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Neues Sparpaket für Griechenland Das Summen der Summen

In dieser Woche soll das griechische Parlament über ein neues Sparpaket abstimmen. Die Mehrheit ist nicht sicher. Durch Athen geistern derweilen Kohorten von Zahlen, die einander widersprechen.

© dpa Vergrößern Und täglich... verlässt Finanzminister Stournaras das Amt des Ministerpräsidenten.

Wenn es stimmt, dass es im Auge eines Sturms ruhig ist, dann kann Griechenland unmöglich das Zentrum dieser Krise sein. Die Hauptstadt der Griechen brodelt, es herrscht der Lärm großer Zeiten. Fast täglich ziehen Demonstranten durch die Innenstadt, hallen die skandierten Losungen der Einpeitscher mit ihren Megafonen durch die Straßen. Mal sind es Tausende, mal nur wenige Dutzend, die ihren Unmut in die Welt tragen: Krankenschwestern, Busfahrer, Lehrer, Apotheker, Rentner, all das verängstigte Personal aus einer abgesetzten Zeit, in der Wünschen noch geholfen hat.

Seit Monaten liegt eine allgemeine Unruhe über der Stadt. Das Unstete, Unvorhersehbare schimmert durch jedes Gespräch, schreit dutzendfach aus den Überschriften der Zeitungen, die mit Wäscheklammern an Drähten unter den Dächern der Kioske befestigt sind. Jeder, der noch Arbeit hat, kennt viele, die sie bereits verloren haben. Es herrscht Angst, niemand traut dem nächsten Tag.Und außerdem ist da noch dieses ständige Surren und Summen. Es ist das Surren der Zahlen, das Summen der apodiktisch vorgetragenen Behauptungen, der angeblich statistisch gesicherten Gewissheiten.

Der ehemalige Minister, der Diplomat, der Banker, der oppositionelle Parlamentsabgeordnete, die Sprecher von Parteien und Ministerien, Troika-Unterhändler, Geschäftsleute, Anlageberater, Rechtsanwälte, Steuerfahnder, Demoskopen, auch der Finanzbeamte, der Professor der volkswirtschaftlichen Fakultät, der investigative Journalist und der auf Anonymität bedachte „westliche Beobachter“ - alle wissen es ganz genau. Und jeder von ihnen weiß etwas ganz anders. Es wimmelt von Zahlen, die angeblich dieses beweisen und jenes entkräften. Lauter vermeintlich unumstößliche Wahrheiten, doch hinter tausend Wahrheiten keine Welt.

Essenz aus zwei Dutzend Interviews

Die Essenz aus zwei Dutzend Interviews in einer Woche Athen klingt so: „Bis Ende 2012 müssen 5000 Staatsbedienstete entlassen werden, 2013 dann pro Quartal je 5000, sonst werden die Sparziele definitiv verfehlt“. - „Insgesamt 11000 griechische Beamte sind Gegenstand eines Disziplinarverfahrens, es müssen aber bis Jahresende mindestens 15000 entlassen werden, um die Vorgaben zu erreichen.“ - „Bis 2015 müssen 150000 Beamte entlassen werden, andernfalls geht die Rechnung nicht auf.“

„Entlassungen sind nicht nötig, denn allein 18 Milliarden Euro können durch eine Reorganisation des Staates und die Fusion von Behörden gespart werden.“ - „Ohne Kürzung der Primärausgaben um neun Milliarden Euro ist die Lage aussichtslos.“ - „Eine Kürzung der Primärausgaben um neun Milliarden Euro würde den endgültigen Absturz der Wirtschaft bedeuten.“ - „Fast 85 Prozent der Personalkosten des Staates fallen in nur vier Ministerien an. Hier muss man ansetzen.“ - „Auf dem Peloponnes gibt es 17 Krankenhäuser in einer Entfernung von nur zehn Minuten.“ - „Wenn Griechenlands Freiberufler im Schnitt ein Jahreseinkommen von 35000 Euro angäben, hätte das Land kein Primärdefizit.“

„Die Freiberufler sind nicht das Problem, sondern die Finanzbehörden.“ - „Die Freiberufler sind das Problem. 1,2 Millionen lohnabhängige Griechen zahlen acht Milliarden Euro Steuern im Jahr, aber 1,8 Millionen Freiberufler zahlen nur 3,5 Milliarden.“ - „Das Defizit kann nur durch eine Privatisierung der Steuerfahndung bekämpft werden.“ - „Privatisierungen in der Rezession sind der falsche Weg.“ - „Durch eine Reduzierung der Zahl der Beamten um die Hälfte würde der Staat besser funktionieren und Griechenland müsste sich keinen Cent mehr leihen.“ - „Die Zahl der Richter an griechischen Verwaltungsgerichten müsste dringend um 50 Prozent erhöht werden.“ - „Die Wurzel allen Übels ist Artikel 107 der Verfassung.“

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