02.06.2005 · Gleich zwei Gründerstaaten der EU haben die europäische Verfassung abgelehnt. In vielen europäischen Zeitungen herrscht Einigkeit darüber, daß diese Voten ernst zu nehmen seien.
Nach der deutlichen Ablehnung der EU-Verfassung auch in den Niederlanden sehen die europäischen Zeitungen am Donnerstag dunkle Wolken über der EU heraufziehen. Einigkeit herrscht darüber, daß das Nein ernst genommen werden müsse.
Le Figaro (Paris): „Frankreich und die Niederlande geben EU-Verfassungsgegnern in Luxemburg und Dänemark, wo auch Volksabstimmungen geplant sind, großen Auftrieb. Die Verführung ist groß, alles zu beenden.“
The Guardian (London): „Zu viele - in Frankreich, den Niederlanden und darüber hinaus - sehen die europäische Integration eher als Problem denn als Lösung.“
The Times (London): „Dieses (niederländische) Nein ist, deutlich mehr als das französische, eine Zurückweisung der Richtung, in die die Verfassung für die Europäische Union zeigt.“
Trouw (Amsterdam): „Die Wähler haben kräftig an der Notbremse gezogen. Das ist ein dramatischer Eingriff, der nicht so einfach abgetan werden darf.“
De Volkskrant (Amsterdam): „Die vernünftigste Weisung der letzten Tage kam von der britischen Regierung, die zu einer Periode des Nachdenkens und der Beratung aufrief.“
Kurier (Wien): „Die Krise der europäischen Repräsentativ-Systeme ist voll sichtbar geworden.“
La Repubblica (Rom): „Das massive Nein aus Holland erinnert uns daran, daß ausgerechnet hier alles vor drei Jahren angefangen hatte, als die öffentliche Hinrichtung von Pim Fortuyn ein deutliches Anzeichen für den Verlust der „Unschuld“ des gesamten Kontinents war.“
ABC (Madrid): „Innerhalb von 72 Stunden hat sich das Szenarium in Europa verfinstert.“
Rzeczpospolita (Warschau): „Die Niederlage der Verfassung verursachten die Landespolitiker, die in der Regel eigene Probleme Entscheidungen aus Brüssel zuschreiben.“
Gazeta Wyborcza (Warschau): „Drei Tage nach dem französischen „Non“ wartete Europa auf das holländische Referendum wie auf ein Urteil. Und es war ausgesprochen streng.“
Information (Kopenhagen): „Wir erleben jetzt, wie schwer eine gemeinsame Antwort auf die Frage zu finden ist, wohin die EU sich entwickeln soll.“