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Nach dem Referendum : „Es wird sich schnell Enttäuschung einstellen“

Jubel vor dem griechischen Parlament in Athen, aufgenommen am Sonntagabend Bild: Reuters

Die Leiterin des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Athen befürchtet, dass die Euphorie vieler Griechen bald verschwinden wird. Im Interview mit FAZ.NET wirft sie der griechischen Regierung vor, falsche Erwartungen geweckt zu haben.

          Frau Vogt, wie lange wird es dauern, bis die Euphorie der Griechen, die am Sonntag mit Nein gestimmt haben und die nun ihren Sieg feiern, der Einsicht weicht, dass sich eigentlich wenig geändert hat?

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Das hängt davon ab, wie man in Frankfurt und Brüssel mit dem Ergebnis des Referendums umgehen wird. Ich fürchte, es wird sich in Griechenland schnell Enttäuschung einstellen. Es gibt unter den Nein-Wählern völlig falsche Erwartungen dazu, was dieses Ergebnis für Europa bedeutet und wie man in Europa darauf reagieren wird. Viele Griechen glauben an ein verbessertes Verhandlungsmandat für ihr Land und verkennen, wie groß der Vertrauensverlust auf der Seite der internationalen Partner Griechenlands geworden ist. Und der Reformbedarf für das Land bleibt – unabhängig vom Ausgang des Referendums.

          Susanna Vogt leitet seit Mai 2012 das neu eröffnete Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Athen

          Ist das Bewusstsein, dass ein „Nein“ in der Konsequenz auf einen „Grexit“ zulaufen könnte, bei den Abstimmenden überhaupt vorhanden gewesen?

          Nur in geringem Maße. Diese Täuschung hat die griechische Regierung befeuert, indem sie immer wieder propagiert hat, das Referendum entscheide nicht über die Mitgliedschaft Griechenlands in der Eurozone.


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          © Florian Schuh

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          Haben Sie die Rede von Tsipras nach dem Referendum als Anzeichen der Dialogbereitschaft oder für eine Fortsetzung des alten Maximalismus gedeutet?

          Es war eine vergleichsweise konziliante Rede. Tsipras hat nun, mit dem Ergebnis des Referendums im Rücken, wenig Interesse, die Situation weiter zu zuzuspitzen. Gleichzeitig ist die Kompromissbereitschaft auf der anderen Seite aus ersichtlichen Gründen deutlich reduziert.

          Die kommenden Wochen werden sich wirtschaftlich vor dem Hintergrund andauernder Kapitalkontrollen und einer sich vermutlich noch einmal deutlich verschlechternden Lage abspielen. Welchen Einfluss wird das auf die Lage im Lande haben?

          Griechenland stehen sehr schwierige Tage bevor. Die Verhandlungen müssen nun wieder von Null auf beginnen, denn das Hilfsprogramm ist am 30. Juni ausgelaufen. Zugleich haben sich die Rahmenbdingungen extrem verschlechtert. Die Wirtschaftsleistung ist wieder eingebrochen, und die griechischen Banken stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Es ist nicht klar, wie die EZB mit der neuen Situation umgehen wird. Dies alles könnte auf eine deutliche Verschärfung der Lage in Griechenland hinauslaufen. Auch deshalb, weil die Regierung bei der breiten Bevölkerung mit Erfolg ganz andere Erwartungen geweckt hat. Sie hat den Griechen eingeredet, es könne eine Einigung binnen 48 Stunden geben, bei wieder normal geöffneten Banken.

          Haben die Kapitalverkehrskontrollen und die Tatsache, dass die Banken geschlossen waren, womöglich noch eine  unterstützende Rolle für das Nein-Lager gehabt – nach dem Motto „jetzt erst recht“?

          Das ist möglich – vor allem aufgrund der hier verbreiteten Interpretation, Bankenschließung und Kapitalverkehrskontrollen seien eingeführt worden, um das Ergebnis des Referendums von außen zu beeinflussen und letztlich die Regierung Tsipras zu Fall zu bringen.

          Demnach müssten auch die warnenden Kommentare von ausländischen Spitzenpolitikern wie Martin Schulz oder Jean-Claude Juncker dem „Nein“-Lager geholfen haben.

          Die griechische Bevölkerung hat schon immer auf Äußerungen von außen zu ihrem Wahlverhalten sehr sensibel reagiert. Das hat man sich im Wahlkampf vor dem Referendum bewusst zunutze gemacht und Kommentare von außen ausgesprochen negativ instrumentalisiert. Es ist nicht auszuschließen, dass sich manche Wähler auf diesem Weg in ihrem ´Nein´ bestätigt fühlten.

          Susanna Vogt leitet seit Mai 2012 das neu eröffnete Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Athen. Sie studierte Internationale Beziehungen an der Universität Dresden und absolvierte ihren Master an Sciences Po Paris sowie der Universität St. Gallen. 

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