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Fahndung Tschalabi: „Saddam ist im Irak“

21.04.2003 ·  Während der ehemalige Diktator mit seinen Söhnen angeblich auf der Flucht ist und seinen Jägern immer wieder entkommt, sind zwei weitere nachrangige Saddam-Helfer in Gewahrsam genommen worden.

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Der entmachtete irakische Präsident Saddam Hussein und seine Söhne Qusai und Udai sind angeblich am Leben und sollen nach Angaben des irakischen Oppositionsführers Ahmad Tschalabi im Irak auf der Flucht sein.

„Ja, er ist im Irak“, sagte der Vorsitzende des Irakischen Nationalkongresses (INC) am Montag in einem Radiointerview mit dem britischen Sender BBC. „Wir können Saddam nicht genau lokalisieren“, räumte er ein. Er wechsele mit seinen Söhnen ständig den Aufenthaltsort.

Der INC bekomme von Zeit zu Zeit Informationen über die Positionen der drei Gesuchten, jedoch erst 12 bis 24 Stunden, nachdem der ehemalige Machthaber und seine Söhne weitergeflohen seien, sagte Tschalabi, der nach Jahren im Exil vergangene Woche nach Bagdad zurückgekehrt ist. „Wir arbeiten daran, mehr Informationen über seinen Verbleib zu bekommen“, sagte er weiter. Saddams Sohn Qusai sei in der Nacht zum Sonntag in Habanija rund 70 Kilometer westlich von Bagdad gesehen worden.

Aufbau eines Rechtsstaats

In dem in der irakischen Hauptstadt aufgenommenen BBC-Interview betonte Tschalabi, dass er sich nicht um eine politische Führungsaufgabe im Irak bewerben wolle. „Ich will einen bürgerlichen Rechtsstaat aufbauen. Ich will nicht für eine politisches Amt kandidieren“, sagte Tschalabi weiter. Angeblich soll er jedoch für eine politische Führungsaufgabe vorgesehen sein.

Die Iraker fühlten sich trotz der alliierten Truppen im Land nicht als erobert. Die Vereinten Nationen könnten nicht mit einer wichtigen Rolle im Irak rechnen. Weiter kritisierte er UN-Generalsekretär Kofi Annan, der gesagt habe, Saddam Hussein sei ein Mann, mit dem man Geschäfte machen könne. Tschalabi steht im Irak unter Personenschutz. Er wird vom Pentagon unterstützt, nicht jedoch vom amerikanischen Außenministerium.

Ex-Minister festgenommen

Mit dem früheren Erziehungs- und Forschungsminister Homam Abd el Chalek Abd el Gafur haben die alliierten Streitkräfte das sechste gesuchte Mitglied der entmachteten irakischen Führung gefasst. Gafur sei am Samstag festgenommen worden, sagte ein Sprecher des amerikanischen Zentralkommandos am Sonntag in Katar.

Nach Angaben des irakischen Oppositionsdachverbandes Irakischer Nationalkongress (INC) stellte sich ein Schwiegersohn von Saddam Hussein, Dschamal Mustafa Abdullah Sultan. Er werde den Alliierten in Irak übergeben. In Bagdad traf die erste größere internationale Hilfslieferung mit Lebensmitteln ein.

Gafur ist der sechste von den Alliierten Gefasste, der auf der Liste der 55 meistgesuchten Iraker steht. Er ist dort an vorletzter Stelle aufgelistet. Nähere Umstände seiner Festnahme wurden zunächst nicht benannt.

Schwiegersohn ergab sich

Der Schwiegersohn des entmachteten irakischen Staatschefs, Abdullah Sultan, sei vom INC in Syrien überzeugt worden, sich zu ergeben, sagte INC-Mitglied Sadek el Mussaui dem arabischen Fernsehsender Al Dschazira. Ein anderer INC-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP in Dubai, Abdullah Sultan werde erst in der Nacht oder am Montag den Alliierten übergeben. Er befinde sich noch im Gewahrsam des INC in Bagdad. Zuvor hatte INC-Chef Ahmed Tschalabi im Sender Fox News gesagt, Abdullah Sultan sei festgenommen worden.

Ein Sprecher des amerikanischen Zentralkommandos sagte in der Nacht zum Montag, die Alliierten hätten Abdullah Sultan noch nicht in ihren Händen und würden die Angaben des INC prüfen. Der Vize-Direktor des Amtes für Stammesangelegenheiten steht auf der Liste der meistgesuchten Iraker an 40. Stelle. Laut INC stellte sich auch ein hochrangiger irakischer Offizier der Speziellen Republikanischen Garde, der nicht auf der Liste der Meistgesuchten steht. Auch er werde den Alliierten übergeben.

Zwei tote britische Soldaten entdeckt

Die Leichen zweier britischen Soldaten sind in einem provisorischen Grab in der Nähe der südirakischen Stadt Basra entdeckt worden. Wie eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in London am Montag sagte, handelt es sich um den 24-jährigen Luke Allsopp und den 36 Jahre alten Simon Cullingworth. „Die Todesursache ist noch nicht bekannt, aber die Untersuchungen dauern an und eine Hinrichtung ist eine Möglichkeit“, sagte die Sprecherin.

Die beiden Soldaten waren nach einem irakischen Angriff am 23. März zunächst vermisst worden. Später hatte der Fernsehsender Al Dschazira die Leichen der Soldaten in der Nähe ihres umgestürzten Geländewagens gezeigt. Der britische Premierminister Tony Blair hatte dem arabischen Sender deshalb besondere Grausamkeit vorgeworfen.

Für Irritationen hatte Blairs Äußerung gesorgt, die Soldaten seien von den Irakern hingerichtet worden. Dagegen hatte die Armee den Angehörigen mitgeteilt, dass die Soldaten im Kampf getötet wurden. „Es macht für uns einen großen Unterschied zu wissen, dass er schnell starb“, hatte Allsopps Schwester Nina einer Zeitung gesagt und die britische Regierung der Lüge bezichtigt.

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