28.11.2006 · Glaubensüberzeugungen könnten es nicht rechtfertigen, Menschenrechte in Frage zu stellen, meint die Evangelische Kirche in Deutschland. Im Text „Klarheit und gute Nachbarschaft“ übt sie deshalb scharfe Kritik am Islam.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in einem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Text mit dem Titel „Klarheit und gute Nachbarschaft“ die fundamentalen Unterschiede von Islam und Christentum hervorgehoben und scharfe Kritik an zentralen muslimischen Vorstellungen geübt.
Die EKD habe Respekt für den Glauben und die Überzeugungen von Muslimen. Doch könnten es Glaubensüberzeugungen nicht rechtfertigen, anderen den Respekt zu versagen, grundlegende Menschenrechte in Frage zu stellen und die Achtung der eigenen Überzeugung durch Einschüchterung, Drohung oder Gewaltanwendung einzufordern, sagte der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber.
EKD fordert Bekenntnis zum Gewaltverzicht
„Den gewaltfreien Charakter von geistigen Auseinandersetzungen halten wir vielmehr für unaufgebbar.“ Der Respekt vor dem Glauben anderer schließe ein, kritische Rückfragen zu stellen und auch selbst bereit zu sein, solchen Rückfragen nicht auszuweichen. Kritische Fragen seien keine Angriffe. Islamische Gruppierungen, die solche Selbstkorrekturen mit dem Argument zurückwiesen, dies verstoße gegen Glaubensgebote, müßten zur Änderung und Neuformulierung ihrer Grundsätze aufgefordert werden, heißt es in dem EKD-Text.
Ihre Uneinsichtigkeit ungerügt zu lassen entspreche weder den Grundrechten der Verfassung noch der christlichen Toleranz. Die gegenwärtige Debatte zeige, wie schwierig es für Muslime sei, sich kritisch mit den eigenen Traditionen zu Krieg und Frieden auseinanderzusetzen und die demokratische Rechtsordnung zu akzeptieren.
Es reiche nicht aus, den friedensfördernden Charakter der islamischen Religion hervorzuheben, wie dies einige Muslime täten. Es müsse deutlich gezeigt werden, daß Gewaltverzicht grundlegend zum islamischen Selbstverständnis gehöre. Die evangelische Kirche erwarte von den Muslimen in Deutschland, daß sie sich gemeinsam mit Christen in der ganzen Welt für den Frieden einsetzten.
„Mission gehört zum Wesen einer christlichen Kirche“
Christentum und Islam stehen nach Überzeugung der EKD in klarer Konkurrenz zueinander, weil beide ihren Glauben an Gott in der ganzen Welt verbreiten wollten. Die Mission gehöre zum Wesen einer christlichen Kirche, wie der „Ruf zum Islam“ untrennbar mit dem Selbstverständnis der muslimischen Gesellschaft verbunden sei.
Deshalb stellten sich beide Religionen auch wechselseitig in Frage, was keine gute Voraussetzung für den Dialog sei. Eine „konfliktfreie Zone der Gottesverehrung“ könne es nicht geben, wenn der Anspruch beider Religionen, Gottes Offenbarung zu bezeugen, ernstgenommen werde.
„Ihr Herz werden Christen jedoch schwerlich an einen Gott hängen können, wie ihn der Koran beschreibt und wie ihn Muslime verehren“, lautet ein richtungweisender Satz des EKD-Papiers. Nicht die ängstliche Abgrenzung sei gefragt und auch mehr als respektvolle Begegnung. Die christliche Botschaft von Gottes Rechtfertigung gelte auch für die in Deutschland lebenden Muslime. Diese Botschaft müsse in Form von Einladungen und Bitten verbreitet werden, unduldsamer Zwang sei der christlichen Mission fremd.
Ein anderes Gottesbild
Die EKD hebt in ihrem Papier, das sie als sachorientierten Beitrag zum Gespräch mit Muslimen versteht, deutlicher als in früheren Texten die Unterschiede von christlichem und muslimischem Glauben hervor. So führe die Feststellung des „Glaubens an den einen Gott“ nicht weit. Die evangelische Kirche könne sich bei ihrem Glauben an Gott in Christus nicht mit einer „ungefähren Übereinstimmung“ mit anderen Glaubensvorstellungen begnügen.
Auch wenn der Islam sich auf die Bibel berufe, gehe er von einem eigenen Glauben und Gottesbild aus. So lehnten Muslime die Heilsbedeutung von Jesu Tod und den Glauben an den dreieinigen Gott ausdrücklich ab. Ein gemeinsames Gebet von Christen und Muslimen im gleichen Wortlaut ist deshalb nach Überzeugung der EKD nach christlichem Verständnis nicht möglich. Bei gemeinsamen Veranstaltungen sei jegliches Mißverständnis, es finde ein gemeinsames Gebet statt, zu vermeiden.
Die EKD lehnt gleichfalls gemeinsame christlich-muslimische Amtshandlungen ab. Jedem Anschein einer Religionsvermischung müsse entgegengetreten werden. Ein Verkauf von Kirchen an muslimische Gemeinden und die damit verbundene Umwidmung einer Kirche in eine Moschee wird von der EKD ausgeschlossen, da dies zu Irritationen in der Öffentlichkeit führen könne. Die EKD erkennt allerdings das Recht der Muslime an, in Deutschland Moscheen zu errichten. Sie könnten Zeichen gelungener Integration sein.
Freiheit und Gleichberechtigung der Frau
Der Rat der EKD kritisierte scharf den Anspruch des Islams, Bestimmungen der Scharia, also der Gesamtheit der islamischen Lebensregeln, ebenso wie den Gesetzen des Koran eine Geltung als zwingendes staatliches Recht einzuräumen. Auch die fehlende Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte durch den Islam sei ein großes Problem. Der Islam betrachte den Menschen nicht wie das Christentum als Gottes Ebenbild, vielmehr weise er Frauen und Männern ungleiche Rechte zu. So gelte in Ländern mit muslimischer Mehrheit durchweg die Gehorsamspflicht von Frauen ihren Ehemännern, Vätern oder Brüdern gegenüber. Umgekehrt gebe es für den Mann an keiner Stelle die Pflicht zum Gehorsam gegenüber Frauen.
Viele Bestimmungen aus der Scharia wirken sich nach Ansicht der EKD auch in Deutschland aus, insbesondere bei der Geringschätzung der Frau. Von der Freiheit und Gleichberechtigung der Frau dürften keine Abstriche gemacht werden, auch nicht aus religiösen Gründen. Es sei dringend geboten, die islamischen Vorstellungen von Ehe- und Familienrecht in Deutschland intensiv zu beobachten.