Home
http://www.faz.net/-gq4-7h9nk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Schulterschluss mit Frankreich Kerry soll es richten

Paris hofft auf Schützenhilfe aus Washington. Jetzt soll der amerikanische Außenminister Kerry die Franzosen von der Notwendigkeit eines Syrien-Einsatzes überzeugen. Kerry nahm am Morgen zunächst in Vilnius Gespräche mit den EU-Außenministern auf. Anschließend reist er weiter nach Paris.

© AP Vergrößern Gespräche in Vilnius, weit hinter dem Zeitplan: John Kerry und die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite

Wird John Kerry die Franzosen von der Notwendigkeit eines Militärschlags gegen das syrische Regime überzeugen? An den Auftritt des amerikanischen Außenministers an diesem Samstag beim EU-Außenministertreffen in Vilnius und anschließend in Paris am Quai d'Orsay richten sich in Paris hohe Erwartungen. Aber auch die Bundesregierung erhofft sich von der Zusammenkunft, dass Kerry, ebenso wie zuvor Frankreich, davon überzeugt werden kann, vor einem Militärschlag den Bericht der UN-Waffeninspekteure abzuwarten. Kerry traf in der Nacht in Vilnius ein, wo am Morgen die Gespräche mit den EU-Außenministern begannen. Anschließend reist er nach Paris weiter, um auch dort für den Einsatz zu werben.

Michaela Wiegel Folgen:    

Kerry hatte erst kürzlich Frankreich als „ältesten Verbündeten Amerikas“ umschmeichelt. Jetzt soll er mit einem Plädoyer für eine militärische Strafaktion gegen Assad auch der französischen Diplomatie aus der Bredouille helfen. Der enge Schulterschluss mit Präsident Obama in der Syrien-Frage hat Präsident Hollande bislang nur Kritik und Häme eingebracht. Seit Obamas Entscheidung, den Kongress abstimmen zu lassen, gilt Hollande in den französischen Medien als „cocu“, als gehörnter Partner. Kerry soll diesem Eindruck entgegenwirken, so die Hoffnung in Paris.

Präsident Hollande, Premierminister Ayrault und Außenminister Fabius haben es bislang nicht vermocht, sich im innerfranzösischen Streit über eine Militärintervention durchzusetzen. Die Opposition, wenn auch weiterhin uneins, stellt Vorbedingungen wie ein Votum der Vereinten Nationen und eine Parlamentsabstimmung. Die wenig unterstützende Haltung der europäischen Partner wird auf ein Versagen der französischen Diplomatie zurückgeführt. Der frühere Außenminister Alain Juppé (UMP) etwa sprach von einem „katastrophalen Scheitern der EU“ und begründete dies mit einer verfehlten diplomatischen Strategie Frankreichs.

Franzosen lehnen Einsatz ab

Eine Mehrheit der Franzosen lehnt ein militärisches Eingreifen in Syrien grundsätzlich ab. Der Hinweis, Frankreich werde keine Bodentruppen einsetzen, hat die Sorge vor syrischen Vergeltungsschlägen nicht gedämpft. Führende Oppositionspolitiker wiesen auf die Risiken für die etwa 1000 französischen Soldaten hin, die unter UN-Mandat im Libanon stationiert sind. Deren Sicherheit könne nicht garantiert werden, sagte der Vorsitzende der bürgerlich-liberalen Partei UDI, Jean-Louis Borloo.

In der Presse konzentriert sich die Kritik auf Außenminister Fabius und den französischen Botschafter für Syrien, Eric Chevallier. Beide hätten Hollande geradezu in die Rolle des Kriegsherrn getrieben, schrieb die Internetzeitung „Mediapart“. Chevallier war vom damaligen Außenminister Bernard Kouchner 2009 nach Damaskus entsandt worden. Er leitete die Kehrtwende der französischen Diplomatie ein, die 2007 und 2008 Assad zum wichtigen Gesprächspartner im Nahen Osten aufgewertet hatte. Sein Einfluss war maßgeblich bei der Anerkennung der syrischen Opposition im November 2012 als einzige legitime Vertretung des syrischen Volks. Frankreich sieht sich seither in führender Rolle in der Syrien-Frage.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Was Sie heute erwartet Frankreichs Präsident empfängt Amerikas Außenminister Kerry

<p> Nach den islamistischen Anschlägen in Frankreich wird der <strong>amerikanische Außenminister Kerry</strong> heute von Staatspräsident Hollande im Elysée-Palast empfangen. Kerry will durch seinen... Mehr

16.01.2015, 07:11 Uhr | Wirtschaft
Entsetzen über Mord an französischer Geisel

Frankreichs Staatschef François Hollande und US-Präsident Barack Obama haben die Ermordung des in Algerien entführten Franzosen durch Islamisten verurteilt. Eine Gruppe, die der Dschihadisten-Organisation Islamischer Staat (IS) nahesteht, hatte den Bergführer verschleppt und mit seiner Tötung gedroht, falls Paris nicht seine Luftangriffe auf den IS im Irak einstellt. Mehr

25.09.2014, 15:12 Uhr | Politik
Gedenkmarsch in Paris Obama ist nicht Charlie

Die Welt übt Solidarität mit Frankreich, doch der amerikanische Präsident fehlt beim Pariser Gedenkmarsch nach den Anschlägen. Das Weiße Haus hat jetzt Fehler eingestanden. Mehr

12.01.2015, 20:52 Uhr | Wirtschaft
Terror in Paris Hollande: Frankreich hat den Attentätern die Stirn geboten

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat die Gewalt der vergangenen Tage am Freitagabend als Tragödie für die Nation bezeichnet. Er dankte sämtlichen Kräften für ihren Einsatz, sowohl in Paris, als auch in Dammartin-en-Goële. Mehr

10.01.2015, 12:08 Uhr | Politik
Empörung über Obama Zerknirschter Präsident

Auch zwei Tage nach dem Gedenkmarsch von Paris mit 1,5 Millionen Franzosen und mehr als 40 Staats- und Regierungschefs reißt in Amerika die Kritik am Fehlen des Präsidenten nicht ab. Jetzt gibt sich Obama zerknirscht. Mehr Von Andreas Ross, Washington

13.01.2015, 15:29 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.09.2013, 16:42 Uhr

Auf dünnem Eis

Von Günter Bannas

Die große Koalition könnte ihre Arbeit in aller Ruhe fortsetzen, denn die nächste Bundestagswahl ist noch weit weg. Doch es knirscht im Gebälk. Die SPD leidet unter ihren Umfragewerten und in der Union sind die Verhältnisse nicht so stabil wie sie scheinen. Mehr 1 3