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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Samaras in Berlin Griechische Gastgeberfreundschaft

 ·  Angela Merkel sagte bei Antonis Samaras’ Besuch in Berlin, auch sie wolle, dass Griechenland im Euroraum bleibe. Auf eine brüchige Achse Berlin–Paris kann der griechische Ministerpräsident also nicht hoffen.

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© AFP Schwieriges Verhältnis: Antonis Samaras und Angela Merkel in Berlin

Antonis Samaras hatte sich offensichtlich vorgenommen, die Botschaft gleich an Ort und Stelle loszuwerden. Von einem mit ihm nach Berlin gereisten griechischen Journalisten - protokollarisch Begleitpresse genannt - auf herabwürdigende Äußerungen von Deutschen über sein Land angesprochen, wurde der Ministerpräsident im Kanzleramt deutlich: Wie könne man es verstehen, dass mitten in einer Zeit, in der er sich um das Privatisierungsprogramm zur Konsolidierung des Haushaltes bemühe, „ranghohe Politiker“ öffentlich darüber sprächen, dass Griechenland „zurückfallen könnte in die Zeit der Drachme“? Welcher Unternehmer solle dann noch in sein Land investieren?

Neben Samaras stand eine bis zu diesem Zeitpunkt nahezu pausenlos freundlich lächelnde Angela Merkel. Doch als ihr griechischer Gast zu diesem (offenbar kalkulierten) Wutausbruch ansetzte, ahnte sie wohl Böses und legte ihre Stirn in Falten. Die Bundeskanzlerin ist im In- und Ausland den Umgang mit temperamentvollen Männern gewohnt. Nun also wieder so einer? Eine Mischung aus frühem Nicolas Sarkozy und spätem Horst Seehofer? Der Deutschen musste klar sein, dass ihr Gast nicht nur über seine Befindlichkeiten sprach. Das tat er auch mit dem Hinweis, die Griechen seien ein stolzes Volk, das nicht gerne von geliehenem Geld lebe. Doch die Retourkutsche für all das, was im Sommer von Philipp Rösler bis Markus Söder geäußert worden war, offenbarte nicht nur eine gekränkte Seele, sondern eine neue Verteidigungslinie: Ihr Deutschen tragt eine Mitschuld daran, wenn wir unser Programm nicht umsetzen können, sollte das heißen.

An ein paar Wochen mehr oder weniger wird es nicht scheitern

„Keiner ist unschuldig“, sagte Samaras ebenfalls am Freitag. Das war die Antwort auf die Frage, ob er nicht selbst die Probleme seines Landes vergrößert habe, da er zu Oppositionszeiten die Sparauflagen lange bekämpft habe. Er fügte an, ihm sei es - als Ökonom, der er sei - damals um Wachstum gegangen, und überhaupt, jetzt gelte es nach vorne zu schauen. Doch jene zwei Jahre, in denen er während der Griechenlandkrise darauf wartete, endlich selbst ins Ministerpräsidentenamt aufzurücken, belasten das Verhältnis zur Kanzlerin bis heute. Angela Merkel war bei gelegentlichen Treffen in Brüssel mehrfach bei ihm auf Granit gestoßen, und musste sich zuhause von der Opposition anhören, ihr gelinge es nicht, ihren Parteifreund von der konservativen Nea Dimokratia zur Vernunft zu bringen. Das Verhältnis der beiden zueinander ist vor allem dadurch geprägt, dass es keines ist.

Das schien die Kanzlerin nun ändern zu wollen: Zwar vermied sie Festlegungen in der Beurteilung der Lage des Landes sowie Vermessungen ihres Zutrauens in ihren neuen Partner und verwies auf den ausstehenden Troika-Bericht, zwar wiederholte sie die Formel, Verpflichtungen seien einzuhalten, aber - anders als am Vorabend - sagte sie mehrmals, sie wolle, dass Griechenland im Euroraum bleibe.

Am Donnerstagabend hatte dies mehrfach ein anderer Gast im Kanzleramt betont: François Hollande. Und zuvor und hernach war gemutmaßt worden, auch in der Frage, wie mit Griechenland umzugehen sei, gebe es Differenzen zwischen Berlin und Paris. Nach allem, was nach dem gut zweistündigen Abendessen (wie immer in Merkels Amt bodenständig: Büsumer Krabben, Roulade, Vanilleeis) zu erfahren war, sollen sich beide einig gewesen sein, darin, wie es FDP-Mann Rainer Brüderle am Freitag sagte, dass die „Kernzeitachse“ gehalten werden müsse, was wohl heißt, an ein paar Wochen mehr oder weniger werde es nicht scheitern. Zwei Jahre mehr, welche Samaras anstrebt, werde es aber nicht geben, da diese Zeit Geld sei. Wie zur Bekräftigung nahm Finanzminister Wolfgang Schäuble an dem Gespräch mit dem Griechen teil. Sollte Samaras, der noch am Freitag nach Paris weiterreiste, gehofft haben, einen Keil zwischen Hollande und Frau Merkel treiben zu können, wird er wohl enttäuscht sein. Die Kanzlerin drückte es so aus: Er könne sich ja in Paris von der Einigkeit überzeugen.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.

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