http://www.faz.net/-gpf-7paad

Brisanter dänischer Europawahlspot : Mit Sex und Gewalt gegen Wahlmüdigkeit

  • -Aktualisiert am

Ein Superheld rastet aus: Screenshot aus dem Video „Voteman“ Bild: Youtube

Mit starken Reizen wollte das dänische Parlament junge Bürger zur Europawahl bewegen - und stellte ein provokantes Video ins Netz. Dann hagelte es heftige Kritik.

          Es ist keine kuriose Parodie und kein Trailer für einen weiteren gewaltverherrlichenden Zeichentrickfilm - sondern ein offizieller Wahlwerbespot des dänischen Parlaments für die Europawahl am 25. Mai. Aber was die Zuschauer zu sehen bekommen, hat es in sich: Gezeigt wird ein wütender Muskelprotz mit gelben Zähnen und einer schwarzen engen Hose, der sich von mehreren Frauen gleichzeitig sexuell befriedigen lässt. Nichtwählern reißt er den Kopf ab oder prügelt sie zumindest in die Wahlkabine.

          Das inzwischen zurückgezogene Video ist benannt nach dem Protagonisten des Spots: „Voteman“. In dem Cartoon, den es als dänische und englische Version gibt, erfährt der Zuschauer die Entstehungsgeschichte des Superhelden. Als junger und noch schmächtiger Mann hat „Voteman“ eine Europawahl verpasst. Später wurde ihm klar, auf welche Themen er deshalb keinen Einfluss nehmen konnte. Weder konnte er über Agrarsubventionen mit entscheiden, noch über Chemikalien in Kinderspielzeug oder den Zimtgehalt seiner geliebten Zimtschnecken. Darum hat er sich geschworen, künftig jeden zur Teilnahme an der Europawahl zu bewegen. Seine Opfer lungern faul in der Gegend herum, shoppen oder haben Sex, bevor „Voteman“ ihnen den Kopf wäscht. Am Ende des Videos schaut er aggressiv die Zuschauer an, seine Faust trifft im Abspann die Kamera.

          Im Internet ein Renner

          Gedacht war dieser sehr spezielle Werbespot dazu, junge Bürger aufzurütteln. Dabei sollte die Überdosis an Sex, Blut und Gewalt helfen. Der Sprecher des dänischen Parlaments versicherte in einer Presseerklärung, dass der Werbespot nicht ernst gemeint sei und mit Humor angesehen werden müsse.

          In der Öffentlichkeit sorgte diese Art der Wahlwerbung aber für Furore. Das Video sei sexistisch und zu gewalttätig, befanden etliche Medien und Politiker. Zahlreiche dänische Abgeordnete distanzierten sich von dem Film, wie die dänische Zeitung Arhus Stiftstidende berichtete. „Das ist so peinlich“, schrieb die sozialistische Abgeordnete Özlem Cekic auf Facebook. Die Frauen des mit Steroiden vollgepumpten Protagonisten würden zu reinen Sexobjekten degradiert. Auch die liberale Abgeordnete Liv Holm Andersen lehnte den Spot als „ziemlich peinlich“ ab, selbst wenn der Europawahl dadurch Aufmerksamkeit garantiert sei. Am Montagnachmittag lenkte das Parlament schließlich ein und zog das Video zurück.

          Aufmerksamkeit hat der Spot schon reichlich bekommen. Auf Twitter ist #voteman ein Renner. Die Meinung der Twitterer ist gespalten: Viele Nutzer finden das Video lustig und nennen es gar einen „epischen Wahltrailer“. Andere finden es idiotisch und echauffieren sich über den „nordischen Humor“.

          Fraglich ist trotz all der Aufmerksamkeit dennoch, ob „Voteman“ sein Ziel erreichen wird, mehr Bürger zur Europawahl zu bewegen, zumal politische Themen darin kaum erwähnt werden. Dabei braucht die Beteiligung der Dänen an Europawahlen den europäischen Vergleich nicht zu scheuen: Bei der vergangenen Wahl im Jahr 2009 lag die Quote bei rund 60 Prozent.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Das Parlament übertrumpft May Video-Seite öffnen

          Brexit-Veto : Das Parlament übertrumpft May

          Die britischen Abgeordneten werden beim endgültigen Austritt aus der Europäischen Union das letzte Wort haben. Dafür stimmten im Parlament am Mittwoch nicht nur die Mitglieder der Opposition.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Kaiser Karl der Große: Das Porträt aus Dürers Werkstatt hat eine bewegende Geschichte hinter sich.

          Nazi-Raubkunst : Kopierte Kaiser in wechselnden Händen

          Das Deutsche Historische Museum folgt den fragwürdigen Wegen von Albrecht Dürers Kaiserbildern im zwanzigsten Jahrhundert. Die Spur führt zu einem bedeutenden Nazi-Kunsträuber.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.