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Fernseh-Dreikampf Der dritte Mann

15.09.2009 ·  Opposition ist Mist? Ach was. Im „TV-Dreikampf“ machten Liberale, Grüne und Linke gestern vor, wie man politische Profile präsentiert, ohne sich anzubiedern. Eine Frühkritik von Matthias Hannemann.

Von Matthias Hannemann
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Keine vierundzwanzig Stunden war es her, seit Jürgen Trittin und Guido Westerwelle in einem Fernsehstudio saßen, um sich als die eigentlichen Kanzlermacher dieses Herbstes zu empfehlen: beide betont aufrecht, beide betont freundlich, beide im Star-Schnitt und wohlfrisiert.

Doch so schnell kann es gehen. Gestern abend bereits befanden sich die beiden Herren gemeinsam mit Oskar Lafontaine in einer Art Keller wieder, in der abgedunkelten Halle eines alten E-Werks, in der sich jedes Wort auf Nimmerwiederhören verlor, so als habe die ARD diesen „TV-Dreikampf“ der Oppositionsparteien allenfalls klammheimlich und ohne Heizung inszenieren dürfen.

Trittin: „Wir müssen uns ja abheben vom Gespräch gestern“

Allein im Keller mit Jörg Schönenborn und Sigmund Gottlieb! Das hätte, wenn man ehrlich ist, auch unangenehm werden können, vor allem für den Zuschauer. Wurde es aber schon deshalb nicht, weil alle Gäste des vermeintlichen Zweitligaduells genug Zeit erhielten, ihre Positionen sauber, sachlich und ohne größere Ausfälle voneinander abzugrenzen. Mehr noch, Westerwelle durfte die marktentscheidenden Unterschiede zwischen Liberalen und Sozialisten erklären, ohne dass Lafontaine wesentlich widersprochen hätte.

Lafontaine erklärte die steuervermehrenden Gemeinsamkeiten zwischen Grünen und Linken, ohne dass Trittin wesentlich widersprochen hätte. Und auch Trittin war so sehr an einer umweltverträglichen Erläuterung aller drei Positionen gelegen, dass man den gelernten Poltergeist fast für einen Volontär der Bundeszentrale für politische Bildung halten konnte: „Wir müssen uns ja abheben vom Gespräch gestern.“

So hob man sich mit Sachlichkeit vom überbelichteten „Kanzlerduell“ ab, keine Frage. Das galt auch für die Moderatoren: Wach und aufmerksam waren die beiden Chefredakteure von WDR und Bayrischem Rundfunk, aufdringlich nur in der wiederholten Frage nach Finanzierungsmodellen für die propagierten Vorhaben, flexibel im Vorgehen und vergleichsweise geduldig, was die erhaltenen Antworten betraf - ob die Erklärungsversuche mit Blick auf die Einnahmen nun auf Wachstum durch Entlastung des Mittelstandes und Eindämmung der Schwarzarbeit, auf eine Umwidmung des Solidaritätsbeitrages oder eine Reichensteuer hinausliefen.

Wache und aufmerksame Moderatoren

Die Fronten jedenfalls, das unterschied die Sendung vom unglücklichen „Kanzlerduell“, waren nach diesem „TV-Dreikampf“ im „Wer-wird-Millionär“-Look ebensogut erkennbar wie die unterschiedlichsten Gesellschaftsbilder, die sie antreiben - und zwar auch dann, wenn sich alle drei Gäste in der Sache einig schienen wie in der Ablehnung von Gesundheitsfonds und Rente mit 67, in der Forderung nach mehr „Schonvermögen“ für Hartz-IV-Empfänger, nach mehr Kontrolle im Finanzsektor oder überfälligen Investitionen in Bildung und Familien.

Und die Macht? Wo stehen in Zeiten sozialdemokratischer Unwägbarkeiten die Grünen, von denen Sigmund Gottlieb meinte, sie seien in einigen Punkten der Linken doch sehr nah? „Wir sind vor allem ein Stück weg von der FDP“, antwortete Trittin. Den „Steigbügelhalter“ für Schwarz-Gelb, diesen „Anschlag auf den Klimaschutz“, werde man nicht spielen, und für Schwarz-Grün allein reiche es rechnerisch wohl kaum.

Wo steht die Linke? Man würde sich ja durchaus beteiligen, wenn andere dies nur wollten und wesentliche Forderungen Berücksichtigung fänden, sagte Lafontaine, wenn auch nur kleinlaut. Und wo steht die FDP? „Wenn ich in einer Ampel hätte regieren wollen, hätte ich längst gekonnt“, sagte Westerwelle. Er kämpfe die Ablösung der Großen Koalition, verlässlich für Schwarz-Gelb, für die Verhinderung der Linkspartei, für den Mittelstand. „Vielleicht“, sagte er aber auch zu Trittin, „sind wir viel vernünftiger, als Sie gelegentlich meinen.“

Na also. Geht doch.

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