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Zypern-Krise : Keine Legenden

Die Zyprer mögen sich als Opfer sehen. Aber es sind nicht ihre europäischen Partner, die schuld an dem Schlamassel sind.

          Der Staatsbankrott für Zypern ist abgewendet, es ist nicht zur Katastrophe und nicht zum Austritt aus der Eurozone gekommen - das ist Anlass dafür, kräftig durchzuatmen nach Tagen eines Harakiri-Krisenmanagements. Das ist es dann aber auch: Die Zyprer werden sich jetzt auf einen dornenreichen Weg begeben müssen. Ihr untragbar gewordenes Geschäftsmodell wird abgeschafft, dem griechischen Teil der Insel stehen schwere Zeiten bevor.

          Dass die Leute davon nicht begeistert sind, dass sie die Lösung von Brüssel nicht als fair empfinden, sondern als eiskalten Zwang, kann man verstehen. Und doch bleibt sie insofern richtig, weil auch diejenigen zur Bewältigung der Lasten herangezogen werden, die das Land an den Abgrund geführt haben. Die Zyprer mögen sich als Opfer sehen, aber es sind nicht ihre europäischen Partner, die schuld an dem Schlamassel sind.

          Neohegemoniale Deutsche?

          Auch im Fall Zypern zeigt sich somit - jenseits aller Hilfspakete, aber vielleicht auch wegen diesen -, wie groß Entfremdung und Verdruss unter den Europäern geworden sind: Viele Leute in den Krisenländern suchen die Schuld für ihre Lage weniger bei ihren korrupten Eliten oder in schlechter Politik, sondern bei den angeblich unsolidarischen Ländern des Nordens, lies: bei den angeblich neohegemonialen Deutschen. Die Geberländer wiederum fühlen sich als Opfer von Erpressung, deren geleistete Hilfe mit Beleidigungen vergolten wird. Zu Beginn des vierten Staatsschulden- und Eurokrisenjahres wird man feststellen müssen, dass Vertrauen und Empathie auf dieser (Krisen-)Strecke geblieben sind. Für die Zukunft der EU stimmt einen das nicht unbedingt hoffnungsfroh.

          Denn generell treibt in dieser Europäischen Union vieles auseinander, mögen sich die Akteure auch um verbindlichere Regeln, strengere Aufsicht und um eine bessere „Governance“ bemühen, wie es heute neudeutsch heißt. Aber die europäischen Volkswirtschaften entwickeln sich höchst unterschiedlich - und damit die jeweiligen Interessenlagen. Es wird immer schwerer, die Fliehkräfte im Zaum zu halten; populistische Kräfte machen sich fast überall bemerkbar. Auch deswegen ist es so wichtig, diese Krise endlich zu überwinden und wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen, ob in Portugal oder hoffentlich bald in Zypern. Das wird nur gelingen, wenn sich alle anstrengen. Opfermythen dagegen machen blind und helfen nicht weiter, auch und gerade Europa nicht.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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          Quelle: F.A.Z.

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