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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

FDP-Parteitag Guido hat euch lieb

 ·  Sage noch einer, der FDP-Vorsitzende könne nur Dur, aber kein Moll, will sagen: Mit Steuern und Wirtschaft kenne er sich aus, für soziale Fragen aber habe er nur wenig übrig. Auf dem Parteitag in München jedenfalls zeigte Westerwelle, dass er auch anders kann.

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Sage noch einer, der FDP-Vorsitzende Westerwelle könne nur Dur, aber kein Moll, will sagen: Mit Steuern und Wirtschaft kenne er sich aus, für soziale Fragen aber habe er nur wenig übrig.

Aber vielleicht kann man das ja doch lernen: Herz haben. Oder zumindest in sich entdecken. Auf dem Parteitag in München jedenfalls zeigte Westerwelle, dass er auch anders kann – und bot so seinen innerparteilichen Kritikern Paroli. Die Delegierten nahmen es dankbar auf. Nach dem Motto: Steuersenkungspartei? Wir können mehr!

So strahlte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger stolz, weil Westerwelle leidenschaftlich auch für die Bürgerrechte warb und damit ihr ewiges Lied anstimmte. Nicht der Staat gewähre den Bürgern Freiheit, sondern umgekehrt: Die Bürger gewährten dem Staat Einschränkungen ihrer Freiheit, rief der FDP-Chef und geißelte Telefonüberwachungen, Eingriffe in das Bankgeheimnis und Vorratsdatenspeicherung.

Freiheit jenseits der CDU

Und auch der ehrgeizige junge Niedersachse Philipp Rösler muss zufrieden sein: Westerwelle nahm sogar das Wort „Nächstenliebe“ in den Mund. Könne man nicht für soziale Gerechtigkeit sein, ohne gleichzeitig nach dem Staat zu rufen?

Es war, als ob Westerwelle Röslers Streitschrift auf dem Nachttisch liegen hätte, die da heißt: „Was uns fehlt“. So war es auch bei dem Thema Bildung, für das sich der Berliner Markus Löning eingesetzt hatte: Die soziale Herkunft dürfe nicht darüber entscheiden, welche Bildungschancen ein junger Mensch in Deutschland habe, meinte Westerwelle und zeigte, dass man Gerechtigkeit auch so definieren kann.

Zugegeben: Guido-Guido-Rufe waren nach seiner Rede nicht zu hören. Doch ist die FDP auf gutem Weg, das Altbackene genauso hinter sich zu lassen wie das Alberne. Und die Freiheit jenseits der CDU zu genießen.

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