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Fall Ermyas Mulugeta Rassismus vergeblich gesucht

 ·  Im Frühjahr 2006 wurde der dunkelhäutige Ermyas Mulugeta in Potsdam niedergeschlagen. Mit ihren kurzen Haaren passten die beiden Verdächtigen ins Bild. Wenn an diesem Freitag das Urteil gesprochen wird, spielt der Rassismus-Vorwurf keine Rolle mehr.

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Vor 14 Monaten erschien der Fall so simpel: Das Opfer der Gewalttat am frühen Ostersonntag 2006 in Potsdam hieß Ermyas Mulugeta, stammte aus Äthiopien, war Deutscher, guter Familienvater, beliebter Nachbar und Wissenschaftler. Als Täter verhaftete die Polizei nur vier Tage nach dem schlagzeilenträchtigen Verbrechen, nachdem Generalbundesanwalt Nehm die Ermittlungen an sich gezogen hatte, zwei junge Männer aus Potsdam und Umgebung.

Björn L. und Thomas M. passten ins Bild: Sie trugen kurze Haare, wie Rechtsextreme. Versuchten Mord warf die Bundesanwaltschaft ihnen anfangs vor. Das Motiv: Fremdenhass. In einem kurzen Streitgespräch, das Sekunden vor der Tat über das Handy des Opfers auf einer Mailbox zufällig aufgezeichnet worden war, war zu hören, wie eine Person mit einer ungewöhnlich hellen Stimme den dunkelhäutigen Wasserbauingenieur Mulugeta als „Scheißnigger“ beschimpfte. Angeklagt wurden L. und M. später von der Staatsanwaltschaft Potsdam wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Vorwurf einer rassistischen Tat wurde völlig fallengelassen.

Frei sein - aber gefangen in der Furcht

Nun, nach einem langwierigen Indizienprozess, der nach vier Monaten am Freitag vor dem Landgericht Potsdam voraussichtlich mit zwei Freisprüchen endet, gibt es offenkundig nur Verlierer. Ermyas Mulugeta, der sich an die Gewalttat nicht erinnern kann, wird wahrscheinlich nie erfahren, wer ihn mit einem Fausthieb fast tötete. Die Angeklagten L. und M., die ihre Unschuld stets beteuerten, werden wohl zwar frei sein, aber gefangen bleiben in ihrer Furcht, die Öffentlichkeit könne sie als Täter betrachten, die nur auf Grund einer komplizierten Indizienlage nicht überführt werden konnten.

So sehen es nach wie vor die Potsdamer Staatsanwälte, auch wenn sie in ihrem Plädoyer am Mittwoch Freisprüche für den 30 Jahre alten Gebäudereiniger L. und den 32 Jahre alten Behindertentransportfahrer M. beantragt haben. Zumindest Björn L. habe mit der Tat zu tun. Es habe schon seit der Aufnahme des Ermittlungsverfahrens zahlreiche belastende Indizien gegeben, betonte Staatsanwältin Juliane Heil im Plädoyer.

Letzte Zweifel, auf die sich der beantragte Freispruch schließlich gründete, seien jedoch nicht auszuräumen gewesen. Die Indizienkette sei durch schwankende Zeugen und letztlich begrenzte Gutachtenergebnisse „aufgeweicht“ worden. „Es lagen erhebliche belastende Umstände vor, die in ihrem Kern fortbestehen.“

Aufschrei der Empörung

Für die Verteidiger, die Potsdamer Rechtsanwälte Matthias Schöneburg, Karsten Beckmann und Sven-Oliver Milke, steht hingegen fest, dass ihre Mandanten von Anfang an ein „nicht faires“ Ermittlungsverfahren erdulden mussten. Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft, bei der sich Deutschland als weltoffenes Gastland präsentieren wollte, sei an ihren Mandanten ein Exempel zur Abschreckung statuiert worden. Deshalb, so der Vorwurf, habe zunächst die Bundesanwaltschaft und anschließend die Staatsanwaltschaft Potsdam, die das Verfahren später aus Karlsruhe übernehmen musste, entlastende Indizien vernachlässigt und sich gezielt auf belastende Hinweise konzentriert.

Ein Aufschrei der Empörung ging am 17. April 2006 durch Brandenburg, Deutschland und auch weit darüber hinaus. Herr Mulugeta sei das Opfer eines Gewaltexzesses geworden, wie er typisch sei für rechtsextreme Schläger. Der 37 Jahre alte Wissenschaftler sei kurz vor vier Uhr an einer Haltestelle geschlagen und auch dann noch getreten worden, als er schon regungslos am Boden lag.

Zeugen berichteten zudem von zwei jungen Männern in Bomberjacken. Zweifel an einer fremdenfeindlichen Gewalttat kamen nicht auf. Da es sich um eine Tat handele, die die Sicherheit der Bundesrepublik gefährden könne, zog tags darauf Generalbundesanwalt Kay Nehm die Ermittlungen nach Karlsruhe.

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