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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Schuldenkrise Ein Wochenende

Den Zyprern bleibt nicht mehr viel Zeit, den Unterschied zwischen zehn und hundert Prozent zu verstehen. Denn EU und IWF müssen bei ihren Bedingungen bleiben.

Wenn ein Schuldner nicht mehr seine Rechnungen öffnet und nicht mehr ans Telefon geht, dann weiß zumindest der deutsche Fernsehzuschauer - so erfüllt das Privat-TV seinen Bildungsauftrag -, dass der endgültige Zusammenbruch nah ist und nur noch von einem abgewendet werden kann: von Peter Zwegat, dem Engel der unglücklich ins Minus Geratenen. Im Leben der Staaten heißt der Schuldnerberater Troika, doch die zyprische Politik verhält sich derzeit nicht viel anders als ein Konsument, der seine Kredite für das Handy, den Gasgrill und den Flachbildschirm (angeschafft schon wegen „Raus aus den Schulden“) nicht zurückzahlen kann, bei dem der Gerichtsvollzieher aber schon durchs Fenster hereinschaut: Sie zieht die Jalousie herunter.

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Die Verärgerung der Europäer, die den Zyprern mit Steuergeldern helfen wollen, wieder auf die Beine zu kommen, ist berechtigt. Denn anders als der Kleinschuldner, dem die Bank den Überziehungskredit gesperrt hat, scheint Nikosia immer noch zu glauben, nicht mit dem Schlimmsten rechnen zu müssen, weil die Gläubiger von London bis Moskau und die Partner in der EU es gar nicht zum Schlimmsten kommen lassen könnten. Schließlich hatten Letztere Zypern für „systemrelevant“ erklärt: too small to fail.

Abenteuerlicher Plan B

Nach Ablehnung der mit der Troika ausgehandelten Maßnahmen im Namen der Ehre der Nation bastelten die zyprischen Parteien an einem Plan B, der abenteuerliche Elemente enthält und selbst dann noch zu kurz greift. Doch hofften die Zyprer wohl, dass EU und IWF schon ein Auge zudrücken würden.

Das tat aber nicht einmal Moskau, obwohl es liebend gerne einen unsinkbaren Flugzeugträger im Mittelmeer hätte. Russland ließ sich weder mit seiner Leibspeise Gas verlocken noch mit den russischen Geldern auf Zypern erpressen, die im Falle der Pleite gefährdet wären. Auch die EU muss hart bleiben, weil sonst weit bedeutendere Schuldner auf die Idee kommen könnten, dass sie auch Anspruch auf mehr Mitleid hätten, wo sie doch über ein weit größeres Drohpotential verfügten als Nikosia. Ein Wochenende bleibt den Zyprern noch einzusehen, dass sie nur die Wahl haben zwischen unangenehmen, aber vertretbaren Opfern und dem Bankrott mit viel schlimmeren Folgen. Es sollte nicht so schwer sein, den Unterschied zwischen zehn und hundert Prozent zu verstehen. Den Klienten von Peter Zwegat gelingt das üblicherweise.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.03.2013, 18:24 Uhr

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