28.12.2008 · Es schien alles zusammenzupassen - wie ein Puzzlebild, dem nur noch der Schlussstein fehlte. Ein Polizeipräsident wird niedergestochen, die Indizien deuten auf eine rechtsextremistische Tat hin. Zwei Wochen später aber passt so gut wie nichts mehr zusammen.
Von Stefan DietrichEs schien alles zusammenzupassen – wie ein Puzzlebild, dem nur noch der Schlussstein fehlte: Ein Polizeipräsident, der sich dem entschiedenen Kampf gegen rechtsextremistische Umtriebe verschrieben hatte, niedergestochen von einem Täter, der sich als Angehöriger ebenjenes Milieus ausgab und dabei Wendungen benutzte, die noch kurz zuvor auch auf einer Internetseite der NPD gestanden hatten.
Sogar das Motiv – Rache für eine vom Opfer selbst geleitete Polizeiaktion auf dem örtlichen Friedhof, die bei Neonazis einen Wutschrei hervorgerufen hatte – lag offen zutage. Bei so vielen Indizien, die auf eine rechtsextremistische Gewalttat hindeuteten, schienen auch die Schlüsse nicht verfrüht, die daraus gezogen wurden: Jetzt habe die rechtsextremistische Gewaltbereitschaft eine Dimension erreicht, die einen neuen Anlauf zu einem NPD-Verbot rechtfertige.
Nichts passt mehr zusammen
Zwei Wochen nach der ungeheuerlichen Tat aber passt so gut wie nichts mehr zusammen: Die Täterbeschreibung, die so markant war, dass sie auch unter vielen tausend Verdächtigen zu einer Identifizierung hätte führen müssen, ergab keinen Treffer bei den wenigen hundert einschlägig bekannten „Rechtsautonomen“. Der Verfassungsschutz, der die Szene angeblich mit V-Leuten durchsetzt hat, tappt im Dunkeln.
Die Angaben über den oder die gesuchten Täter wurden unterdessen immer diffuser. Selbst über die Tatzeit kursieren mittlerweile unterschiedliche Versionen. Fünfzig Ermittler haben bisher kein einziges greifbares Ergebnis vorzuweisen. Die (ausgerechnet) von der Linkspartei veröffentlichten Zahlen über den Anstieg rechtsextremistischer Straftaten sind kein Ersatz dafür.
Die Ermittler stehen unter enormem Druck: Die Öffentlichkeit erwartet von ihnen nicht nur schnelle Aufklärung, sondern auch die Präsentation eines Täters mit einem ganz bestimmten Profil. Aus dem Fall Sebnitz und dem des Anschlags auf eine Düsseldorfer Synagoge sollte die Polizei aber gelernt haben, dass Medien nicht die besten Ratgeber sind. Auch wenn die Indizien so eindeutige Spuren zu legen scheinen, wie in Passau, muss professionelle Aufklärungsarbeit „in alle Richtungen“ gehen. Wie es aussieht, war das in Passau bisher nicht der Fall. Den Nutzen davon haben rechtsextremistische Wirrköpfe, die sich nun umso frecher als verfolgte Unschuld gebärden.