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Familienpolitik Reiche gegen Gleichstellung der „Homo-Ehe“

16.07.2002 ·  Vor einer Woche wollte Stoibers Familienexpertin Reiche mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Partner, jetzt hält sie die „Homo-Ehe“ für verfassungswidrig.

Von Peter Schumacher
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Einen Tag vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur „Homo-Ehe“ hat sich die Familienexpertin im Wahlkampfteam der Union, Katherina Reiche (CDU), klar gegen eine Gleichstellung dieser Partnerschaften mit der Ehe ausgesprochen. Das Gesetz von Rot-Grün gehe „weit über das hinaus, was ich bereit wäre zu regeln“, sagte Reiche. Es komme einer „de-facto-Gleichstellung mit der Ehe gleich“.

Reiche unterstützte ausdrücklich die Klage der Unionsländer Bayern, Sachsen und Thüringen. Das Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft stelle eine Angriff auf Ehe und Familie dar. Ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partner schloss die Familienexpertin aus.

Zweifel an Reiches Kompetenz

Reiche hatte noch in der vergangenen Woche in der Sendung „Christiansen“ den Eindruck erweckt, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mehr Rechte zubilligen zu wollen. „Wo es Ungerechtigkeiten gibt, da sollten wir diese beseitigen“, forderte sie und nannte als Beispiele das Zeugnisverweigerungsrecht, das Besuchsrecht und die Mietsnachfolge im Todesfall. Alles Bereiche, die bereits geregelt sind. „Mit der fachlichen Kompetenz von Reiche scheint es nicht weit her zu sein“, kritisierte der Grünen-Rechtspolitiker Volker Beck.

Auch die jüngsten Äußerungen Reiches stießen auf Becks Widerspruch: „Sie betet brav die Untergang-des-Abendlands-Litanei der Parteiführung nach.“ Reiche bleibe aber die Antwort auf die Frage schuldig, warum die „Homo-Ehe“ einen Angriff auf Ehe und Familie darstelle.

„Hätten uns mehr Rückgrat erwartet“

Kritik kam auch von der Interessengemeinschaft der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), die die Berufung Reiches ins Wahlkampfteam zunächst begrüßt hatte. „Wir hätten uns von ihr mehr Rückgrat erwartet“, sagte LSU-Sprecher Oliver Nölken. Er könne sich den Sinneswandel nur damit erklären, dass Reiche den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner „beeindrucken“ wolle. Meisner hatte der Union nahe gelegt, wegen der Berufung der unverheirateten Mutter ins Wahlkampfteam das „C“ aus dem Parteinamen zu streichen.

Reiche kündigte am Dienstag an, im kommenden Jahr mit ihrem Lebensgefährten vor den Traualtar treten zu wollen. „Wir hatten uns ohnehin vorgenommen, im nächsten Jahr zu heiraten und werden dies vermutlich auch tun“, sagte die CDU-Abgeordnete.

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