http://www.faz.net/-gpf-7gpl5

Streit um Gibraltar : Rajoy und Cameron rufen EU an

  • Aktualisiert am

Erklärt „friedlich“: Spanische Fischer vor Gibraltar Bild: dpa

Spanien und Großbritannien haben in ihrem Streit über Gibraltar Brüssel um Vermittlung ersucht. Spanische Fischer demonstrieren derweil gegen das von den Briten gebaute künstliche Riff vor der Halbinsel.

          Spanien und Großbritannien wollen in ihren Streit um Gibraltar jetzt auch die Europäische Union einbeziehen. Nachdem Premierminister David Cameron am Wochenende in einem Telefongespräch mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso „dringend“ um die Entsendung von EU-Beobachtern an die Grenze gebeten hat, wollte auch Ministerpräsident Mariano Rajoy mit ihm Kontakt aufnehmen.

          Die Europäische Kommission wollte bislang die Beschäftigung mit der Auseinandersetzung der beiden EU-Partner auf den Herbst verschieben. Ein Sprecher hatte dies für „wahrscheinlich im September oder Oktober“ angekündigt. Wegen der fortdauernd scharfen spanischen Kontrollen, die abermals im kleinen Grenzverkehr zu teils stundenlangen Wartezeiten führten, beschwerte sich Cameron bei Barroso über die „unangemessenen und politisch motivierten“ Maßnahmen.

          Demgegenüber beharrte die spanische Regierung mit Hinweis auf den Tabakschmuggel darauf, dass die Maßnahmen „sowohl angemessen als auch verpflichtend“ seien. Innenminister Jorge Fernández Díaz, der von einer „Schmugglergrenze“ sprach, sagte dass Gibraltar im vorigen Jahr allein 140 Millionen Schachteln Zigaretten importiert habe. Diese Menge könnten die knapp 30.000 Bewohner Gibraltars und die Touristen „unmöglich selbst geraucht“ haben.

          Spanien gegen „Souveräne Bucht“

          Am Sonntag vereinten sich spanische Fischerboote an der Stelle, an der die Regierung von Gibraltar Ende Juli siebzig Betonblöcke versenken ließ, zu einer erklärt „friedlichen“ Protestkundgebung gegen die Behinderung ihrer Arbeit. Sie nahmen jedoch von einem ursprünglichen Plan Abstand, die jeweils drei Tonnen schweren Klötze selbst aus dem Weg zu schaffen. Der regionale Fischereiverband bezifferte derweil die Einnahmeverluste seit den vor einem Jahr begonnenen Behinderungen durch Patrouillenschiffe Gibraltars auf 1,5 Millionen Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Ebenfalls am Wochenende protestierte die spanische Regierung mit einer Verbalnote in London gegen ein neues, „Souveräne Bucht“ genanntes, Bauprojekt in Gibraltar. Die Kolonie, die bereits damit begonnen hat, Dämme ins Meer aufzuschütten, möchte ein Hotel und mehr als zweitausend Luxuswohnungen mit einem vorgelagerten Yachthafen errichten. Spanien erhob Einspruch, gegen diese nach internationalen Recht und EU-Umweltschutzgesetzen angeblich „unzulässige“ Landgewinnung.

          Die Madrider Regierung hatte schon im vorigen November die Gewässer um Gibraltar - mit Ausnahme einer kleinen Hafenzone - zu einem Naturschutzgebiet erklärt und in der vergangenen Woche zusätzlich mit Sanktionen gegen das „Bunkern“ durch schwimmende Tankstellen gedroht. Bis zum Sonntag unternahmen die spanischen Behörden aber keine konkreten Schritte, um ihre Drohungen durchzusetzen. Für diesen Montag wird in der Kronkolonie die Ankunft des ersten britischen Kriegsschiffs zu - mit Spanien im Juni abgesprochenen - Manövern im Mittelmeer erwartet. Nach der Fregatte HMS Westminster sollen noch weitere Schiffe der Flotte in Gibraltar Zwischenstation machen.

          Weitere Themen

          Furcht vor der Isolation Video-Seite öffnen

          Gibraltar und der Brexit : Furcht vor der Isolation

          Gibraltar wäre isoliert, wenn die Grenze zu Spanien eine Außengrenze der Europäischen Union würde. Das britische Überseegebiet ist wirtschaftlich vom Zugang zur EU abhängig und sorgt sich, dass Spanien wieder Ansprüche auf Gibraltar geltend machen könnte.

          Streit um Stadion von David Beckham Video-Seite öffnen

          Profi-Fußball in Miami : Streit um Stadion von David Beckham

          David Beckham erschafft in Amerika eine eigene Fußballmannschaft – das Stadion für den neuen Verein von Englands Fußball-Ikone soll in einem sozial benachteiligten Viertel von Miami entstehen. Nicht alle sind von der Idee begeistert.

          Topmeldungen

          Eishockey bei Olympia : Deutschland verliert dramatisches Finale

          Was für ein Endspiel bei Olympia in Pyeongchang! Deutschland und die russische Auswahl liefern sich ein extrem spannendes Duell mit unglaublichen Wendungen – und dem besseren Ende für die Russen.
          Die rumänische Filmemacherin Adina Pintilie posiert mit ihrem Goldenen Bären

          Berlinale : Gefangen als Voyeur

          Der Goldene Bär für „Touch Me Not“ bei der Berlinale ist eine riesige Überraschung. In dem Film geht es um masturbierende Callboys, Transvestiten und Darkrooms. Der Ansatz ist beklemmend. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.