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Plagiatsaffären Der Grenzfall nach dem Fall

14.07.2011 ·  Wegen der Plagiatssucher gibt es im Europaparlament jetzt nur noch einen FDP-Abgeordneten mit Doktortitel. Bei Silvana Koch-Mehrin schwieg die liberale Gruppe eisern und entlarvend, Jorgo Chatzimarkakis dagegen erfährt Solidarität.

Von Nikolas Busse, Brüssel
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Die FDP-Gruppe im Europaparlament dürfte sich am Donnerstag damit getröstet haben, dass das Schlimmste erst einmal überstanden ist. Nach der Aberkennung des Doktorgrades von Jorgo Chatzimarkakis ist die zwölfköpfige Delegation fast promotionsfrei. Nur noch der Abgeordnete Wolf Klinz führt einen Doktortitel.

Aber den hat er schon 1965 erworben, als Dissertationen noch auf der Schreibmaschine getippt wurden. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Plagiatsucher im Internet nun auch noch für die Arbeit dieses früheren Managers interessieren, der erst nach einem langen Berufsleben ins Europaparlament ging.

Die abermalige akademische Herabstufung hat die FDP-Gruppe diesmal zusammenstehen lassen. Ihr Vorsitzender, Alexander Graf Lambsdorff, teilte mit, dass er und seine Kollegen die Entscheidung der Universität Bonn bedauerten. Er hielt fest: „Wir begrüßen, wie offen Jorgo Chatzimarkakis mit seinem Fall umgegangen ist und auch heute noch umgeht. Für sein erneutes Promotionsverfahren drücken wir ihm die Daumen.“

Eisernes Schweigen bei Koch-Mehrin

Als vor ein paar Wochen der Kollegin Silvana Koch-Mehrin der Doktor abhanden kam, hatte die Delegation noch eisern geschwiegen. In der Welt der Politik ist das eine schallende Ohrfeige, knapp vor der öffentlichen Aufforderung zum Rücktritt.

Der Fall Chatzimarkakis sei eben ein wenig anders gelagert als der Fall Koch-Mehrin, war dazu in Brüssel zu hören. Frau Koch-Mehrin machte der Universität nach der Aberkennung des Titels noch Vorwürfe und stellte ihr eine juristische Auseinandersetzung in Aussicht. Chatzimarkakis dagegen hatte sich von Anfang an auf die Linie verlegt, dass in seiner Arbeit eigentlich nur Anführungszeichen fehlten, weil er die – nun von der Universität als Plagiate gewerteten Textstellen – durchaus mit Fußnoten versehen hatte. In einer Stellungnahme nach der Aberkennung bezeichnete er seine Arbeit als „Grenzfall“ und hob hervor, dass die Universität keine „Täuschungsabsicht“ erkannt habe. Deshalb sei er bereit, noch einmal eine Doktorarbeit zu schreiben.

Solidarität mit Chatzimarkakis

Wahrscheinlich spielt eine mindestens so große Rolle, dass Chatzimarkakis in der FDP-Gruppe und in anderen Parteien gut gelitten ist. Anders als Frau Koch-Mehrin, die sich sogar auf Kosten des Europaparlaments zu profilieren versuchte, gilt er bei vielen in Brüssel als ein vielleicht etwas flatterhafter, aber netter Kerl. Die Eurokrise nutzte der 45 Jahre alte Deutsch-Grieche erfolgreich, um in Deutschland als Deuter der Lebens- und Finanzwelten in Griechenland aufzutreten. Da er aber bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad seiner früheren Vorsitzenden genießt, kann die FDP zu überschaubaren Kosten Solidarität mit ihm üben.

Die Partei ist nicht vom Haken. Auf der Internet-Seite „vroniplag“ wird noch die Dissertation des Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai durchforstet, ebenso wie die von Margarita Mathiopoulos, die das „Transatlantische Forum“ der FDP leitet. Dass das wissenschaftliche Vorleben von Liberalen überproportional erforscht wird, hat der Partei nie gefallen. Alexander Alvaro, ebenfalls ein Europaabgeordneter der FDP, verlangte schon vor zwei Monaten, die Mitarbeiter von „vroniplag“ sollten sich nicht hinter Netznamen verstecken. „Mit vroniplag ist das Denunziantentum aus dem Schutze der Anonymität des Internets heraus anscheinend zum gesellschaftlich akzeptierten Sport geworden“, beschwerte er sich.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent für die Nato und die EU mit Sitz in Brüssel.

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