem Ende der Gewalt auf.
Die israelischen Streitkräfte gehen vor allem im Grenzgebiet weiter gegen Ziele vor, die eine militärische Gefahr für Israel darstellen. Dazu gehörten Raketenwerfer, Waffentransporte und Hizbullah-Kämpfer. Gleichzeitig bemühen sie sich darum, in einem ein bis zwei Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze alle Hizbullah-Stellungen zu zerstören. Der Hizbullah-Abgeordnete Hassan Fadllalah warf unterdessen Außenministerin Rice vor, einen „diplomatischen Krieg“ zu führen. Sie könnte einen Waffenstillstand sofort herbeiführen, gebe statt dessen aber der israelischen Armee eine zweite Chance, als sei „ihr die Ermordung der Kinder in Kana noch nicht genug“. Wenn Israel seine Angriffe auf den Libanon beende, könnte auch die Hizbullah ihre Kämpfe einstellen, sagte er.
Auch der libanesische Außenminister Salloukh äußerte sich unzufrieden über Rice. Als erster Schritt müßten die Kampfhandlungen umgehend aufhören. Danach könne über alles weitere verhandelt werden. Rice gebe jedoch dem israelischen Ministerpräsidenten Olmert Zeit, um noch mehr libanesische Zivilisten zu töten, beklagte er sich nach Agenturberichten. Der ägyptische Präsident Mubarak sagte, der Sicherheitsrat habe angesichts des Konflikts zwischen der Hizbullah und Israel ein weiteres Mal seine Ohnmacht bewiesen. Er verlangte eine sofortige Waffenruhe und eine internationale Untersuchung des Vorfalls in Kana.
Gegen die Raketenangriffe auf Israel sagt keiner etwas
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 31.07.2006, 21:37 Uhr
Feuerpause im Nahen Osten
Scott Weiss (scott.weiss)
- 31.07.2006, 23:44 Uhr
Natürlich müssen sie aufhören,
Christoph Isenmann (deguomusilin)
- 01.08.2006, 08:41 Uhr