18.07.2009 · Dass sich die Familien „neu erfinden“ müssten, um Verantwortung für andere zu übernehmen, ist nicht der Fall. Jedes Paar, das eine Familie gründet, ist schon eine neue Erfindung. Innovationsbedarf herrscht eher in der Politik.
Von Stefan DietrichGanz oben auf der Wunschliste junger Erwachsener rangieren nicht materielle Ziele, sondern eine gute Partnerschaft und ein glückliches Familienleben. Diese Erkenntnis ließ sich in vielen Befragungen erhärten. Die Familienpolitik tut aber so, als wäre jungen Müttern und Vätern nichts wichtiger, als sich nach der Familiengründung so bald wie möglich wieder ganz der Erwerbstätigkeit zuwenden zu können. In Wirklichkeit hat vor allem die Wirtschaft ein Interesse daran, dass Arbeitsabläufe nicht durch familiäre Pflichten gestört werden. Um die soll sich bitte der Staat kümmern.
Demgegenüber weisen die Autoren der jüngsten Familienstudie, finanziert von der Robert Bosch Stiftung, darauf hin, dass es Formen des Kümmerns gibt, die nur „in kleinen Lebenskreisen“ erbracht werden können: dort, wo Menschen bereit sind, Bindungen einzugehen und Verantwortung für andere zu übernehmen. Dass sich die Familien dafür „neu erfinden“ müssten, ist aber nicht der Fall. Jedes Paar, das eine Familie gründet, ist schon eine neue Erfindung. Innovationsbedarf herrscht eher in der Politik.