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Nigel Farage : Der Gentleman unter den Populisten

  • -Aktualisiert am

Ukip-Chef Nigel Farage: Archetypische Gegenfigur des politischen Establishments Bild: REUTERS

Nigel Farage passt schlecht in das typische Bild des europäischen Rechtspopulisten. Sein Humor macht ihn zu einem Volkstribun, der keinen Hass ausstrahlt, sondern Lebensfreude. Die wenigsten Briten sehen die Ukip als Bedrohung.

          Der einzige Mensch, der sich derzeit Sorgen um Nigel Farage macht, ist seine deutsche Ehefrau. In einem seltenen Interview sagte Kirsten Farage, dass ihr Mann zu viel trinke und zu viel rauche. Dabei bekannte sie sich mit so viel Verständnis zum „Lifestyle“ ihres Mannes, dass wohl auch dies wieder zugunsten des neuen politischen Helden ausschlägt.

          Der Chef der Britischen Unabhängigkeitspartei Ukip befindet sich in einem Höhenflug. Seit Jahren vergrößert sich die Wählerschaft seiner Partei, aus den Europawahlen ging sie erstmals als stärkste Kraft hervor. Nun, im Alter von 50 Jahren, nimmt Farage Kurs auf Westminster, und die Stimmen, die an einem Einzug der Ukip zweifeln, werden leiser.

          Mindestens so bemerkenswert wie der Wahlsieg ist die Reaktion darauf. Im Gegensatz zu Frankreich, das sich geschockt über den Triumph des Front National zeigt, gehen die Briten beinahe entspannt mit ihrem Ergebnis um. Viele halten die Ukip für eine dumpfe Gesellschaft rechter Nostalgiker, aber die wenigsten betrachten sie als Bedrohung der Demokratie.

          Schnörkellose Sprache und breites Lachen

          Das hat viel mit Nigel Farage zu tun, der schlecht in das typische Bild des europäischen Rechtspopulisten passt. Wo Marine Le Pen oder Geert Wilders Schärfe entwickeln, setzt Farage Humor ein. Auch er spielt mit den Ressentiments der Bürger, aber er bremst sie, wo sie die Schwelle zum Rassismus überschreiten. Angriffe pariert er nie beleidigt, sondern munter und oft mit Selbstironie. So wurde er zum Gentleman unter den Populisten, zu einem fast liebenswerten Volkstribun, der keinen Hass ausstrahlt, sondern Optimismus und Lebensfreude.

          Seine schnörkellose Sprache und sein breites Lachen, das meistens mit einem Glas Bier in der Hand korrespondiert, haben ihn zur fast archetypischen Gegenfigur des politischen Establishments werden lassen. So erfolgreich inszeniert er sein Image, dass Premierminister Cameron am Montag der Kragen platzte. Farage sei überhaupt nicht der „normale Typ aus dem Pub“, blaffte er, sondern ein „vollendeter Politiker“, der sich „höchst taktisch“ verhalte.

          Das ist ohne Zweifel auch ein Teil der Wahrheit, doch Farages Anhänger sehen ihn lieber so, wie er sich selber sieht: als Do-It-Yourself-Mann, der seinen eigenen Weg geht und nichts auf die Meinung anderer gibt. Statt zu studieren verdiente Farage lieber Geld in der City, und nach dem Maastricht-Vertrag verließ er die Tories, um über die Gründung einer eigenen Partei den Kampf gegen Brüssel aufzunehmen.

          Seinem Widerstand, den er seit nunmehr 15 Jahren aus dem EU-Parlament heraus führt, wird selbst von überzeugten Integrationisten Unterhaltungswert beigemessen. Farages Angriff auf EU-Ratspräsident Van Rompuy ist zu einem Hit auf der Videoplattform „Youtube“ geworden. Die neue Konkurrenz, die ihm das europaweite Wahlergebnis nun in Brüssel zuführen wird, muss er schon deshalb nicht fürchten, weil er in einem Jahr im britischen Unterhaus sitzen will.

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